Was soll denn nun Atypisch Still überhaupt bedeuten?

Heute ist es endlich soweit: die Auflösung, was „Atypisch Still“ bedeutet! Ab geht’s.

Im Kern geht es darum, sein Aktiendepot nicht mehr als Privatperson zu führen, sondern aus steuerlichen Gründen eine Kapitalgesellschaft mit einem Geschäftsdepot zu gründen, und darin in Aktien anzulegen.

Wir verweisen zum Beginn gleich mal auf andere sehr empfehlenswerte Artikel, die die Grundlagen sehr gut darstellen, die jeder zu diesem Thema kennen und vorab lesen sollte. Wir setzen die Inhalte im Folgenden auch voraus.

a) Quelle Nr. 1

b) Quelle Nr. 2

Grundlagen deshalb, weil nicht sämtliche Informationen (mehr) zu 100% zutreffen und einige allgemeine Informationen von unserem speziellen Fall abweichen, aber insgesamt vorab ein sehr guter Überblick verschafft wird, um das nachfolgende zu verstehen.

Warum solltest Du eine Kapitalgesellschaft für Dein Depot gründen?

1. Herkömmliche Vorgehensweise des deutschen Privatanlegers

Üblicherweise hat jeder sein Wertpapierdepot im sogenannten steuerlichen Privatvermögen, und mit 99 % Wahrscheinlichkeit auch bei einem deutschen Broker. Das führt dazu, dass in der Regel die Vorschriften der Abgeltungsteuer voll zur Anwendung kommen. Die Abgeltungsteuer ist, wie wir hier schon einmal dargestellt haben, durch den sofortigen abgeltenden Steuerabzug bei der Dividendengutschrift de facto eine von der Bank erledigte Steuererklärung. Es ist also nichts mehr zu machen für den Anleger.

Dies führt jedoch dazu, dass die gesamte Steuerbelastung bei Unternehmensgewinnen, die von einer Aktiengesellschaft ausgeschüttet werden, durchgerechnet knapp 50% beträgt. Davon fallen 30 % direkt im Unternehmen (nennen wir es im Folgenden mal „AG„) in Form von jeweils ca. 15 % Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer an. Von den 70 %, die an den Aktionär danach noch ausgeschüttet werden können, behält die Bank dann nochmals 26,375 % Abgeltungsteuer (als Steuerabzug vom Kapitalertrag mit abgeltender Wirkung) ein. So kommen wir auf rund 50 % wirtschaftliche Gesamtsteuerbelastung. Aber auch ohne es komplett bis in die AG durchzurechnen, kommen wir auf immerhin 26,375 % Steuerbelastung auf Ebene des Anlegers.

Das klassische Bild ist also:

Aktiengesellschaft schüttet aus => Anleger mit Depot im Privatvermögen

2. Optimierte Vorgehensweise

2.1 Gründung einer Kapitalgesellschaft

Um die grundsätzliche Besteuerung des ausschüttenden Unternehmens (also der AG) mit Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer kommen wir in jedem Fall nicht drumherum. Mit 30 % Abzug vom eigentlichen Unternehmensgewinn der AG müssen wir also immer leben. Wie lassen sich dann die verbleibenden 70 % noch optimieren, die beim Aktionär mit Depot im Privatvermögen ankommen?

Dies erreicht man durch eigene Gründung einer Kapitalgesellschaft. Wir haben konkret vor, eine Mini-GmbH, eine sogenannte Unternehmergesellschaft mit beschränkter Haftung zu gründen (kurz: eine UG). Nennen wir sie für unsere Zwecke im Folgenden ebenfalls einfach mal „UG„. In dieser UG eröffnen wir ein Firmen-Depot und kaufen dort unsere Wertpapiere rein. Im Ergebnis halten wir die Aktien nicht mehr privat, sondern wir als Gesellschafter halten die Beteiligung an der UG, die dann in ihrem Firmen-Depot die Aktien der AG hält.

Kurz dargestellt:

Aktiengesellschaft schüttet aus => UG mit Depot im Betriebsvermögen

Wobei die Kette nach rechts wie erwähnt eigentlich noch um einen weiteren Teilnehmer ergänzt werden könnte, nämlich uns selbst als Gesellschafter, der die UG hält. An uns kann die UG natürlich wiederum ausschütten, was aber ebenfalls der Kapitalertragsteuer unterliegt und da wären wir dann wieder beim Ausgangsdilemma. Folglich schüttet die UG idealerweise nicht direkt weiter an uns als Gesellschafter aus.

