Der Mythos von der vermögensverwaltenden GmbH

Immer wieder lesen wir von der Frage, warum man beispielsweise statt unserer Sparschwein-UG „nicht einfach eine Vermögensverwaltungs-GmbH einsetzen könnte, die gewerbesteuerfrei ist“. Genau auf diesen weitverbreiteten Gedanken wollen wir heute näher eingehen.

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Im Internet gibt es bekanntlich viel zu lesen. Vieles davon sind jedoch oftmals bestenfalls Halbwahrheiten, die sich über Hörensagen und das Stille-Post-Prinzip verbreitet und festgesetzt haben. Kernprobleme dabei sind, dass kaum jemand einmal eigenständig in der Tiefe recherchiert und womöglich noch Gesetze zitiert. Wir gehen deshalb die Frage der Gewerbesteuerfreiheit einer Vermögensverwaltungs-GmbH heute einmal von A bis Z durch.

Ganz am Anfang steht offensichtlich die Rechtsformfrage. Warum haben wir eine UG und nicht etwa eine GmbH? Akademisch wäre diese Frage so zu beantworten, dass die UG im Kern eine GmbH ist und auch im sogenannten GmbH-Gesetz geregelt wird, also erstmal fast identisch ist. Wesentlicher Unterschied einer UG ist das herabgesetzte Stammkapital von nur (mindestens) 1 Euro gegenüber 25.000 Euro für eine GmbH.

Praktisch ist die Frage so zu beantworten: die GmbH hat einen Reputationsvorteil gegenüber der UG, weil eben vom Start weg ein höheres Haftungskapital vorhanden ist. Aber: braucht man diesen Reputationsvorteil, wenn man gerade nicht ein traditionelles Geschäft mit größeren Wareneinkäufen auf Rechnung führt, sondern im Wesentlichen ein Geschäftdepot? Nein, braucht man nicht. Wir bekommen bei der Bank ein Geschäftskonto, wir bekommen bei Degiro ein Geschäftsdepot. Lediglich der Abschluss von Firmenmobilfunkverträgen soll wohl in der Praxis bei UGs etwas herausfordernder sein.

Jedenfalls kräht kein Hahn danach, wie viel Stammkapital bei uns in der Sparschwein-UG liegt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, dass man mit ausreichend Stammkapital startet, um die Anlaufkosten stemmen zu können und da würden wir aus eigener Erfahrung 500 Euro als Untergrenze und 1.000 Euro als komfortabel einschätzen. Des Weiteren ist aufgrund der Abschreibungspflichten bei im Preis unter Einstand gesunkenen Aktien im Auge zu behalten, dass man sich bilanziell nicht überschuldet (bei Hinzutreten weiterer Voraussetzungen wäre das ein Insolvenzeröffnungsgrund).

Aber kommen wir zurück zur Vermögensverwaltung. Was ist überhaupt Vermögensverwaltung? Die Antwort findet sich im Steuer-Grundgesetz, der Abgabenordnung. Dort steht im Paragraph 14:

Ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb ist eine selbständige nachhaltige Tätigkeit, durch die Einnahmen oder andere wirtschaftliche Vorteile erzielt werden und die über den Rahmen einer Vermögensverwaltung hinausgeht. Die Absicht, Gewinn zu erzielen, ist nicht erforderlich. Eine Vermögensverwaltung liegt in der Regel vor, wenn Vermögen genutzt, zum Beispiel Kapitalvermögen verzinslich angelegt oder unbewegliches Vermögen vermietet oder verpachtet wird.

Danach sind Tätigkeiten in der Regel vermögensverwaltend, wenn sie ihre Erträge aus der sogenannten Fruchtziehung des Vermögens erzielen. Das heißt, dass nicht der Umschlag bzw. die Umschichtung der Vermögenswerte im Vordergrund steht, sondern das Erzielen laufender Erträge aus gehaltenem Vermögen.

Allerdings kann man relativ leicht von der Vermögensverwaltung in die Gewerblichkeit kommen. Das kennt man beispielsweise vom gewerblichen Grundstückshandel, wenn also innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit Grundstücke an- und verkauft werden. In gewerblichen Wertpapierhandel kommt man dagegen als Privatanleger üblicherweise nicht rein, unabhängig davon, wie viel man handelt.

