Im Auge des Sturms

Zeit für ein Update mitten im Corona-Sturm: wo stehen wir, was tun wir, was tun wir gegebenfalls auch nicht?

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Wir haben uns die letzten Wochen extra etwas zurückgehalten mit Äußerungen zur Situation, da wir so viel auch selbst nicht an Erhellung beitragen können. Wir sind natürlich weder Virologen noch Epidemiologen. Wir halten sowohl die politisch ergriffenen Maßnahmen für wenig zielgenau und oftmals überschießend, andererseits aber auch die Ansichten derer, die die Maßnahmen für überschießend halten, oftmals für ebenfalls weit überschießend und bisweilen emotionalisiert.

Es ist besorgniserregend, dass nach 2015 erneut eine starke Bipolarität der Meinungen im Lande zu verzeichnen ist. Wir sind Verfechter des Meinungspluralismus. Allerdings wird man wohl bescheinigen können, dass die beiden Lager einander oft recht unversöhnlich gegenüberstehen. Weiß oder Schwarz, Grau ist schwierig. Wir leben also nach wie vor nicht in der Wissensgesellschaft, sondern in der Dissensgesellschaft. Und fehlende Konsensfähigkeit ist immer auch der Ursprung von Radikalisierung.

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Und worüber man auch geschrieben hätte, am nächsten Tag ist es eh schon wieder anders. Das betrifft die Rekorde an den Märkten, die politischen Maßnahmen und die Auswirkungen in der Realwirtschaft.

Was können wir also sagen? Zunächt einmal so viel: nachdem wir Ende Februar – im Rückblick sinnvoll – auf der Verkaufsseite unterwegs waren, sind wir jetzt selektiv wieder auf der Kaufseite unterwegs. Sind wir also schon im Aufschwung? Keine Ahnung. Ist das nur eine Zwischenerholung im übergeordneten Bärenmarkt? Wissen wir nicht. Weil wir die Dinge auch nicht besser wissen, als alle anderen, gehen wir in Trippelschritten vor und beobachten einfach, was passiert. Wir haben ausdrücklich keine Kurserwartung, weder konkret nach unten noch konkret nach oben. Wir beobachten und warten, was passiert. In fünf Jahren wird man wahrscheinlich wieder sagen: hätt‘ man damals mal so richtig… Was wir aber wissen ist: wir haben sicherlich eine Wahrscheinlichkeit von 50 % +/- x %, dass die Kurse fallen. Wir haben aber andererseits auch eine Wahrscheinlichkeit von 100 %, dass wir in Zukunft wieder neue Höchstkurse sehen werden. Wie viel billiger man also einkauft, ist mangels Voraussehbarkeit der Kursentwicklung deshalb unseres Erachtens nicht so relevant. Wichtig ist nur, dass man überhaupt billiger einkauft. Am einzigen Markt weltweit, auf dem die Käufer bei günstigen Preisen einen Kauf scheuen und bei hohen Preisen so richtig zugreifen, wohlgemerkt.

Wo haben wir nachgekauft? Da wird sich der ein oder andere jetzt sicherlich die flache Hand auf die Stirn klatschen. Zum Beispiel im Kreuzfahrtsektor. Hier haben wir bei Carnival Corp. ordentlich nachgekauft. Es gibt ja verschiedene Kreuzfahrtlinien zur Auswahl und bei Carnival fanden wir auch die Bilanz nicht so schlecht. Ein Blick in die Bilanz ist übrigens generell ein guter Hinweis auch an Aktieneinsteiger. Wir sind bei Facebook Mitglied verschiedener Aktiengruppen und hier wird die Anlageentscheidung gefühlt vor allem auf der Basis im Stille-Post-Verfahren „verfakteter“ Meinungen getroffen, bei der die angeführten Quellen bestenfalls von DerAktionär.de kommen.