2.1.1 Besteuerung der erhaltenen Dividenden in der UG

Werden Aktien im Streubesitz (d.h. mit einem Anteil von weniger als 10% an der Aktiengesellschaft, dürfte also auf die meisten Privat-Aktionäre zutreffen 🙂 ) von einer Kapitalgesellschaft, also von unserer UG gehalten, so unterliegen die Ausschüttungen der AG grundsätzlich ebenfalls der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer. Wir hätten hier also nichts gespart, sondern sogar noch draufgezahlt.

70% von 70% sind 49%, somit 51 % durchgerechnete Steuerbelastung.

Aber dazu später noch mehr.

2.1.2 Besteuerung von Veräußerungsgewinnen in der UG

Anders dagegen die Veräußerungsgewinne der Aktien. Gewinne bleiben grundsätzlich steuerfrei, es gibt hier nur die Vorschrift, dass 5 % vom Veräußerungsgewinn zu versteuern ist. Rechnet man die grundsätzlich in unserer UG anfallenden 30 % Körperschaft- und Gewerbesteuer darauf, kommt man auf einen effektiven Steuersatz von nur 1,5 %. Hier sehen wir also den ersten Vorteil einer Kapitalgesellschaft: Aktienverkaufsgewinne bleiben fast vollständig steuerfrei.

Zugleich liegt hier auch der große Nachteil. Gewinne bleiben nahezu unversteuert, im Gegenzug werden Verluste zu 100 % steuerlich nicht anerkannt. Sie können somit steuerlich nicht mit Gewinnen verrechnet werden. Aktien haben aber – im Gegensatz z.B. zu Anleihen – insoweit einen positiven Erwartungswert im Sinne einer größeren Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn, da sie zwar maximal 100 % verlieren können, aber mehr als 100 % gewinnen können. In der Tendenz sollten Gewinne also die Verluste mit der Zeit immer deutlicher überwiegen und somit ist die Regelung insgesamt eher von Vorteil.

Allerdings wollen wir ja auch Verlustbringer gar nicht erst kaufen. Und idealerweise wollen wir Aktien auch gar nicht verkaufen. Wenn wir sie aber mit Gewinn verkaufen (müssen), fallen lediglich Steuern in vernachlässigbarer Höhe darauf an.

2.2 Begründung einer atypisch stillen Beteiligung an der Kapitalgesellschaft

Was wir erreichen wollen ist, zwar Körperschaftsteuer zu zahlen, aber keine Gewerbesteuer – legal, versteht sich. Wir erreichen dies durch Gründung der Kapitalgesellschaft aus Punkt 2.1 und Beteiligung eines sogenannten atypisch stillen Gesellschafters an dieser Kapitalgesellschaft.

Im Ergebnis haben wir dann eine Kapitalgesellschaft, die für steuerliche Zwecke wie eine Personengesellschaft behandelt wird. Dass es so etwas überhaupt gibt, zeigt wie kompliziert die Dinge liegen können. Übrigens nicht nur in Deutschland, auch in den USA gibt es z.B. für Personengesellschaften ein Wahlrecht zur Besteuerung als Kapitalgesellschaft.

Personengesellschaften sind vom Grundsatz her natürlich ebenfalls steuerpflichtig. Allerdings können sie einen Freibetrag bei der Gewerbesteuer in Höhe von 24.500 Euro in Anspruch nehmen. Bis zu dieser Höhe des jährlichen Gewinns würde also keine Gewerbesteuer anfallen. Da das über 2.000 Euro Gewinn pro Monat wären, ist das für den Start unserer Kapitalgesellschaft eine hilfreiche Sache – und führt eben am Ende dazu, dass wir auf die ersten 24.500 Euro Unternehmensgewinn nur 15 % plus Solidaritätszuschlag = 15,825 % Steuern zahlen.

Die steuerliche Personengesellschaft nennt sich dann im Steuer-Jargon „GmbH & atypisch Still“ oder „UG & atypisch Still“ (je nach Rechtsform der Kapitalgesellschaft). Das ist praktisch schon alles, worum es geht. Wir gehen im Folgenden von einer UG (also einer Mini-GmbH) aus.

