FIREabend: Finanzblogs in der Krise?

Kaum macht man mal ein paar Tage Sommerpause, schon geht’s rund in der Finanzblogszene. Ein viel diskutierter Beitrag zum Zustand der Finanzblogs in Deutschland und zu Fragen einer quasi-turbokapitalistischen Kaperung der sog. FIRE-Bewegung, dazu eine Finfluencer-Leitfigur, die nach Jahren des Wasserpredigens nun doch vom Wein nascht.  Klar, da wollen wir natürlich auch richtig mitmischen im Disco-Pogo der Finanzblogs. Aber Spaß beiseite, die Kritik hat teilweise ihre Berechtigung.

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Wir haben uns in letzter Zeit bereits gelegentlich mit Fragen der Finanzblogkultur in Deutschland und ihrer Tendenzen auseinandergesetzt. Dies nicht aus dem Grund, weil wir über den Dingen stehen, sondern weil wir vor allem selbst als Leser und Inhaltskonsumenten Teil des Ganzen sind. Wir haben also ein ureigenes Interesse an guten, lesbaren Inhalten, da lebenslanges Lernen zu unserem Selbstverständnis gehört. Vorab sei noch gesagt, dass der vorliegende Artikel viele allgemeine Ausführungen enthält, die sich, sofern nicht anders angegeben, nicht zwingend nur auf den Beitrag von Dagoberts Nichte beziehen.

Kritik an Finanzblogs ist nämlich so alt wie Finanzblogs selbst. Was natürlich immer schwierig ist, denn „die“ Finanzblogszene gibt es wohl gar nicht, sondern wie überall: ein überaus bunter Haufen. Den angesprochenen Beitrag von Dagoberts Nichte zum Zustand der deutschen Finanzblogszene begrüßen wir, da auch dies natürlich wertvolles Feedback direkt aus der Mitte heraus ist und hilfreiche Debatten anzustoßen geeignet ist. Freilich wird sich die Mehrheit davon nicht zwingend angesprochen fühlen, weil eben auch bei der Mehrheit der (uns bekannten) Blogs nichts wirklich problematisch ist. Wie überall gibt es aber auch schwarze Schafe, die die Idee eines Finanzblogs (bereits an dieser Stelle in Abgrenzung zu: die Idee von FIRE) gekapert haben, um nicht mehr (wie früher verbreiteter) wertvolle Inhalte beizutragen und Geld zu „verdienen“, sondern ausschließlich um Geld zu „machen“ – auf welchem Weg auch immer.

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Zu fragen ist doch am Ende immer Folgendes: was hilft dem Leser wirklich weiter, wovon hat der Leser einen Nutzen? Die meisten Finanzblogs bieten hier überaus verwertbare Inhalte. Wenn auch mit gewissen Wiederholungen. Auf der anderen Seite verschwinden viele Artikel mit der Zeit im Nirvana des Internets und erst die Wiederholung belebt ein Thema neu. Die Wiederholung fiele dann nur dem langjährigen Leser auf. Nach unserem Eindruck ist die überwiegende Menge an Inhalten auch nach wie vor kostenlos und es gibt einen vitalen Austausch in alle Richtungen. So weit, so gut.

Ob die inhaltliche Qualität wirklich eine monetarisierungsbedingt abnehmende Tendenz hat, scheint uns durchaus fraglich zu sein, insbesondere dürfte das nicht pauschal der Fall sein. Eines gewissen solchen Eindrucks kann man sich zwar nicht erwehren. Wir haben für diesen Artikel aber extra nochmal sehr alte Finanzblogs aus der Zeit um 2010 gegengecheckt, die wir fast von der ersten Stunde an gelesen haben. Tatsächlich hatten Finanzblogs damals auch einen eigenen „Spirit“, einen eigenen Charakter, möglicherweise mehr als heute, einen stilistischen Wiedererkennungswert, was wohl (gefühlt) auch aus der fehlenden Professionalisierung in Sachen Webseitendesign resultierte. Mehr Tagebuch, mehr old school, mehr gegenseitiges Blogroll-Verlinken, weniger modernes bling bling. Interessanterweise waren die Blogs zwar sehr persönlich, aber weniger personalisiert in der Außendarstellung. Die starke Markenbildung als Personen des öffentlichen Raums folgte dann erst eine Blog-Generation später, wenn man das so sagen will.

Die Inhalte waren tendenziell persönlicher und zwar so viel persönlicher, dass sie dem Leser nach unserer Wertung im Ergebnis in fachlich-theoretischer Hinsicht in vielen Fällen gar nicht viel mehr gebracht haben, als einen bloßen Einblick in das private Finanzleben zu geben und ein paar unsystematisch verewigte lose Gedanken. Aber allein dies war zu der Zeit geradezu revolutionär, dass in Deutschland (! 😀 ) über Geld gesprochen wurde und noch dazu über das eigene. Das ist heute durchaus anders, werden Blogartikel teilweise doch mit grundsätzlich eher edukativem Ansatz und Lesbarkeitsanspruch aufbereitet. Aber es gibt natürlich auch ausreichend Trash-Artikel, auch Artikel, die eine Goldmedaille für Inhaltsleere und Profanität verdient haben.