Das ist ein Ansatz, den wir von Grund auf nicht teilen. Es ist ein bisschen wie in der Wissenschaft. Da zählt auch nur die Primärquelle, und die Sekundärquelle hat bereits den Ruch den Mangelhaften. Genau das gleiche muss man sich auch im Investmentbereich angewöhnen. Die beste Orientierung gibt nun einmal ein Jahres- oder hilfsweise ein Quartalsabschluss und der Lagebericht des Vorstands, die Insider-Käufe des Vorstands und die Pressemeldungen. Die Kunst des Investierens besteht dann darin, zu erkennen, wann die Primärquelle alternative Fakten präsentiert, die sich mit der Realität nicht decken, was in erster Linie eine Frage von Erfahrung und Menschenkenntnis ist. Wir sind übrigens generell bei vielen unserer Unternehmen im IR-E-Mail-Verteiler und erhalten dann aus erster Hand die entsprechenden Informationen.

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Aber zurück zu Carnival. Wir würden davon ausgehen, dass die opulente Dividende absehbar in voller Höhe gestrichen wird. Des Weiteren gehen wir von einem verlorenen Jahr 2020 aus. Allerdings weiß man ja nicht, wohin der Kurs geht, sodass wir den 80%igen Abschlag einfach jetzt schon einmal mitgenommen haben. Natürlich ist auch eine Insolvenz möglich. Allerdings muss man auch den weltweiten Willen aller Beteiligten sehen, die Pandemie soweit wie möglich unter eine gewisse Kontrolle zu bekommen und wirtschaftliche Aktivität wieder zuzulassen. Unsere Arbeitshypothese ist folglich, dass irgendwann wieder Kreuzfahrtschiffe fahren werden, mit der Glaskugel betrachtet vermutlich ab 2021. Sobald Corona medizinisch abgehakt ist, gehen wir auch davon aus, dass der bislang bestehende Trend zu Kreuzfahrten wieder Fahrt aufnimmt und die Aktie dann Freude macht. Für 2021 gibt es derzeit ermutigende Buchungszahlen.

Auch bei Flugzeugbauern haben wir eingekauft: Boeing, Airbus und MTU. Warum dort? Bei Airbus und Boeing halten wir das faktische Duopol für attraktiv. Boeing hat natürlich seine eigene Probleme seit dem Baupfusch. Airbus dafür mit Korruption und Geldwäsche. Pest oder Cholera also, und wir haben uns für beides entschieden. Fluglinien würden wir dagegen nicht mit der Kneifzange anfassen. Viel wird ja derzeit davon geschrieben, dass nach Corona „nichts so sein wird, wie es mal war“. Wir wollen uns dem so pauschal nicht anschließen. Im Gegenteil glauben wir, dass sehr viele Basistrends ungebrochen bleiben werden. Hier aus unserer Sicht insbesondere der Flugtourismus. Die Fernreise ist nicht tot. Definitiv nicht. Flugscham ist zwar ein Begriff, der gerne durch die Medien geistert. In praxi halten wir dieses Phänomen aber für überschätzt. Darüber hinaus hat man in der gegenwärtigen Krise auch gesehen, wie wichtig Luftfracht im Zweifel sein kann. Ohne Luftfracht aus China wären sicherlich weitaus mehr Lieferketten zusammengebrochen.

Außerdem haben wir mit Hypoport, Partners Group und Corestate drei Werte zurückgekauft, die wir Ende Februar – teurer – verkauft haben. Erstmalig dabei sind wir bei Adidas. Aufgestockt haben wir Aroundtown Property Holdings und Alteryx. Mit Minimalpositionen haben wir Main Street Capital und Newtek Business Services um knapp die Hälfte billiger zurückgekauft. Um mehr als die Hälfte billiger haben wir die beiden REITs Simon Property Group und VEREIT bekommen. Des Weiteren haben wir die Ölpreiskrise genutzt, um unsere Pipelinebetreiber Kinder Morgan und ONEOK sowie den Ölkonzern Shell aufzustocken. Hinsichtlich der Standardwerte sind wir bei Walt Disney und Coca-Cola zu guten Preisen eingestiegen. Neu dabei sind außerdem CTS Eventim und Booking Holdings. Wie man sehen kann, sind wir ungefähr zur Hälfte in ausgebombte Werte und zur anderen Hälfte in einfach nur billiger gewordene Werte, die aber nicht zu den Katastrophenbranchen zählen.