2.3 Was genau ist daran nun atypisch?

Das kommt begrifflich daher, dass im Handelsgesetzbuch nur eine sogenannte stille Gesellschaft geregelt wird. Viele gesetzliche Vorgaben gibt es dazu nicht. Im Kern ist sie deshalb „still“, weil sie nach außen nicht in Erscheinung tritt. Kein Außenstehender kann also nachvollziehen, wer der stille Gesellschafter ist. Deshalb wird sie auch als reine Innengesellschaft bezeichnet.

Da die stille Gesellschaft vertraglich äußerst unterschiedlich ausgestaltet werden kann, wird danach unterschieden, ob der stille Gesellschafter sich mit seiner Gesellschaftereinlage „typisch“ beteiligt, was mit einer Kreditgewährung an die UG gegen gewinnabhängige Verzinsung zu vergleichen wäre. Das ganze hätte dann Fremdkapitalcharakter. Oder er beteiligt sich „atypisch“ an der UG, und das bedeutet, dass er nicht nur an dem Gewinn beteiligt ist, sondern auch am Verlust und am Vermögenszuwachs der Gesellschaft. Aufgrund dieser weitreichenden Beteiligung wird er deshalb eher gesellschafterähnlich angesehen, bzw. überwiegt der Eigenkapitalcharakter.

Deshalb kommt jetzt der Knackpunkt bei unserer UG: wir holen uns einen Partner an Bord, der im Falle einer Ein-Mann-Kapitalgesellschaft sogar der Alleingesellschafter selbst sein kann (ist aber nicht die optimale Variante). Idealerweise also ein Dritter, der sich mit einem Mini-Anteil an unserer UG beteiligt. Z.B. 10 Euro reichen dafür völlig aus. Wirtschaftlich ist das ein Kredit von ihm an unsere UG. Der Partner muss allerdings noch einige zusätzliche Rechte eingeräumt bekommen, damit er auch atypisch still beteiligt ist. Dazu gehören neben der Verpflichtung, am Gewinn und am Verlust der UG beteiligt zu sein auch zwingend die Beteiligung am Wertzuwachs der Gesellschaft.

Werden diese Voraussetzungen alle erfüllt, so gilt er steuerlich als Mitunternehmer mit der Folge dass die UG steuerlich zu einer Personengesellschaft wird. Die Personengesellschaft ist steuerlich die erwähnte UG & atypisch Still. Die Gesellschafter daran sind für steuerliche Zwecke die UG als Geschäftsinhaber zum einen und der atypisch Stille als Mitbeteiligter zum anderen. Das klingt natürlich erstmal alles furchtbar skurril, liest man sich aber ein in die Materie (kann durchaus länger dauern), so wird es mit der Zeit alles logischer. Und am Ende dient es eben der Steueroptimierung, dass man nicht 30 % zahlt, sondern 15 %. Und das auf die Dividenden und auf die erwähnten 5 % der Veräußerungsgewinne.

Wir haben jetzt steuerlich zwei Ebenen: die Personengesellschaft zum einen und die an ihr Beteiligten zum anderen. Die Personengesellschaft ist einkommensteuerlich ein transparentes Gebilde: sie ermittelt den Gewinn und weist ihn den Beteiligten nach ihren Beteiligungsquoten zu, die ihn dann bei sich selbst zu versteuern haben. Soweit auf dieser Ebene also keine Steuern, sondern nur eine Gewinnermittlung und -zuweisung. Allerdings ist die Personengesellschaft selbst gewerbesteuerpflichtig. Und hier kommt nun der Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro ins Spiel. Bis zu dieser Gewinnhöhe fällt keine Gewerbesteuer an. Darüber dann schon, aber immer unter Abzug des Freibetrags.

Auf der nächsten Ebene werden dann die Beteiligten betrachtet. Die UG ist selbst körperschaft- und gewerbesteuerpflichtig. Allerdings bezieht sie steuerlich in dieser Konstellation den ganzen Gewinn aus der Personengesellschaft, und diese hat ja selbst schon Gewerbesteuer bezahlt (nur soweit der Freibetrag überschritten wurde). Deshalb fällt bei der UG für diesen Gewinnanteil aus der steuerlichen Personengesellschaft nicht noch einmal Gewerbesteuer an. Aber eben die 15,825 % Körperschaftsteuer und Soli.