Das sind die allgemeinen steuerlichen Grundsätze zur Vermögensverwaltung bzw. Gewerblichkeit. Dazu kommen nun, da wir eine UG führen, auch noch die speziellen Grundsätze für Kapitalgesellschaften. Hierfür ist es hilfreich, sich das System vor Augen zu führen. Schauen wir in Paragraph 7 des Körperschaftsteuergesetzes:

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(1) Die Körperschaftsteuer bemisst sich nach dem zu versteuernden Einkommen.
(2) Zu versteuerndes Einkommen ist das Einkommen im Sinne des § 8 Abs. 1, vermindert um die Freibeträge der §§ 24 und 25.
[…]

Offensichtlich verweist man uns hier auf den Paragraphen 8. Schauen wir also dort nach:

(1) Was als Einkommen gilt und wie das Einkommen zu ermitteln ist, bestimmt sich nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes und dieses Gesetzes. […]

Folglich unterliegen also Körperschaften den allgemeinen Vorschriften des Einkommensteuergesetzes, wenn es nicht eine speziellere Regelung für Körperschaften im Körperschaftsteuergesetz gibt. Und genau die gibt es. Schauen wir einen Absatz weiter:

(2) Bei unbeschränkt Steuerpflichtigen im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 sind alle Einkünfte als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu behandeln.

Hier wird eine im Steuerrecht ganz wichtige Fiktion niedergelegt. Alles, was eine UG oder eine GmbH oder eine AG an Einkünften erzielt, sind gewerbliche Einkünfte. Nach § 1 KStG gilt diese Regelung für die folgenden Gesellschaften:
(1) Unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig sind die folgenden Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben:

1. Kapitalgesellschaften (insbesondere Europäische Gesellschaften, Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung);
[…]

Da eine UG keine eigene Rechtsform, sondern eine GmbH mit niedrigerem Stammkapital und folglich nur mit unterschiedlicher Rechtsformbezeichnung ist, sind alle Einkünfte unserer UG auch gewerbliche Einkünfte. Somit kann es gar keine „vermögensverwaltenden“ GmbHs/UGs im Sinne einer gewerbesteuerbefreiten Kapitalgesellschaft geben. Es sei denn, diese Kapitalgesellschaft hätte weder Sitz noch Geschäftsleitung im Inland, wie wir eben gelesen haben.

Auch unsere Sparschwein-UG ist also zu 100 % gewerblich und weil das so ist, erzielt auch der atypisch still Beteiligte unserer UG & atypisch Still gewerbliche Einkünfte, wenn er auch im steuerlichen Sinne atypisch beteiligt ist, also über Mitunternehmerrechte und -risiko verfügt. Das sieht sogar das Finanzamt selbst so (es existieren in der Steuerliteratur aber auch von der Verwaltungsauffassung abweichende Ansichten):

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[…] Ist Inhaber des Handelsgeschäfts eine GmbH, so erzielt auch der an ihr atypisch still beteiligte
Gesellschafter gewerbliche Einkünfte, und zwar unabhängig davon, ob die Tätigkeit der GmbH und des
an ihr atypisch still beteiligten Gesellschafters die Voraussetzungen eines Gewerbebetriebs nach § 15
Abs. 2 EStG erfüllt (BMF-Schreiben vom 26.11.1987, BStBl 1987 I S. 765).
[…] OFD Erfurt v. 23.10.2003 – S 2241 A – 08 – L 221

Warum nun gibt es aber die Geschichten, dass vermögensverwaltende GmbHs gewerbesteuerbefreit sind? Das liegt zunächst mal an den begrifflichen Unschärfen bei den Verwendern solcher Formulierungen. Denn wie wir gesehen haben, kann eine inländische Kapitalgesellschaft machen, was sie will, aber sie erzielt immer gewerbliche Einkünfte, ist aus steuerlicher Sicht also fiktiv nicht vermögensverwaltend.

Tatsächlich gibt es aber eine spezielle Regelung im Gewerbesteuergesetz (§ 9 Satz 1 Nr. 1 GewStG), nach der eine rein immobilienverwaltende Kapitalgesellschaft keine Gewerbesteuer auf den Teil zahlen muss, der auf die Verwaltung und Nutzung der Immobilien entfällt – was bei richtiger Ausgestaltung in einer faktischen Gewerbesteuerfreiheit mündet. Hier hat man aber tatsächlich nicht unbedingt etwas gespart. Denn alleiniger Zweck dieser Regelung ist es, eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, nämlich derjenigen mit Grundsteuer und Gewerbesteuer. Die Gewerbesteuer kann man sich als Immobiliengesellschaft folglich sparen, die Grundsteuer nicht.