Für die US-Werte ziehen wir für unsere überblicksweise Beurteilung und Nachverfolgung von Titeln bevorzugt Seeking Alpha (als Sekundärquelle, die aber immer auch die Originalquelle verlinkt 😉 ) heran. Vor allem im REIT- und BDC-Bereich gibt es profilierte Autoren, die sich über die Jahre beeindruckende Branchenexpertise aufgebaut haben. Als Beispiel genannt sei hier beispielsweise Brad Thomas als SWAN-Experte (sleep well at night-Aktien). Für die deutschen Werte halten wir uns bekanntlich überblicksweise über die in readly verfügbaren Börsenzeitschriften auf dem Laufenden. Hier sei vor allem Euro am Sonntag genannt. Deren Problem ist ja, dass in jeder Ausgabe gefühlt raumgreifend vor allem DAX- und andere Standardtitel behandelt werden. Das ist ja auch in Ordnung, denn auch bei Standardwerten schadet es nicht, informiert zu bleiben.

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Worauf wir jedoch schielen sind die ausgebombtesten Branchen, die abgestürztesten Aktien und genau hier die Analyse, welche Unternehmen dennoch über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen und deshalb nach der Krise wieder ein Mehrfaches wert sein könnten. Aktuell titelt Euro am Sonntag, die nunmehr skandalöserweise freitags erscheint, mit „Megatrend Medizin“. OK, nicht komplett themenfremd in der aktuellen Situation. Aber wann, wenn nicht in Krisenzeiten, wäre es an der Zeit, vorrangig verbilligte Aktien zu analysieren? Eine Krise dauert in der Höchstphase oft nur wenige Wochen. In diesen Wochen kann es eigentlich nur heißen: Analysen, Analysen, Analysen, gerne auch mit Sonder- und Ergänzungsbeilagen, gerne auch gegen Aufpreis. Im Einkauf liegt der Gewinn und in diesen Wochen kann unbezahlbarer Mehrwert für jeden Leser geschaffen werden.

Wir erwarten jetzt einzelne weitere Kaufgelegenheiten mit der Vorlage der Quartalsergebnisse. Wie üblich und jetzt noch verstärkt zählt dabei in der Regel nicht das Ergebnis, das im letzten Quartal tatsächlich erreicht wurde, sondern allein der Ausblick. Bombenkrater sind dabei insbesondere bei allen Anbietern sozialen Konsums zu erwarten. Das heißt: Einzelhandel, Gastronomie, Unterhaltung, Tourismus, Hotellerie, als Zweitrundeneffekt dann auch Immobilienvermieter und Kreditgeber. Dagegen sind aus unserer Sicht vor allem ölbezogene Investitionen aussichtsreich, von denen wir erwarten, das sie die ersten sein werden, die vom Wiederhochfahren der Wirtschaft profitieren sollten. Während der Preiskrieg, die vollen Lager und die Weltrezession in den Preisen schon enthalten sein sollten und die Ausblicke im Ölsektor eher schneller besser werden sollten. Aber wie man sieht: viel Konjunktiv, und viel Konjunktiv heißt wenig harter Wert. Wir legen hier lediglich unsere Arbeitshypothesen dar, denn irgendeine Vorstellung von der Zukunft sollte man sich schon (selbstständig!) formen. 