Betrachtet man also das Ergebnis für die UG, so stellt man fest, dass auf Ebene der UG & atypisch Still planmäßig erst gar keine Gewerbesteuer anfällt und auf der Ebene der UG lediglich noch knapp 16 % Steuersatz auf den Gewinn anfällt, wobei wie erwähnt Aktienveräußerungsgewinne zu 95 % steuerfrei sind.

3. Nachteile der Aktienanlage im UG-Mantel

  • Die 95 %ige Steuerfreiheit gilt nur für Aktien und Kapitalgesellschaftsanteile, nicht für andere Wertpapiere oder Termingeschäfte
  • Verluste aus Termingeschäften können nur mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden
  • Aktienverluste können nicht steuermindernd geltend gemacht werden
  • Aufwand für die UG = im Wesentlichen Buchhaltung & Steuern, aber alles nichts, was man nicht lernen kann
  • Kostenaufwand für die UG = ca. 500 Euro fix p.a. als Untergrenze – sofern Buchhaltung, Jahresabschluss & Steuern ausgelagert sind, ca. 2.500 Euro fix p.a. als Untergrenze
  • Die UG & atypisch Still ist definitiv ein Thesaurierungsmodell. Wer auf die Ausschüttungen angewiesen ist, sollte sein Depot nicht in einer Gesellschaft führen, sondern im Privatvermögen bleiben. Kurz: will man langfristig thesaurieren, kann die UG steuerlich günstiger sein. Will man die Ausschüttungen verkonsumieren, so ist die UG steuerlich wahrscheinlich ungünstiger
  • Gewinne aus der UG wieder herauszubekommen, ist dann am Ende die Schwierigkeit. Die Ideallösung ist die Ausschüttung zu einem Zeitpunkt, zu dem man nicht mehr arbeitet und dementsprechend ein niedriger persönlicher Steuersatz im Privatvermögen zur Anwendung kommt. Im Extremfall wäre es dann möglich, sich mindestens in Höhe des Grundfreibetrags (derzeit 9.000 EUR p.a. bei Singles, 18.000 EUR p.a. bei Verheirateten) steuerfrei aus der Gesellschaft auszuschütten.

4. Vorteile der Aktienanlage im UG-Mantel

  • Quasi-Steuerfreiheit für Aktienveräußerungsgewinne
  • Steuergünstige Thesaurierungsmöglichkeit = extreme Auswirkung am langen Ende der Zinseszinskurve
  • gegenüber der Abgeltungsteuer reduzierter Steuersatz von nur 15,825 % auf die ersten 24.500 Euro Gewinn (tatsächlich ist die Sache etwas komplexer, weil sich die 24.500 Euro Freibetrag nicht auf den Gewinn, sondern auf den von diesem abgeleiteten Gewerbeertrag beziehen; für diese Kurzdarstellung soll es aber genügen)
  • Abzug der o.g. Fixkosten von der Steuerbemessungsgrundlage
  • Abzugsmöglichkeit von Wertpapierkreditzinsen (gegenüber der fehlenden Abzugsmöglichkeit unter dem Abgeltungsteuerregime im Privatvermögen)

Fazit

Anleitung zum Unternehmer in eigener Sache – mit diesem Artikel steigen wir gleich voll ins Thema ein und bringen nun endlich den Kern des Ganzen, der auch der Grund dafür ist, dass es hier etwas ruhiger war in den letzten Wochen.

Für wen lohnt sich das also? Man liest im Internet regelmäßig, dass ein sechsstelliges Depot oder 50.000 Euro Gewinn notwendig sind, damit sich ein solcher Gesellschaftsmantel fürs Depot lohnt. Das mag als Daumenregel ausreichen.

Zwei Dinge sind aber für die Beurteilung entscheidend: die nahezu steuerfreien Aktiengewinne ermöglichen kostenschonende Umschichtungen, die im Privatvermögen jedes Mal substantiell Steuern auslösen würden. Aktiengewinne sind aber im Vorhinein nicht prognostizierbar. Wir selbst sind Freunde des extremen Buy&Hold. Würde es einem Anleger aber gelingen, jedes Jahr substantielle Kurssteigerungen zu realisieren, so ist die Anforderung der Sechsstelligkeit des Depots sicher zu hoch gegriffen und es würde sich bereits ab einem wesentlichen geringeren Depotvolumen lohnen.