Was sich im Vergleich zu damals sicherlich geändert hat, ist, dass tatsächlich bei einigen wenigen Vertretern nicht mehr der Inhalt zuerst kommt, sondern zuallererst der Geldverdienst-Gedanke. Das merkt man als Leser deutlich, denn notwendigerweise nimmt der Mehrwert der Artikel ab und im Ergebnis wird der Inhalt vollkommen belanglos, da er nur als Kulisse für Werbung dient. Früher gab es bei vielen Finanzblogs beispielsweise die persönliche Note durch die Einbettung in die persönlichen Verhältnisse: wie arbeitet man, wie wohnt man, wie lebt man, wie sieht das soziale Umfeld aus, welche Wahrnehmung hat man über Konsum- und Investmentgewohnheiten im Bekanntenkreis, wie hat man das Gehalt verhandelt, wie entwickelt sich das alles im Zeitverlauf, wie sieht der konkrete Zukunftsplan aus, wie soll der Weg dahin aussehen, was wird konkret unternommen etc. – davon ist heute gefühlt nicht so viel übrig geblieben. Es wurde schon mehr aus dem Nähkästchen geplaudert. Alte Blogs waren eher Tagebuch-artiger, persönlicher, autobiographischer. Heute ist der bildende Ansatz verbreiteter. Bildung hat aber einen Wert. Und was einen Wert hat, hat normalerweise auch einen Preis. Unser Eindruck ist, dass jede Form von Preis bei Finanzblogs bei manchen Pauschalkritik unterliegt.

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Interessant ist, dass unseres Erachtens das Schubladendenken viel weniger ausgeprägt war. Das hängt sicher auch mit dem immensen theoretischen Nachholbedarf in Sachen Finanzen in Deutschland zusammen, der sich in der Breite erst nach und nach und signifikant befördert auch durch viele hilfreiche, hervorragende und niederschwellige Finanzblogs ein Stück weit gelindert hat. Bevor nicht ein allgemeines Grundwissen über Finanzen vorhanden ist, kann es keine Ausdifferenzierung in einzelne Stilrichtungen geben.

Konkret zu den Schubladen: es ging damals nicht darum, ist das noch Frugalismus, wenn ich mir heute ein Eis gönne, oder wäre das eher Frugalismus light, ändert sich durch die Umetikettierung des Konzepts nun gar die ganze Blogausrichtung und muss ich den Wandel auch noch groß zelebrieren? Hindere ich mich damit am FIRE und erreiche ich nur noch Slow-FI? Das sind jedenfalls aus unserer Perspektive irrelevante Kategorien. Wichtig ist das individuelle Ziel und wichtig ist der individuelle Weg zum Ziel. Nicht die Bezeichnungsschublade, unter der alles firmieren soll. Und für Individualität gibt es eben keine Pauschalrezepte. Wir haben auf diesem Blog ausdrücklich darauf verzichtet, unsere oder andere Stilrichtungen auszutheoretisieren und herumzudefinieren, was genau wir eigentlich finanziell betreiben und welcher Gruppe wir uns damit zugehörig fühlen. Wir wissen, dass es anfangs oder gelegentlich den gesteigerten Drang danach gibt, dem ganzen nun auch einen Namen, ein Label zu geben.

Wir wollen damit ausdrücklich nicht zum Ausdruck bringen, dass das permanente Neudurchdenken von Konzeptausprägungen eine überflüssige Übung wäre. Nur zum einen hilft uns das konkret bei unserer eigenen Ausrichtung nicht weiter. Und zum anderen war unser Eindruck im Gegenteil sogar, dass das in überreichlicher Form auf anderen Blogs längst alles ad nauseam durchbesprochen wurde, wenn nicht im deutschen, dann doch mindestens im englischen Sprachraum. Es hilft dann letztlich dem Leser aber auch wenig, wenn man dem x-ten 20-jährigen Einsteiger mit geringem Finanzbestand bei seinen FIRE-Gedanken lauscht, weil die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sich dessen Leben nochmal kräftig durcheinanderschüttelt, als dass er (z.B.) FIRE konsequent anstrebt und am Ende auch erreichen wird.

Es gibt Blogs, die lesen wir seit zehn Jahren. Und an dieser Stelle möchten wir Dagoberts Nichte widersprechen, wenn in ihrem Artikel „Der Privatier“ als „O.G.“ der deutschen Finanzblogszene ausgemacht wird, bei allem gebotenen Respekt für die herausragende Arbeit von Peter Ranning! 😉 Denn es war – zumindest nach unserer Kenntnis – der legendäre Tim Schäfer, der knapp neun Monate vor der Lehman-Pleite in 2008 mit dem gleichermaßen legendären Satz „Noch nie ist eine führende Bank pleite gegangen.“ an den Start gegangen ist. Das war damals noch eine ganz andere Zeit und nur zaghaft sind weitere Blogs dazugekommen, die man sich noch mühsam ergooglen musste oder die man durch Glück durch Blogrolls auf den bereits bekannten Seiten fand – zentrale Anlaufstellen wie heute gab es damals nicht.

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Plutus and me war – pars pro toto – für uns zum Beispiel ab 2011 über all die Jahre ein konstant solider und unaufgeregter Begleiter. Dass man an FIRE nicht viel rumdoktern oder herumdefinieren muss, sieht man an diesem Blog sehr gut. Er redet nicht viel, er hat keinen missionarischen Eifer, den Leser von irgendwas zu überzeugen, er macht einfach. Er ziehts einfach durch. Vor zehn Jahren gab es dort einen Vermögensstand von 157.000 Euro. Dieser liegt heute bei 858.753 Euro und der tatsächliche Ausstieg rückt mittlerweile in greifbare Nähe. So sieht echte solide langjährige Kontinuität aus. Und da haben Aussagen ein anderes Gewicht, weil hier tatsächlich mal Finanzmasse im Spiel ist, die der Rede auch wert ist. Dabei wurde dem Leser jedoch nie etwas aufgezwungen, sondern immer nur zwanglos angeboten. Die eigene Perspektive, ohne Moden, ohne Trends, ohne Krypto, ohne FIRE/Frugalismus/Slow-FI/wasauchimmer-Label.