Wir sind mit dem Wertpapierkredit bislang gut durch die Krise gekommen und eine Margin-Call-Gefahr ist ausgeschlossen. Des Weiteren haben wir Werte zu (Börsen-)Krisenbeginn teuer verkaufen können und anschließend billiger (zurück)kaufen können. In Summe halten wir das für ein zufriedenstellendes Ergebnis mit dem wir – die Indizes wieder auf Vorkrisenniveau unterstellt – kein Geld verloren haben. Ob unsere Entscheidungen dagegen „richtig“ oder „falsch“ waren, halten wir in dieser Situation für die falschen Kategorien und für eine nicht zielführende Diskussion. Ein unbestreitbarer Nachteil ist nun, dass wir geringer gehebelt mit geringerer laufender Rendite und mit geringerem Wertsteigerungspotential unterwegs sind, was gleichzeitig auch als Vorteil betrachtet werden kann. Vor allem unter Berücksichtigung dessen, dass wir auf Sicht von einigen Jahren eine Ausgabendeckung durch Dividenden beabsichtigen und wir uns bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin weitgehend entschulden wollen. Das ist mit einem reduzierten Wertpapierkredit leichter. Das Thema Dividenden selbst ist jedoch zumindest für 2020 weitgehend abzuhaken.

Außerdem wurde die Portfoliozusammensetzung ordentlich durchgeschüttelt. Dieses Thema ist vor allem vor dem Hintergrund der Verarbeitung in der Buchhaltung (und später in der Steuererklärung) unserer Sparschwein-UG zu sehen. Erst die Verkaufswelle, dann die Käufe. Das war einiges an administrativem Zeitaufwand. Und hat für uns tatsächlich einen enormen Disziplinierungseffekt. Wir sind von Natur aus schon von Buy & Hold überzeugt und deshalb dem Handeln abgeneigt. Wenn zur Abneigung aber auch noch nicht unerheblicher Aufwand kommt, dann kostet jede Transaktion ein Mehrfaches an Überwindung.

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Kommen wir von unserer Gesellschaft zu den Corona-Hilfsmaßnahmen des Staats. Der Vorteil einer eigenen vermögensverwaltenden Gesellschaft ist, dass man dem Grunde nach von solchen Hilfsmaßnahmen profitieren könnte, während gleichzeitig jeder Anleger ohne eigene Gesellschaft davon schon vorab ausgeschlossen ist. Das führt uns wieder vor Augen, dass es alleine deshalb schon Sinn macht, eine eigene Gesellschaft zu verwalten, um im Fall der Fälle eine größere Auswahl an Handlungsoptionen zu haben. Kaufe ich mir den Computer privat oder könnte ich ihn auch beruflich brauchen und somit in der Gesellschaft kaufen? Kaufe ich den Computer erst im nächsten Jahr und kann in einer Gesellschaft möglicherweise den Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nehmen und den Aufwand schon in dieses Jahr vorziehen? Kaufe ich die Aktie privat oder ergeben sich bei einem – zulässigen – Aktienkauf in einer Gesellschaft Vorteile, die der Private nicht hat? Das attraktive Leasingangebot gilt nur für Gewerbeleasing – kann die Gesellschaft gegebenenfalls leasen und dem Gesellschafter weitervermieten? Das sind alles Teilaspekte, die man einmal betrachten kann. Optionen (und damit sind nicht die Finanzinstrumente gemeint) zu haben ist immer empfehlenswert.

Leider kommen wir zum Ergebnis, dass wir die Voraussetzungen für Corona-Staatshilfen nicht erfüllen. Oder mindestens den Antrag nicht guten Gewissens abgeben könnten, weil es der Gesellschaft nicht schlecht geht. Zu denken ist bei der Führung einer juristischen Person, die sich ja nicht selbst führen kann und deshalb eines Geschäftsführers bedarf, auch an Haftungsfragen. Dann wäre die ganze schöne Haftungsabschirmung innerhalb der Gesellschaft für die Katz, wenn der Geschäftsführer pflichtwidrig falsche oder fehlerhafte Staatshilfeanträge einreicht und dafür im Nachhinein belangt werden kann. Und natürlich kann man auch einfach an das schöne Zitat von Josef Ackermann denken, der sich geschämt hätte, wenn er in der letzten Krise Staatsgeld angenommen hätte. 