Und zum anderen: je länger man mit der Verlagerung in die steuerlich günstigere UG wartet, desto mehr ist man im Privatvermögen verhaftet. Es türmen sich Gewinne durch Wertsteigerungen auf, die bei Realisierung rund 26 % Abgeltungsteuer kosten würden. In der UG wären die Steuerauswirkungen dagegen vernachlässigbar. Da man in der UG zwar laufende Kosten hat, aber einen niedrigeren Steuersatz und fast steuerfreie Veräußerungsgewinne, kann es sich trotz der Kosten lohnen, so früh wie möglich innerhalb eines Gesellschaftsmantels zu investieren.

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7 Comments

  1. Finanzsenf
    16.07.2018

    Sofern kein nennenswert sechsstelliges Vermögen und hohe Verwaltungskosten (z.B. für Börsendienste oder ein Bloomberg-Terminal) vorhanden sind, halte ich die Konstruktion rein aus steuerlichen Gründen für nicht sinnvoll. Ihr schreibt, dass ihr extremes Buy&Hold betreibt. Das heißt für mich nie verkaufen. Heißt Gewinne zu thesaurieren. Im Privatvermögen fällt da bei Aktien aber auch erstmal keine Steuer an. Wozu dann diese Konstruktion, die zusätzlichen Verwaltungsaufwand erzeugt, der erstmal verdient werden muss? Steuergesetze ändern sich. Ihr spekuliert darauf, dass zum Renteneintritt steuerlich noch alles so ist, wie heute. Aus meiner Sicht extrem unwahrscheinlich. Es gab auch mal Zeiten, die sind noch gar nicht solange her, da waren Aktiengewinne im Privatvermögen nach einem Jahr steuerfrei. Was macht ihr, wenn das wieder kommt? Ihr habt das Vermögen dann in der UG und bekommt es nicht steueroptimiert heraus.

    Gruß FinanzSenf

    Antworten
    1. Atypisch Still
      16.07.2018

      Zunächst mal Danke für den Kommentar! 😉 Sicher ist der ideale Haltezeitraum ewig. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch die unerwartete Situation eintreten könnte, sodass man verkaufen möchte. Bei einem Vergleich zwischen Kapitalgesellschaft und Privatvermögen schneidet hier die Gesellschaft eindeutig besser ab. Überhaupt ermöglicht die Fast-Nichtbesteuerung erst Vorgehensweisen, die sich im Privatvermögen aufgrund der Auslösung von einem Viertel Steuer investmenttheoretisch verbieten. Der Verwaltungsaufwand ist vertretbar, wenn man mit Vorwissen aus der entsprechenden Branche kommt. Monetär sowieso, zeitlich finden sich im Laufe der Zeit effizientere Lösungen. Wir wollen diesen Weg auf jeden Fall gehen. Ob ein sechsstelliges Anlagevolumen – was vorhanden ist – wirklich notwendig gewesen ist, wenn man sich das Ganze nach einigen Jahrzehnten im Rückblick ansieht, wagen wir zu bezweifeln. Kurzfristig gesehen hast Du recht. Es mag darüber hinaus sein, dass sich Steuergesetze ändern. Jedenfalls hat man bei einer Kapitalgesellschaft auf absehbare Zeit immer (!) einen Kaskadeneffekt mit einem auf der Ebene der Körperschaft mit Sicherheit geringerem Steuersatz als dem individuellen Steuersatz. Kann man sich vorstellen, dass Ausschüttungen steuerfrei gestellt werden und z.B. auf Gesellschaftsebene ersatzweise mit 50% besteuert wird? Eher unwahrscheinlich. Wie man das Geld wieder hinausbekommt, haben wir bereits angedeutet. Zunächst bietet sich eine Kapitalisierung über Darlehen statt über Eigenkapital an, da Darlehen leicht wieder abzuziehen sind. Darüber hinaus kann man sich die Gewinne in einer späteren Lebensphase mit niedrigerer Progression im Teileinkünfteverfahren zu einem wesentlich niedrigeren Steuersatz als mit dem Abgeltungsteuersatz (wie hoch auch immer der Satz dann sein mag) ausschütten. Außerdem unterschätzt man sicherlich, welchen Thesaurierungsvorteil man langfristig bei einem um 10%-Punkte niedrigeren Steuersatz auf laufende Aktieneinkünfte bei vollem Werbungskostenabzug und um 25%-Punkte niedrigeren Steuersatz auf Aktienveräußerungsgewinne hat.
      Beste Grüße!