Kommentar von Plutus and me schon im Jahr 2012 auf Finanzielle Freiheit mit Dividenden:

Wichtig ist, und das ist wohl der schwerste Schritt, anzufangen mit Sparen. Niemand wird von Anfang an einen nennenswerten Ertrag aus Vermögen bekommen, ich jedenfalls nicht.
[…] Ich bin an der Börse mit 16 Jahren gestartet und heuer schaue ich auf 44 Jahre zurück. Für das Vermögen, welches ich blogge, habe ich also ( jetzt inkl. Haus, Auto etcetc ) 28 Jahre gebraucht.
Es dauert also etwas bis eine gewisse Summe aufgebaut worden ist.
Aber, irgendwann muß Mann/Frau anfangen, je früher desto besser, dann klappt es auch mit dem Zinseszins.

Zeitlose, unaufgeregte Wahrheiten verjähren nicht. Das war allerdings ein Kommentar aus der Vor-Instagram-Generation, der sich keinen zeitgeistigen Zumutungen beugte und sich keiner unreflektierten modernistischen Diktion anbiedern musste, also aus der Vor-Clickbait-Zeit mit ihren mittlerweile allgegenwärtigen bunten Smileys im Titel. Aber: tempora mutantur. Nos et mutamur in illis. Selbst Instagram stellt in Aussicht, dass es das mit der Perfektionsillusion in Fotoform auch bald gewesen sein könnte in Anbetracht der Bedrohung durch Tiktok. Noch bunter, noch trivialer, noch mehr Selbstdarstellung. Man fragt sich, wo der Boden des intellektuellen Anspruchs sein soll, nachdem man dachte, das wäre Instagram bereits. Nachdem man zuvor dachte, es wäre Facebook.

Zu einem gewissen Teil hat es folglich mehr Wert, sich im Webarchiv alte Finanzblogs (unvergessen beispielsweise Michael vom inaktiven dividenden-sammler.de-Blog, der abgeschaltete Couponschneider-Blog, Jason Fieber vom verkauften dividendmantra-Blog, den immer noch aktiven dividendgrowthinvestor.com) durchzulesen, als sich heute durch als Blogartikel getarnte Produktempfehlungstexte zu wühlen. Kritisiert wurde von Dagoberts Nichte die Inflation von Monatsberichten und dergleichen. Diese Kritik wollen wir nicht teilen, da wir denken und aus eigener Erfahrung wissen, dass konkrete Zahlungen, konkrete Erfolge, konkrete Dividendenströme überhaupt erst bewusst machen, was bei strukturierter Finanzplanung und ihrer konsequenten Abarbeitung möglich ist. In der Frühphase der Finanzblogs hatten viele Autoren Vermögensstandhistorien bis hin zur Auflistung jeder einzelnen jemals erhaltenen Nettodividende nach Monaten. Zuzugeben sein mag, dass das beim 200. Mal nicht mehr übermäßig originell erscheint. Dennoch sehen wir den konkreten Nutzen von Finanzblogs genau darin: in der Diskussion von allem, was mit persönlichen Finanzen zu tun hat. Dass man nun den Diskursraum um politische, ökologische oder moralische Ebenen erweitert wissen will, dürfte als Anspruch jedenfalls in der Breite nicht sachgerecht sein und deshalb in der Erwartungshaltung überzogen.

Kleine Anekdote am Rande: bereits im Jahr 2012 starteten wir mit einem vorangegangenen ersten, gar nicht so erfolglosen, aber aus qualitativen Gründen nicht der Rede werten Finanzblog, den wir aber leider – übrigens aufgrund mangelnder Monetarisierungskenntnisse – nicht weiterführten, sonst wären wir heute mit in der Bestenliste der ältesten Finanzblogger 😉 Geld ist nun einmal ein gleichermaßen starker, wie auch völlig valider Anreiz, sich den eingebrachten Aufwand vergüten zu lassen. Allerdings sollte der Inhalt eine gewisse schöpferische Höhe erreichen, um überhaupt den Anspruch auf Entgelt erheben zu können. Das scheint uns eher ein Punkt zu sein, der in Vergessenheit geriet. Hieß es früher beispielsweise bei einer Webseitengründung noch, dass man erst einmal mindestens zehn bis zwanzig hochwertige Artikel auf die Straße bringen soll, bevor man auch nur überlegt, Werbung zu schalten oder sich gar bei einer Blogroll zu registrieren, scheint uns hier zwischenzeitlich jede moralisch möglicherweise gebotene Mindestanforderung verloren gegangen zu sein.

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Kleiner Scherz am Rande, Quelle: parteibedarf.de

Einer der Belege für das Bestehen eines realen Problems ist, dass Finanzblogger regelmäßig mit der Motivation antreten, möglichst bankvertriebsdistanziert zu sein und somit dem Leser erst wirklich unabhängig ein Informationsangebot machen zu können. Im Laufe der Zeit lässt sich dann ein durchaus substantieller Teil von ihnen dazu hinreißen, jede nur mögliche Werbung zu machen. Das Girokonto mit der höchsten Provision, das Depot mit der höchsten Provision, beliebige P2P-Plattformen gegen gigantische Provision und mittlerweile auch noch die Krypto-Honigtöpfe für die Greater Fools. Ganz ehrlich, wir wissen als Kunden, bei welchen Brokern der Kunde gewinnt. Und diese Depots empfehlen wir auch gerne. Wir wissen aber auch, bei welchen Brokern der Kunde verliert (v.a. traditionelle deutsche Broker). Diese zu empfehlen, kommt finanzieller Körperverletzung gleich.