Für Aktiendepots in einer Kapitalgesellschaft gibt es eine solche Regelung leider nicht (mehr, § 8b Abs. 4 KStG). Deutschland ist eben kein Land der Aktienbesitzer. Aktienbesitzer können sich nur darauf zurückziehen, aus einer gesellschaftsrechtlichen Kapitalgesellschaft steuerrechtlich eine Personengesellschaft zu machen. Eben unsere UG & atypisch Still zum Beispiel. Denn Personengesellschaften wird ein Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro gewährt. Bis zur Höhe dieses Gewerbeertrags werden wir jährlich nur mit Körperschaftsteuer und Soli belastet. Und das auch nur, wenn man die direkte Ausschüttung des Jahresgewinns an den Gesellschafter vermeidet, um die damit einhergehende Abgeltungsteuer auf die Ausschüttung zu vermeiden.

Solange wir thesaurieren und – grob gesagt – weniger als 24.500 Euro Jahresüberschuss pro Jahr machen, zahlen wir also nur 15,825 % Steuern. Und zwar auf eine Bemessungsgrundlage, von der wir alle Kosten abziehen können – nicht wie im Privatbereich. Es fällt den meisten leider sehr schwer, zu verstehen, wie sich dieser Vorteil langfristig unter Zinseszinsgesichtspunkten auswirkt. Allerdings fällt es den meisten ja auch schon schwer, zu verstehen, dass jede Dividende aus steuerlicher Sicht einen sicheren Verlust in Höhe von 26,375 % der Dividende bedeutet und dass jede Gewinnmitnahme einen sicheren Verlust in Höhe von 26,375 % des Gewinns bedeutet.

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Bei der Dividende müssen wir damit auskommen, weil diese unsere wesentliche Wertpapierkredittilgungsquelle darstellen. Kursgewinne nehmen wir allerdings grundsätzlich „nicht mit“, wenn nicht die Geschäftsentwicklung des Unternehmens fundamental die Richtung wechselt. Je größer die unrealisierten Gewinne bei uns werden, desto größer ist der Anreiz diese aus steuerlichen Gründen nicht zu realisieren, selbst wenn diese bei uns zu 95 % steuerbefreit sind (und Verluste deshalb im Gegenzug nicht nutzbar sind). Es kann nicht schaden, diesen Gedanken zur Selbstdisziplinierung langfristig für sich zu nutzen.

 

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9 Comments

  1. uranobody
    20.05.2019

    Hallo, wie immer ein interessanter Artikel! Ich freue mich schon auf den nächsten.
    Ich habe in einem anderen Kommentar gesehen, dass Ihr euer Buch noch einmal überarbeiten wollt.
    Wenn ich das Ebook jetzt kaufe erhalte ich dann auch die überarbeitete Version?

    Ich habe vor gegen Ende des Jahres auch eine UG zu gründen.
    Was ich noch nicht ganz verstanden habe ist folgendes…wenn Ihr nur 1000€ Stammkapital einlegt mit welchem Geld kauft Ihr dann bei Degiro die Aktien? Nehmt Ihr noch einen Kredit über die UG auf ? Legt Ihr Privatgeld ein oder wie funktioniert das?

    So weit ich weiß müsst Ihr mit 25% des Gewinns der UG weitere Rückstellungen bilden um bei 25.000€ Stammkapital dann in eine GmbH umzuwandeln. Wisst Ihr wie teuer das ist? Wäre es nicht sinnvoller gleich eine GmbH zu gründen?
    Gruß uRaNobody

    Antworten
  2. KI
    21.05.2019

    Hi uranobody,

    ich spiele seit Jahren ebenfalls mit dem Gedanken in solch einer KOsntellation Anlagen zu tätigen, bekam aber nie Bestätigung, dass es sinnvoll ist sondern eher das Gegenteil.

    Es dürfen lediglich 25% der Gewinne bei der UG nicht ausgeschüttet werden! Da man bei dem Modell sinnvollerweise gar nichts ausschüttet, um keine Besteuerung auszulösen sondern sich maximale Liquidität erhalten und reinvestieren möchte, ist diese Vorschrift unproblematisch.
    Wenn ich in der Kürze richtig gelesen habe, wird von einer UG & Co. KG gesprochen. Diese ist typischerweise eine KG mit einer UG als Komplementär. Investments macht dann die KG.