      Antworten
  2. Thomas
    27.07.2018

    Hallo Christopher,

    ein sehr spannendes Thema. Ich freue mich, dass über so ein Thema jemand mal was schreibt.

    Dazu ein paar Gedanken von mir:

    1. Ich habe das bei meiner GmbH auch so umgesetzt. Wenn man den Freibetrag von 24.000 Euro mal gedanklich umformuliert, spart man sich also rund 3.500 Euro Gewerbesteuern im Jahr.
    Überspitzt formuliert, überweist einem das Finanzamt also lebenslang jedes Jahr 3.500 Euro. Gefällt mir !

    2. Eine 10 Euro Beteiligung würde ich in dieser Form nicht machen.
    Aus diesen 2 Gründen:
    a) Es darf nicht nach einem Umgehungstatbestand aussehen. Wenn etwas erkennbar nur gemacht ist um Steuern sparen, peitscht Dich das Finanzamt aus.
    b) Eine Beteiligung muss einem Fremdvergleich standhalten. Würdest Du mir (Thomas) für 10 Euro Beteiligung die Hälfte Deiner zukünftigen Gewinne geben? Vermutlich eher nicht. Wenn doch, melde Dich (-;
    Du solltest also schon eine Beteiligung in sinnvoller Höhe wählen und eine Gewinnbeteiligung in sinnvoller Höhe.

    3. Meines Wissens nach musst Du Deine Veräußerungsgewinne (nicht nur die Dividende) auch mit 2 x 15 % Steuern versteuern.
    Deine 5% zu versteuernde Gewinne kommen so weit ich weiß nur zum tragen, wenn es eine wesentliche Beteiligung Deiner UG/GmbH ist.
    Du musst mindestens 10% der AG besitzen, um keine Körperschaftssteuer zahlen zu müssen. Und Du musst mindestens 15% der AG besitzen, um keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen. (Oder 15% für Körperschaftssteuer und 10% für Gewerbesteuer, das weiß ich gerade leider nicht genau).

    Von dieser superniedrigen Versteuerung profitierst Du also eher, wenn es sich m eine Tochtergesellschaft Deiner UG (Holding Modell) handelt.

    Vielleicht täusche ich mich in diesem Punkt aber auch…

    4. Für das was Du also gesamtes Modell beschreibst, habe ich mal einen schönen Namen gehört „Spardosen GmbH“. Das hat mir gefallen.

    5. Abzugsmöglichkeiten
    Man kann in einer UG/GmbH übrigens dann nicht nur die Kreditzinsen absetzen, sondern jede Ausgabe, die für das Depot notwendig ist. Zeitschrift, Buch, Besuch Hauptversammlung usw. Das geht ja alles im privaten Depot nicht mehr.

    Vielen Dank für den interessanten Artikel !
    Thomas

    Antworten
  3. Mat
    27.07.2018

    Warum eine UG und nicht eine GmbH in Österreich, Stichwort Wegzugsbesteuerung?

    Antworten
  4. bob
    27.07.2018

    Toller Artikel, ich habe mich mit dem Thema auch bereits befasst und bin dabei ebenfalls auf die zwei erwähnten Blog-Posts gestoßen.
    Meine Frage zielt nun vor allem darauf ab, wie man laufend Einlagen oder ähnliches tätigt.
    Die kommen ja in der Regel aus meinem Privatvermögen (Erspartes vom Lohn) und erfolgen regelmäßig.
    Wie wird das gehandhabt?
    Danke vorab!
    Bob

    Antworten
  5. Bindersbacher
    27.07.2018

    1. hört sich gut an, aber extrem viel Verwaltungsaufwand. Welcher Steuerberater schafft das?
    (E-Bilanz)
    2. Funktioniert das auch mit Fonds und ETF´s? Werden anders besteuert.
    3.Wäre eine gewerbliche Personengesellschaft nicht auch ein Modell?

    Bindersbacher

    Antworten
  6. Canstill
    10.08.2018

    Wollte auch die gleichen Frage 1 & 2 von Bindersbacher stellen!

    Antworten

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