Folglich endet dieser Teil der Finanzblogger dann genau wie Bankberater: ausschließlich provisionsgetrieben jeden beliebigen Mist zulasten des Kunden zu verkaufen. Im Ergebnis also provisionsorientierten Vertrieb machen, nur billiger als ein Bankberater und mit weniger Verantwortung. Dazu gesellt sich (wohlgemerkt: in keiner Weise pauschal für alle) dann eine gewisse Trash-E-Book-Maschinerie. Allerdings kann das der Leser regelmäßig am ansonsten veröffentlichten Inhalt erkennen, ob der bezahlte Inhalt voraussichtlich einen Wert haben wird oder nicht.

Aber Dagoberts Nichte spricht ja nicht nur technisch-inhaltliche Themen an, sondern auch sozialphilosophische Motive. Hier werden unseres Erachtens allerdings Themen vermischt, von denen wir uns nicht so sicher sind, dass man das ohne Weiteres voraussetzen sollte. In der Nische mag man das sicher problemlos machen können. Das Problem geht aber schon damit los, „FIRE“ als – jedenfalls übergeordnet – diffusestmögliche Sammelbezeichnung konkret auf eine Gemeinsamkeit definieren zu wollen, die eine andere wäre als das, was das Akronym allein für sich aussagt. Das Gemeinsame auch noch auf den moralisch herausfordernd aufgeladenen Begriff „genug“ herunterbrechen zu wollen, mutet auf den ersten Blick natürlich kontraintuitiv an und muss deshalb unseres Erachtens jedenfalls als Gruppendefinition von vornherein scheitern. Denn diese Übereinkunft gibt es zumindest in Deutschland wohl nicht. Wer auch immer sich zu einem der FIRE-Konzepte zugehörig fühlt, wird sich darauf nicht von vornherein festgelegt sehen.

Die Literaturempfehlung von Dagoberts Nichte, ournextlife, haben wir gelesen. Das sind natürlich alles vollkommen valide Ansichten, kranken aber aus unserer Sicht ebenfalls bereits daran, „FIRE“ zunächst mal als „soziale Bewegung“ zu definieren. Das mag in den USA so sein und wird auch entsprechend konzediert, dass die Übertragbarkeit auf Deutschland möglicherweise nicht gegeben ist. Es gibt in Deutschland wohl bestenfalls einen versprengten Haufen von wenigen zehntausend, die sich diesen nach wie vor gesellschaftlich äußerst nonkonformen Ideen wirklich anschließen können. Eine Bewegung, die ein Mindestmaß an Homogenität aufweist und den Namen verdient, vermögen wir aber hierzulande nicht wirklich zu erkennen.

Im Kern geht es aber eben auch gar nicht um „FIRE“. Es geht im Grunde auch nicht um Kommerzialisierung. Sondern es geht eigentlich um den postulierten Überschwang an maximal ausmonetarisierten Blogs. Aber auch hier ist uns unklar, warum das auf Kritikerseite solche Emotionen hervorruft, würde doch der Markt über kurz oder lang dafür sorgen, dass schlechte Qualität sich herumspricht und entsprechende Teilnehmer mangels Leserschaft aus dem Markt und aus dem Wettbewerb um Aufmerksamkeit ausscheiden. Und das sieht man ja in der Praxis auch, dass der größte Teil der neuen Blogs keine drei Jahre überlebt.

Es scheint sich außerdem derzeit nach unserem Eindruck eine regelrechte Rückabwicklungsmaschinerie zu entwickeln, die permanent die Vorteile anpreist, eben doch nicht mehr früh in den – wie auch immer gearteten – Ruhestand gehen zu wollen, kein „FIRE“ mehr anzustreben oder dies gar aufgrund von Erfolgsaussichtslosigkeit als faktisch unerreichbar abzutun. Auf einmal wird propagiert, in der fortgesetzten abhängigen Erwerbsarbeit eine besondere Sinnstiftung zu suchen, der neue heilige Gral scheint sich Teilzeitruhestand durch Teilzeiterwerbstätigkeit zu nennen. Durch vorzeitige Zielverschiebung verschiebt sich das bisherige Finale zwar zeitlich nach hinten, um aber vorher schon vom süßen Teilruhestand zu kosten. Letztlich traut man dem fiktiven Ruheständler anscheinend teilweise nicht mal mehr zu, mit der Zeit eigenverantwortlich umgehen zu können, wenn Abneigung gegen hierarchisch dominierte 9-to-5-Bürojobs geradezu in vermeintlich unnachvollziehbaren Arbeitshass umgedeutet wird und man unterstellt, dass der Ruhestand definitiv unfassbar langweilig sein wird, weil man nichts mit sich anzufangen wissen wird.