    Eine GmbH zu gründen würde unnötige Kosten versursachen und keine Vorteile bieten, wenn am Kapitalmarkt investiert wird, da mit der Rechtsform UG (haftungsbeschränkt) weder Kunden noch Lieferanten verunsichert werden.

    Gerne würde ich mich ausfühlicher dazu äußern, aber dazu fehlt mir momentan die Zeit. Ich lasse mich auch gerne korrigieren. Evtl. schaue ich bei Gelegenheit noch mal vorbei.

    Viele Grüße

    Antworten
  3. KI
    21.05.2019

    Da war ich in der Kürze daneben. Keine KG, da war ich gerade daneben wegen des Gewerbesteuerfreibetrages. Atypisch still, daher der Freibetrag. Also einiges streichen, jedoch wollen Gewinne der UG dennoch nicht ausgeschüttet werden.

    Antworten
  4. P
    23.05.2019

    Deine Argumentation mit der nicht möglichen erweiterten Gewerbesteuerkürzung bei vermögensverwaltenden GmbH/UG kann ich nicht nachvollziehen. Den § 9 Nr. 1 S. 2 GewStG hast du gelesen? § 8b (4) KStG hat nichts mit der erweiterten Gewerbsteuerkürzung zu tun, sondern bezieht sich auf die Steuerpflicht von Streubesitzdividenden.

    Antworten
  5. Atypisch Still
    23.05.2019

    Bitte genau lesen, wir haben nicht geschrieben, dass bei vermögensverwaltenden UGs keine Gewerbesteuerkürzung möglich ist, sondern dass UGs kraft der 8b-Fiktion immer in voller Höhe gewerbliche Einkünfte erzielen (und nicht beispielsweise klassische Vermögensverwaltungseinkünfte aus VuV oder aus Kapitalvermögen) und eine der Gewerbesteuerkürzung für grundstückshaltende Kapitalgesellschaften vergleichbare Begünstigung für streubesitzaktienhaltende Kapitalgesellschaften seit der Einführung von § 8b Abs. 4 KStG nicht mehr existiert, bzw. nur noch in Bezug auf Veräußerungsgewinne (§ 8b Abs. 2 und 3 KStG) aber nicht mehr in Bezug auf Dividenden (§8b Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 KStG).

    Antworten
    1. P
      23.05.2019

      Sorry, aber das habt ihr nicht geschrieben. Ihr habt zum Ende des Absatzes, der die erweiterte Gewerbesteuerkürzung (§ 9 Nr. 1 GewStG) behandelt, wörtlich geschrieben: „Die Gewerbesteuer kann man sich als Immobiliengesellschaft folglich sparen, die Grundsteuer nicht.“

      Nächster, direkt folgender, Absatz:
      „Für Aktiendepots in einer Kapitalgesellschaft gibt es eine SOLCHE Regelung leider nicht (mehr, § 8b (4) KStG)“

      [Hervorhebung durch mich]

      Diese Schlussfolgerung ist falsch und darauf wollte ich andere Leser mit meinem Kommentar hinweisen.

      Antworten
      1. Atypisch Still
        23.05.2019

        Wenn das missverständlich ausgedrückt sein sollte, ergänzen wir das gerne: Mit einer „solchen“ ist eine „vergleichbare Begünstigung“ von Vermögensverwaltungssachverhalten gemeint gewesen, also bspw. bei der Verwaltung von Immobilien (als alleinige Tätigkeit) über die Gewerbesteuerkürzung (effektiver Steuersatz dann 15,825%). Eine reine Verwaltung von Aktien war früher fast vollständig steuerfrei, mittlerweile gibt es durch § 8b (4) KStG keine Befreiung mehr bei den Streubesitzdividenden, die dann KSt+SolZ+GewSt unterliegen, es sei denn man kann z.B. aufgrund einer Atypisch-Still-Gesellschaft den Gewerbesteuerfreibetrag für Personengesellschaften in Anspruch nehmen, dann fallen auf die ersten 24.500 Euro Gewerbeertrag nur Körperschaftsteuer nur KSt+SolZ an.

        Antworten
    2. P
      23.05.2019

      Und noch ein Hinweis: UG erzielen nicht Kraft 8b-Fiktion grundsätzlich gewerbliche Einkünfte, sondern aufgrund ihrer Rechtsform.

      Antworten

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