Soweit für heute als kleiner Zwischenstand. Schreib uns im Kommentarbereich, in welchen Branchen Du auf Shopping-Tour bist! 🙂

 

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13 Comments

  1. Tobias
    23.04.2020

    Immer wieder schön eure Texte zu lesen. Mich stimmt es leider auch traurig, dass wir uns immer weiter von der Wissensgesellschaft entfernen.

    Ich habe die Zeit genutzt um günstig MBB und Wirecard aufzustocken, welche ich zu den langfristig attraktivsten deutschen Aktien zähle. Darüber hinaus kamen noch Wastemanagement und Nutanix hinzu, sowie eine kleine Position StoneCo und Ping An Health. Die letzten 3 sind zwar recht spekulativ, bedienen aber sehr aussichtsreiche Trends. Grüße und weiter so

    Antworten
  2. magyc
    26.04.2020

    Hallo… zunächst Kompliment für Euer Blog. Mir gefällt der sachliche Stil und dass es nicht nur Behauptungen und Meinungen gibt, sondern auch Begründungen. Zum Thema: Die Strategie jetzt tranchenweise in den Markt (zurück) zu gehen ist m.E. völlig richtig, jedenfalls auf mittel- bis langfristige Sicht. Allerdings je mehr Zeit vergeht, desto weniger glaube ich, dass noch ein grosser Sell-Off kommt.
    Zum Thema Flug und Touristik: Persönlich würde ich beides meiden, da diese Branchen wirklich im Mark getroffen sind und es noch lange dauern wird, bis alte Niveaus erreicht werden. Sicherlich werden Lufthansa, MTU Aero und TUI überleben. Der Staat wird sie nicht Pleite gehen lassen. Aber der Staat wird nicht die Aktionäre retten, die werden den Preis zahlen müssen, sei es durch Verwässerung ihrer Anteile oder dauerhaften Dividendenverzicht o.ä.
    Mit Öl, Autos hätte ich hingegen keine Probleme. Meine REITs habe ich durch den Crash gehalten (genaugenommen habe ich mein komplettes Depot gehalten…), zwei BDCs habe ich danach im Tief gekauft. Aber das sind wirklich spekulative Beimischungen.
    Wie auch immer, über das meiste dürfte man sich in 5 Jahren freuen.

    Antworten
  3. hug
    27.04.2020

    Hallo.

    Zuerst einmal vielen Dank für euren Content!

    Ich selbst habe 2 Depots. 1. Comdirect und 2. Degiro (hauptsächlich wegen des WPK).
    Doch jetzt in der Krise bin ich doch tatsächlich einmal in den „Genuss“ eines Margin Calls gekommen, was nicht weiter schlimm war, da ich noch verfügbares Cash hatte, doch es spielten 2 Aspekte zusammen. Zuerst fielen die Märkte und zum anderen zog Degiro die Kriterien für die Beleihung etwas an. Ist euch sowas auch passiert?

    Dann ist mir noch etwas seltsames geschehen.
    Vor gut einer Woche bekam ich Post von der Allianz bezüglich der Aktionärsversammlung. Hier stand geschrieben, dass ich aktuell 6 Anteile besitze. Interessant zu wissen ist aber, dass ich 6 Anteile über Comdirect gekauft habe und 16 Stück über Degiro. Demnach müsste in diesem Brief eigentlich 22 Anteile stehen – oder leitet Degiro die Zahlen nicht weiter?