Nach unserem Eindruck wird sich da bei Teilzeit oder bei abhängigen Arbeitsverhältnissen insgesamt immer viel schöngeredet. Fakt bleibt, dass ein Arbeitnehmer faktisch in ein mehr oder weniger sichtbares Über-/Unterordnungsverhältnis eingegliedert ist; dass ein Arbeitnehmer permanent Weisungen des Arbeitgebers unterliegt, der Ort, Zeit und Art und Weise der Tätigkeitsausübung festlegt. Ein Arbeitnehmer ist per Definition jemand, der einem Unternehmen oder einem Unternehmer dabei hilft, sein Unternehmen zu betreiben. Und zwar indem er gegen Fixpreis Zeit verkauft und deshalb auch nicht gegen Risikoübernahme am Gewinn beteiligt ist. Das kann sowohl funktionieren, als auch gleichzeitig sinnstiftend sein. Häufig handelt es sich dabei jedoch um typische Wasserkopf-Jobs, in denen niemand wirklich glücklich wird. Ein frei gewähltes unternehmerisches Handeln an sich kann dagegen natürlich schon Sinn stiften, wie man beispielsweise bei vielen Finanzblogunternehmern sieht, die nun genau das tun, worauf sie Bock haben. Wie sie wollen. Wo sie wollen. Wann sie wollen. Deshalb sehen wir mehr Sinn darin, persönliche Leidenschaften auf eigene Rechnung im Unternehmensmantel „als Arbeit“ auszuführen, als sich tagtäglich Maßgaben setzen zu lassen.

Es ist etwas unverständlich, warum diese Art der Selbstverwirklichung in Deutschland so negativ belegt ist. Hier greift aber sofort die typisch deutsche Verlustaversion und Sicherheitsmentalität ein, wenn das Reizwort „selbstständig“ auftaucht. Wo man gerade damit doch Ort, Zeit und Art seiner Tätigkeit beliebig selbst gestalten kann. Wir wollen das ebenfalls nicht als vorgegebenes Konzept propagieren; ein sinnstiftendes Element eines erfüllten Lebens kann das aber durchaus darstellen und gerade auch eine Alternative zu abhängiger Erwerbstätigkeit.

Die Kritik an „dem“ Frugalismus ist regelmäßig, dass – ob man das persönlich so empfindet, sei an dieser Stelle mal irrelevant – man planmäßigen Verzicht übt, anstatt seine Einkommensströme zu diversifizieren. Aus unserer Sicht ist der vielversprechendere Ansatz auch derjenige, dass man schlicht das, was man gerne tut, für Geld anzubieten. Wir teilen die These aus Streleckys „Das Café am Rande der Welt“, dass derjenige, der eine Leistung besonders gerne erbringt, sicherlich auch Kunden finden wird, der die wahrscheinlich auch besonders gewissenhaft ausgeführte Leistung gegen angemessene Vergütung abnehmen würde. Nachdem Selbstständigkeit in Deutschland permanent als „selbst“ und „ständig“ diffamiert wird und nicht als freie persönliche und unternehmerische Entfaltung gesehen wird, verbreitet sich dieser Gedanke zugegebenermaßen eher schwach.

Zwar mag es auch Arbeitgeber geben, bei denen man weitgehend gelöst von Zwängen einer Art hobbygleichen Tätigkeit gegen Geld nachgehen kann, sodass die realexistierende Schrankensetzung als wenig bis gar nicht einschneidend wahrgenommen wird. Es dürfte aber eher ein Schuh draus werden, dass das Gegenteil davon in der Praxis vorherrscht und auch ein Arbeitgeberwechsel wenig Besserung bringt. Oder dass selbst die alternativ angestrebte und sinngebende Lieblingstätigkeit nicht darauf ausgelegt ist, in einem adäquat entlohnten Arbeitsverhältnis erbracht zu werden. Nach unserer Einschätzung hat sich daran nichts geändert, dass einem erst ausreichend Kapital die realistische Freiheit gibt, selbst zu entscheiden, wie und was und für wie viel man arbeiten möchte. Und das Ansparen ausreichenden Kapitals erfordert nun einmal eine gewisse Lebensplanung und Disziplin. Freilich gibt es den Weg, gar nicht die Kapitalschiene zu fahren. Dann hat man es aber höchstwahrscheinlich nicht mehr selbst in der Hand, ein monatliches Auskommen mit dem vom Arbeitgeber zwar formal verhandelten, aber de facto weitgehend vorgegebenen Einkommen zu finden. Selbstermächtigung findet unter den gegenwärtig gegebenen Spielregeln nun einmal wesentlich über Kapitalbildung statt – oder eben über selbstgestaltetes Unternehmertum.

In den angeführten 180-Grad-Wenden, etwa von Oliver Nölting, sehen wir dagegen keinen Beleg dafür, dass „FIRE“ tot wäre. Dafür müsste es ja erst einmal gelebt haben. Und eigenständig gewesen sein. Diese Eigenständigkeit sehen wir nicht. Vielmehr ist sowohl unser Eindruck als auch unser Ansatz, dass alles ein fortwährender Prozess ist. Ein Prozess mit tausenden Variablen, die determinieren, welche Ziele man erreichen kann und wie man diese Ziele erreichen kann. Man hat aber auf alles Einfluss und das ist für uns das Entscheidende. Es ist also eine permanente Prozessevaluierung. Folglich geht es nicht, passgenau in die FIRE-Schublade gedrückt zu werden oder sich selbst hinein zu drücken. Mit FIRE ist es wie mit politischen Ansichten: man wählt ja nicht eine Partei, weil man deren Programm teilt. Sondern in der Regel wählt man eine Partei, weil deren Programm mit den eigenen Vorstellungen weitestgehend deckungsgleich ist.