    Sonst bin ich wirklich dankbar für diesen Blog, da ich hier gleichgesinnte gefunden habe, die nicht nur bei Immos, sondern auch bei anderen Investitionen nicht den Hebel scheuen.

    Einen schönen Start in die Woche

    Hug

    Antworten
    1. Bastian
      27.04.2020

      Hallo hug,

      habe selbst auch das Depot bei Degiro mit WPK. Der Finanzrahmen ist natürlich durch die Kursverluste runtergegangen. Durch die Anpassungen von Degiro ist er noch weiter runtergegangen. Allerdings war der Effekt von den Anapssungen auf den Finanzrahmen doch relativ gering. Vielleicht hat das mit dem Aktienmix zu tun.
      jedenfalls bin ich nie nahe an einen Margin Call gekommen, dazu hätten die Märkte noch deutlich weiter fallen müssen. Vom jetztigen Niveau müssten sie ca. 50% fallen, um einen Margin Call auszulösen.
      Ich würde empfehlen, neben Absicherung durch Rahmenkredite auch beim WPK nicht ans absolute Limit zu gehen, die Anpassungen von Degiro sind da ein schönes Beispiel, dass der Puffer kleiner sein kann als angegeben.

      Wer schon ein abbezahltes Haus hat, hat zum WPK natürlich die schöne Alternative, eine Hypothek aufs Haus aufzunehmen. Der Zinssatz ist dann noch besser als beim Debit Geld und es gibt keine Margin Calls.
      Leider habe ich diese Option nicht und viele andere hier wohl auch nicht.

      Antworten
    2. Atypisch Still
      03.05.2020

      Hi hug,

      danke für das Lob! 😉

      Zum Margin Call Risiko im Corona-Crash haben wir hier was geschrieben: https://www.atypischstill.com/allgemein/der-worst-case-teil-ii

      Und zur Allianz: wir hatten dasselbe Thema mit Degiro schon besprochen (wir sind Stammkunde beim Kundenservice 😀 ). Es ist so, dass Degiro – und nicht der Aktionär selbst – treuhänderisch für den Aktionär im Namensregister steht. Somit erhält der Aktionär derzeit nicht automatisch die Kapitalmarktkommunikation der Aktiengesellschaft weitergeleitet. Degiro macht das v.a. aus Kostengründen, und bei 100 Euro Gebühren für die Weiterleitung der HV-Einladung sollte der HV-Besuch über Degiro in der Praxis auch nicht so richtig in Betracht kommen. Das alles ändert sich hoffentlich mit der Umsetzung der Novelle der Aktionärsrechterichtlinie der EU. Haben wir hier im Blog auch schon mal drüber geschrieben 😉

      Beste Grüße
      Atypisch Still Blog

      Antworten
  4. Chris
    29.04.2020

    Moin,
    ich habe euch die Tage erst entdeckt und mich kurz eingelesen. Euer content ist sehr gut!
    Wenn ich mir die Marktreaktionen heute ansehe, erinnert die Situation schon an 2009. Schon beim kleinsten positiven Zeichen geht’s nach Norden… Damals schrieb übrigens der Analyst Andy Xie „people who jump in now will lose big“. Womöglich liegen die Superhirne heute wieder falsch.
    Habt ihr euch grüne Technologien angeschaut? Wenn man die Nachrichten verfolgt, wird grüne Technologie bei Staatshilfen bevorzugt.
    Ich habe bei IVU aufgestockt.
    Kurze Frage zum content. Die Sache, Aktien in einer Kapitalgesellschaft zu halten, klingt gut. Aber wie steht es mit der Auszahlung an den Anteilseigner bei Dividenden? Wenn die UG Dividenden erhält, muss sie diese versteuern. Zahlt die UG Gewinne an Anteilseigner aus, werden diese ebenfalls besteuert. Ist der Anteilseigner letztendlich nicht schlechter gestellt als der private Aktionär, der nur mit der Kapitalertragssteuer belastet wird? Oder nur ein Denkfehler???
    Euch allen gute Trades!
    Chris