In 180-Grad-Wenden sehen wir folglich zwar hervorragende Titelanlässe wie „Rente mit 40“ oder „Die Rente mit 40 ist tot“, aber auch Wegab- und Zielaufweichungen, die nur deshalb notwendig wurden, weil man vorher offenbar zu sehr und zu festgelegt auf ein klar abgegrenztes Konzept fokussierte, dass dann bei neuen Erkenntnissen umfassend anzupassen ist. Der unseres Erachtens richtige Prozess ist dagegen keine Schublade, sondern eine permanente Entwicklung, die man beobachtet und während der sich einem unendlich viele Handlungsoptionen bieten, die man wahrnehmen kann oder nicht. Dies ist der klassische Fehler deduktiver – d.h. von vorab festgelegten Konzepten ausgehenden – Vorgehensweisen, wohingegen wir uns eher induktiver Logik bedienen. Kurz gesagt ist der methodologische Unterschied: Platon vs. Aristoteles.

Oliver Nölting hat in seinem Artikel „Die Rente mit 40 ist tot“ im Übrigen nur Selbstverständlichkeiten aufgeschrieben. Fakt ist aber eben auch: es gibt sie, die Leute, für die die Rente mit 40 genau richtig ist, weil sie eben z.B. nicht unternehmerisch veranlagt sind und ihre Arbeit und auch eine denkbare Alternativarbeit ihnen keine Freude bereitet und die deshalb Arbeit vollständig durch Kapital substituieren wollen. Warum diesem Teil der Leserschaft nun eine Teilzeitarbeitsvereinbarung vor dem 40. Geburtstag als „besseres“ Modell anzuraten sein sollte, was zu einer insgesamt längeren Arbeitsphase führt, erschließt sich uns nicht. Das ist eben genau das Problem von harten Aussagen, von eindeutigen Urteilen: sie passen nicht zur Diversität der Leserschaft. Deswegen propagieren wir erst gar keine Lebensmodelle, auch keine moralischen Wertvorstellungen (was nicht heißt, dass wir diese nicht haben); wir propagieren weder die Rente mit 40, noch mit 30 oder 50. Wir hängen keiner „Bewegung“ an, auch wenn es in Deutschland immer einen wahnsinnigen Eingruppierungsdruck gibt: sortiert man sich selbst nicht ein, tun es die anderen für einen. Denn es bleibt natürlich nicht bei FIRE, da muss ein neues Label her wie Slow FI und wenn das nicht reicht, dann Lean FIRE oder Fat FIRE oder Coast FIRE und und und. Das sind alles Phantomdiskussionen. Unser Ansatz ist: alle finanziellen Türen stehen offen. Alles kann, nichts muss. Eigenverantwortung ist uns wichtig: jeder nach seiner Façon. 

Ist das Ziel nicht hart abgegrenzt als „Rente mit 40“ und „FIRE“ definiert, sondern wie Oliver Nölting neuerdings darstellt, ein gradueller Prozess, muss man konzeptionell auf dem Weg dorthin auch nichts radikal umwerfen. Richtig ist übergeordnet aber auch, dass es die vielen, vielen Nuancen in den Ansichten sind, die wünschenswert und wertvoll sind, weil sie die Wahlfreiheit illustrieren und so natürlich auch die Perspektive von Dagoberts Nichte.

Generell fällt uns auf, dass Job und Ruhestand häufig als gegenseitiger Ausschluss angesehen und vorausgesetzt werden. Aus dieser Ansicht resultiert ja auch ein Stück weit das vorgenannte Dilemma. Es gibt keine Übergangszone, es gibt den vermeintlich harten Cut. Zumindest gelegentlich in der Anti-FIRE-Diskussion, die unterstellt, dass jemand im Alter X jede Tätigkeit einstellt. Wir sehen das anders, wie wir oben bereits beim Verhältnis von Selbstständigkeit und abhängiger Arbeit deutlich gemacht haben. Für uns ist alles eine Kombination der individuell richtigen Komponenten für das individuell passende Ziel. Die bzw. das zu finden ist die eigentliche Aufgabe.

Gerne kommt auch der Vorwurf, man würde bei dem Streben nach Unabhängigkeit von abhängiger Erwerbstätigkeit vor allem „gegen“ etwas ankämpfen, wenn man das finanzielle Ziel beispielsweise einer Rente mit 40 konsequent durchzieht. Übersehen wird dabei gerne, dass es ausreicht, ein dominierendes Verlangen „für“ etwas zu haben, wie das bei sehr vielen etwa mit dem Reisewunsch ist. Da bringt es nichts, weiter zwecks Teilzeitruhestand in der 60%-Tretmühle zu bleiben, wenn es weiter nur sechs Wochen Urlaub im Jahr gibt, man aber eigentlich gerne auf unbestimmte Zeit um die Welt reisen möchte. Das tatsächliche Rahmenbedingungskorsett in Deutschland steht selbstbestimmtem Reisen nun einmal diametral entgegen. Und auch der liebste Chef wird nach dem dritten Sabbatical im dritten Jahr irgendwann skeptisch werden.

Die latente Kapitalismuskritik bei Dagoberts Nichte vermag nicht so richtig durchzugreifen, was sich unseres Erachtens vor allem damit begründen lässt, dass Deutschland eben keinen gnadenlosen Kapitalismus wie die USA hat, sondern ein weich ausgepolstertes soziales Netz und ausgeprägte Korrekturmechanismen für jede Art von Exzess. Ebenso die Kritik am grundsätzlichen Konzept, mit einem Blog (als doch geradezu ideale individuelle Privat-/Erwerbstätigkeitsmischung) überhaupt auch Geld zu verdienen. Mit der gleichen Logik müsste man in der Fußgängerzone auch mal in den Schuhladen gehen und mitteilen, dass der Schuh eigentlich mal dazu gedacht war, nicht barfuß laufen müssen, und nicht dafür, um sie gegen Geld zu verkaufen und damit privat möglichst guten Gewinn zu machen. Man könnte auch fragen, warum Kostenlosmentalität gefördert werden soll, wo es doch im Leben sonst keinen free lunch gibt – außer der Diversifikationsprämie, wie wir seit Markowitz wissen. 🙂 Da kann man natürlich entgegnen, dass man „der Bewegung“ etwas zurückgeben möchte und quasi halb-soziale, halb-karitative Gründe anführen. Aber wo ist denn der signifikante Unterschied zu bezahltem Journalismus? Jeder dürfte zustimmen, dass dieser vom Konsumenten finanziert werden muss, um überleben zu können. Unsere Ansicht ist nicht, dass Finanzblogs in Sachen Finanzwissensvermittlung dem professionellen Finanzjournalismus weit nachstehen würden. Folglich erschließt sich uns nicht, woraus sich die Forderung nach einem kostenlosem Informationsangebot und die quasivorausgesetzte Zugehörigkeit zu einer sozial motivierten Bewegung ableiten soll.

Wir teilen aber wie einleitend schon dargestellt die Fintainment-Kritik der stellenweisen Inhaltsanämie. Wenn da mit dem Finanz-Stirnlappenbasilisk-Blog oder mit dem Spar-Samtstirnkleiber-Blog der 100ste beliebig austauschbare Tiernamenblog ins Leben gerufen wird, während doch schon der Name einem seriösen Unternehmertum entgegensteht und worüber sich doch mittlerweile bereits alle lustig machen. Dass einzelne Kollegen schamlos ohne Quellenangabe offensichtlich einzigartige Inhalte abschreiben – geschenkt. Zum Teil ändert sich der Inhalt auch zum Schlechteren, wenn man beginnt explizit „für Geld“ zu schreiben. Dann schreibt man automatisch nicht mehr über das, was einen selbst am stärksten interessiert. Kein Inhalt ist so gut wie derjenige, für den man selbst brennt. Inhalte, die gegen Geld erstellt werden, sind dagegen meist zusammenkopierte Sekundärliteratur. Das kriegt man leider auch in jeder x-beliebigen deutschen Finanzzeitung. Auch haben ja vereinzelt Finanzblogger in der Krise eine irritierende Nähe zum Querdenkertum offenbart – da bleibt dann natürlich fraglich, welches Urteilsvermögen in Finanzdingen noch zuzutrauen ist.

Nur fehlt uns bei all dem insgesamt der Aufreger und verglichen mit anderen Lebensbereichen sehen wir an dieser Stelle nichts, was wirklich überraschen kann, da auch Finanzblogger nur ein Querschnitt der Gesellschaft sind. Ein Stück weit enttäuschend ist es für Autoren aber natürlich schon, wenn die Sachartikel, die man selbst für besonders wertvoll hält, am wenigsten gelesen werden, während möglichst stachelige Clickbait-Titel Aufrufe ohne Ende bekommen und das bleibt natürlich auch nicht ohne (Fehl-)Anreiz.

Eine wahre Überraschung kam dann tatsächlich noch vom Finanzwesir. Nach Jahren der Bewerbung der passiven Geldanlage nun der Schwenk aus heiterem Himmel, der einen – entgegen aller Empirie und aller vorangegangenen Einschätzungen – mit einer ganzen Artikeltirade von den Segnungen der Alpha-Rendite überzeugen soll. Zur Frage, was Alpha und was Beta sind, empfehlen wir das Video von Andreas Beck bei Mission Money.

Die Kurzfassung ist: niemand bestreitet, dass es ausbeutbares Alpha gibt. Wohl aber lässt sich mit guten Gründen bestreiten, dass es jemanden gibt, der nachhaltig und langfristig in der Lage ist, (echtes) Alpha zu erkennen und dann auch noch optimal auszubeuten. Wir haben selbst zwar keinerlei Fonds und keinerlei ETFs im Depot und setzen somit nicht nach der reinen Lehre auf Beta. Uns ist aber klar, dass wir mit unserer Einzeltitelaktienauswahl jedenfalls kein Alpha ausbeuten werden, jedenfalls nicht bewusst. Wir erreichen also die Marktrendite, oder auch nicht. Aber jedenfalls würden wir niemals mit Überzeugung sagen, dass wir systematisch aus Alpha resultierende Überrenditen erzielen.

Das ist bei jemandem mit einem derart umfassenden Sachverstand wie dem Finanzwesir eben der Punkt, den man ihm nicht abnehmen kann. Alpha wird – auch bei demokratischem Alpha – nicht nachhaltig und systematisch ausbeutbar sein. Das war ja gerade das eine schlagende Argument für Beta. Folglich ist der Satz, Alpha demokratisieren zu wollen, selbst schon ein Widerspruch. Zwar sagt er, dass er keine Werbung für den Fonds machen möchte, an dem er beteiligt ist. Aber natürlich kennt jeder, der es wissen will, nun die Fonds-ISIN und des Weiteren wäre natürlich zu fragen, was dieses Artikelbombardement soll, in dem nun – in Abkehr von der Philosophie aller bisheriger Artikel – permanent Alpha als erstrebenswerte Renditequelle hervorgehoben wird. Die Kritik war in Teilen entsprechend vernichtend. Der Fonds dürfte aber immerhin sicher besser laufen als der Dirk Müller Fonds, denn der sichert sich bekanntlich gegen alles ab, sogar gegen Rendite 😉