    Antworten
    1. Atypisch Still
      03.05.2020

      Hallo Chris,

      danke für das Lob! 😉
      Nein, grüne Technologien haben wir uns bisher nicht angesehen. Wir hatten aber bis zum Crash z.B. NEL im Depot. Also Zukunftstechnologie durchaus, ohne aber mit der Brechstange unbedingt grün sei zu müssen.
      Bezüglich der Gesellschaft schreiben wir ja immer wieder, dass es sich um ein Thesaurierungsmodell handelt. Es würde nicht funktionieren, wenn man alles gleich wieder ausschüttet. Die Ausschüttung planen wir für spätere Zeiten zwischen Arbeitsende und Renteneintritt, in der die Steuerprogression niedrig ist. Ansonsten lies Dich gerne ein über die Suchfunktion, wir haben verschiedentlich dargestellt, wie wir vorgehen 🙂

      Beste Grüße
      Atypisch Still Blog

      Antworten
  5. Chris
    04.05.2020

    Moin!
    NEL war mir zu unsicher. Ich habe nach Herstellern von Wasserstoffspeichern gesucht, aber nix Passendes (börsennotiertes) gefunden. „[Nicht] mit der Brechstange grün…“ trifft meine Herangehensweise mit IVU und den grünen Technologien im Allgemeinen. Der ÖPNV wird als „grün“ hofiert. IVU schwimmt da im Kielwasser mit. Und solange der ÖPNV weiter gefördert wird, profitieren sie.
    Euer Wirecard-Statement war gut. Er stützt die gestern veröffentlichte Stellungnahme.
    Und zur Steuerfrage: Es war mir klar, dass Olaf seine Prozente haben will! Es lässt uns alle nicht vom Haken. Aber ich suche weiter nach einer Lösung!!!
    Gute Trades!
    (Sorry, ich konnte nicht auf Euren Beitrag antworten…)

    Antworten
  6. Kebap
    10.05.2020

    Hallo Hug,

    Gibt es Gebühren für den Margin Call? Oder ist das ‚feststellen eines Defizites‘ im Preisverzeichnis nur wenn man nicht gleich ausgleicht?

    Lg

    Antworten
    1. Atypisch Still
      12.05.2020

      Hi,
      wir hatten auch schon diverse Margin Calls und man kriegt dann im ersten Schritt eine E-Mail. Das kostet nichts. Weiter im Prozess waren wir glücklicherweise noch nicht und wir würden auch davon ausgehen, dass danach (bei Nichtauffüllung des Kontos) Gebühren belastet werden.
      Beste Grüße
      Atypisch Still Team

      Antworten
      1. Kebap
        13.05.2020

        Also nicht die „die Kurse bei wert X sind 10% gefallen“ Mail sondern ein echter Margin Call mit Finanzrahmen auf 0?
        lg

        Antworten
        1. Atypisch Still
          13.05.2020

          Ja genau

          Antworten
  7. Uwe
    10.05.2020

    Hallo,
    ein wertvoller Artikel mit vielen inspirierenden Einblicken … also ich mache „buy and hold“ .. und kaufe beizeiten nach … und generell zum Verkauf … die Frage kaufen oder verkaufen stellt sich bei langfristigen Aktionären nicht … sie bleiben dem Unternehmen verbunden … auch in schlechten Zeiten … wer verkauft hat seine Hausaufgaben vorher nicht gemacht …. Aktien für immer … Krisen passieren … dazu ist die Welt insgesamt mittlerweile zu sehr miteinander verwoben und dementsprechend „dünnhäutig“ …fragil …. da helfen nur solide Informationen wie beispielsweise die langfristige Entwicklung von Dividenden Z.B beim DAX … das hilft bei der (vorherigen) Einschätzung einer Aktie …
    Schöne Grüße
    Uwe

    Antworten

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