Was uns am Ende noch wichtig ist zu erwähnen, ist, dass FIRE als Ziel selbstverständlich realistisch ist. Nicht für jeden, aber für jeden, der die Segel richtig setzt und weiß, welchen Hafen er ansteuern muss. Und natürlich ist weder das Ziel, noch der Weg ein leichter. Wäre es aber leicht, würden es alle tun und dadurch wieder unmöglich für alle werden. Außergewöhnliche Dinge werden dadurch erreicht, dass man etwas tut, das alles außer gewöhnlich ist. Man muss aber auch nicht Spitzenverdiener oder Eliteschulenabsolvent sein, um relativ früh im Leben eine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Als Beispiele seien etwa Burkhard & Sabine Koch genannt, Vincent von freaky finance oder Alex Fischer, Christian von Bergfahrten, den späten Beginn berücksichtigt, auch Beate Sander, den oben genannten Plutusandme-Blog und natürlich auch der Privatier Peter Ranning. Nicht alle sind konkret mit Aktien unabhängig geworden, manche vor allem als Unternehmer, aber auch das kann man ja systematisch analysieren und die Segel entsprechend setzen. Alle eint, dass sie sich darüber klar geworden sind, wie Vermögen gebildet wird. Die Spielregeln sind seit Ewigkeiten unverändert und jeder kann sie kennen und jeder kann sie selbst befolgen.

Bezos had asked Buffett why everyone doesn’t copy his simple investing strategy and make a fortune.
„Because no one wants to get rich slow,“ Buffett replied.
Businessinsider

Die gelegentlichen Versuche, die Grundidee des FIRE-Konzepts für tot oder überholt zu erklären, halten wir deshalb lediglich für einen bloßen Ausfluss der Erkenntnis, dass der Kapitalbildungsprozess zuweilen eben doch länger dauert, als erhofft. Dem kann man aber entgehen, indem man die Dinge so tut, wie sie die Mehrheit nicht tut, insbesondere indem man einem Mangel an Konsequenz abhilft. Oder aber einem Mangel an Lebensplanungskreativität 😉 

FIRE mag als soziale Bewegung tot sein. FIRE als Finanzplan-Idee ist nicht tot.

 

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7 Comments

  1. JC83
    05.07.2021

    Sehr geiler Artikel. Besten Dank dafür. Schön ist auch; dass ich einen mir bis dato unbekannten Old School Blog entdeckt habe (plutus and me) 🙂

    Antworten
    1. Atypisch Still
      05.07.2021

      Danke für den netten Kommentar! 😉

      Antworten
  2. Mad
    06.07.2021

    Prima Zusammenfassung der ganzen Geschichte 🙂
    Danke!

    Antworten
    1. Atypisch Still
      06.07.2021

      Danke auch von uns für den freundlichen Kommentar!

      Antworten
  3. Mirko
    06.07.2021

    Sehr feiner Artikel. Vielen Dank dafür.
    Ich habe FIRE nie als soziale Bewegung wahrgenommen, zumindest nicht in Deutschland, eher noch als Nischentruppe in den USA, die sich mit Umwelt- und Civil-Rights-Bewegung überschneidet. FIRE ist für mich eine persönliche Entscheidung und eine entsprechende persönliche Lebensplanung. Trotzdem sollten es die Argumente der FIRE-Anhänger in der Debatte um eine zukunftsweisende Rentenreform (Stichwort: Vorschläge der FDP zum Thema Aktien-Rente) in die weitere Öffentlichkeit schaffen.
    „Die gelegentlichen Versuche, die Grundidee des FIRE-Konzepts für tot oder überholt zu erklären, halten wir deshalb lediglich für einen bloßen Ausfluss der Erkenntnis, dass der Kapitalbildungsprozess zuweilen eben doch länger dauert, als erhofft.“ – Das dürfte es auf den Punkt gebracht haben. Das ist auch meine Einschätzung.
    Mirko

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    1. Atypisch Still
      06.07.2021

      Danke auch Dir 😉

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  4. Highroller
    10.07.2021

    Hab schon ewig keinen Finanzwesir mehr gelesen, weil langweiliger und repetitver Quark, potenziert durch die vielen sinnlosen Kommentare die ich als Geschädigter der „modernen Medien“ aber natürlich lesen muss. Wie dem auch sei, mich hat sehr verwundert, dass ausgerechnet er von seinem langjährigen Mantra abweicht. Also flugs nachgeschaut und tatsächlich. Als ich die Worte „Ludwigsburg“ und „Lesertreffen“ las, überkam mich bereits eine böse Vorahnung die schon ein paar Sätze später bestätigt wurde: Managed Futures.
    Klingt erstmal krass und verwegen, im deutschsprachigen Raum trifft man im Prinzip allerdings nur auf diesen Bergriff wenn man Finanzblogs liest, genauer, Kommentare von einem sehr missionarisch veranlagten, eifrigen Merfachblogleser/-kommentator namens „Smartinvestor“.
    Tja und so ist es. Der Smartinvestor hat den Finanzwesir „bekehrt“. Musste herzlich lachen. Keine Ahnung, ob ihr den Typ kennt, aber er treibt im Wertpapierforum und auf diversen Blogs sein Unwesen, gab sogar schon ein Interview beim Maschinisten sofern ich mich recht erinnere. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber anhand dessen was er so schreibt beurteilt, ist er ein Typ, den man jetzt nicht zwangsläufig mögen muss. Dass ausgerechnet er den Finanzwesir aus der Bahn wirft, hätte sich nicht einmal ein ausgewiesener Satiriker ausdenken können..

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