Aktuelles zu Neuerwerben und den Bestandswerten im Atypisch-Still-Portfolio

In unregelmäßigen Abständen schreiben wir über unser Portfolio. Unser letzter Artikel zu dem Thema liegt bereits drei Monate zurück. Heute deshalb mal wieder zum Wichtigsten beim Investieren: den Investments! 🙂

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Zunächst: VERkauft haben wir wie immer nichts. Wir geben zu, dass in den letzten Monaten mitunter medial an manchen Tagen Weltuntergangsszenarien gezeichnet wurden, an die man fast hätte glauben können. Letztlich zeigt sich aber wenige Tage später regelmäßig, dass man immer gut daran tut und gut daran getan hat, nicht zu handeln, nicht zu verkaufen, nicht auf die Seitenlinie zu gehen, von wo aus der Wiedereinstieg viel schwieriger ist, weil man nie genau weiß, wann. Wir halten unser Buy & Hold durch. Daneben natürlich keine Spur von Krise, jedenfalls nicht an den Märkten, wir stehen performancetechnisch 1 Prozent unter Allzeithoch und damit bei deutlich über 25 % Wertzuwachs seit Jahresbeginn bzw. 9 % Wertzuwachs auf Jahressicht.

Unsere Nebenwerte haben sich aber in diesem Jahr kursmäßig bisher sehr mager entwickelt. Ursächlich ist dafür regelmäßig hauptsächlich China. Das ist zum Beispiel bei Villeroy & Boch so, die wir Anfang des Jahres neu aufgenommen haben (und wo wir weitere Aufstockungen erwägen). Auch unsere holz-, papier- und zellstoffbezogenen Investitionen in Stora Enso und Ence Energia y Celulosa sind unter die Räder gekommen.

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Ence Energia leidet daneben noch unter einem eigenen Problem: die Konzession für das Land, auf dem eine der wichtigsten Produktionsanlagen steht, wurde von der spanischen Küstenschutzbehörde bis 2073 verlängert – dachte man. Gegen diese je nach eigener Ansicht wohl küstengesetzwidrige Verlängerung hatten nun u.a. Green Peace geklagt, das spanische Umweltministerium hat den Ball gleich aufgenommen und eine Gesetzgebungsinitiative gestartet und damit dem Aktienkurs einen schönen Stoß versetzt. Im ungünstigen Fall darf Ence die Anlage nur noch bis 2033 nutzen. Damit wären einige Dutzend Millionen Euro Investitionen futsch. Ence steuert aber bereits um und hat aufgrund der nun bestehenden Unsicherheit Investitionen in eine andere Produktionsanlage umgeschichtet. Insgesamt soll nach Aussage des Managements der ganze Sachverhalt beherrschbar sein und in seinen Auswirkungen begrenzt. Allerdings wird das erst die Zeit zeigen.

Die in Berlin ansässige und in den USA notierte Jumia Technologies AG liegt nach einer kurzzeitigen Post-IPO-Ver-2,5-fachung und einer sich daran anschließenden Short-Attacke nunmehr bei uns 40 % im Minus. Hierzu ist zu sagen, dass das einfach einzuplanen ist, wenn man ein afrikabezogenes Investment tätigt. Die Short-Attacke hat natürlich viel Porzellan zerschlagen und wird nicht einfach abzuschütteln sein. Zumal das Management bisher noch nicht allzu viele Anstalten machte, jeden einzelnen der (zugegebenermaßen nicht übermäßig substantiierten) Vorwürfe zu entkräften. Die Firma wächst, auch wenn nicht so recht transparent ist, wie hoch der Versandbetrugsanteil etc. ist. Natürlich haben wir hier nur eine Kleinstposition allokiert, um vom langfristigen Wachstum, von dem wir nach wie vor überzeugt sind solange es nicht materielle Gegenbeweise gibt, zu partizipieren.

Ebenfalls im Depot und seit längerer Zeit Underperformer ist die Lang & Schwarz AG, ihres Zeichens Börsenhandelshaus und von uns auch als Kunden sehr geschätzt. L&S liefert nämlich mehr oder weniger als Pionier seit vielen Jahren Echtzeitkursindikationen für alle möglichen Wertpapiere. Man stelle sich einmal vor, man müsste heutzutage auf XETRA Aktien auf der Basis von 15 Minuten alten Near-Time-Kursen (also blind) kaufen oder eben für die XETRA-Echtzeitkurse bezahlen. Nach unserem Dafürhalten sollte das verboten sein. Generell gibt es an Börsen nach wie vor eine ungesunde Tendenz dazu, bestimmte Anlegergruppen zu bevorzugen. Das sind nun offenbar zunächst mal diejenigen, die für Kurse bezahlen. Das sind aber auch diejenigen, die durch die Positionierung ihrer Server einen Wettbewerbsvorteil bei der Ordergeschwindigkeit im Zusammenhang mit Algo-Trading und Hochfrequenzhandel haben. Wenn der Staat so unbedingt immer regulieren möchte, wären das die Themen, die aus unserer Sicht offensichtlich drängend wären. Zurück zum Thema, wir sind L&S dankbar, dass sie Millionen von Kleinanlegern Preistransparenz zu allen Wertpapieren geben. Geschäftlich läuft es auch nicht so schlecht, allerdings kämpft L&S seit längerer Zeit mit einem Steuerproblem, das mit dem von uns heißgeliebten § 8b KStG zusammenhängt. Genau das, was wir mit der Gründung unserer Sparschwein-UG angestrebt haben, nämlich Steuerfreiheit für Aktienkursgewinne bei gleichzeitiger Nichtabzugsfähigkeit für Aktienkursverluste, will die L&S AG verhindern, weil es für sie in letzter Konsequenz sogar existenzbedrohend sein könnte. In 2017 wurde der § 8b Abs. 7 KStG geändert, der die Anwendung des § 8b KStG auf Finanzunternehmen regelt („Bankenklausel“). Die Lang & Schwarz Aktiengesellschaft ist ein Finanzunternehmen im Sinne des Kreditwesengesetzes (KWG) und fällt unter die hier vorgenommene Änderung. In Folge dessen sind § 8b Abs. 1 bis 6 KStG auf die Lang & Schwarz Aktiengesellschaft formal ab 2017 anzuwenden. L&S eiert an dem Punkt, was genau denn nun das Problem ist, in der Finanzberichterstattung ewig rum, ohne abschließend zum Punkt zu kommen. Nach unserem Verständnis ist es so, dass L&S Produkte verkauft (z.B. aktiengekoppelte Zertifikate etc.), das ist das Grundgeschäft. Klassischerweise nehmen Wertpapierhandelshäuser die Risiken daraus nicht auf das eigene Buch und sichern sich gegenläufig ab, das ist das Sicherungsgeschäft. Bei aktiengekoppelten verkauften Produkten besteht die Absicherung z.B. darin, die Aktie physisch zu kaufen. Früher fiel L&S nicht unter die Steuerfreistellung von Aktiengewinnen und deshalb liefen Gewinne und Verluste aus Grundgeschäft und Sicherungsgeschäft genau gegeneinander. Es gab im Ergebnis daraus insgesamt auch keinen Gewinn oder Verlust. Wenn nun aber die Verluste aus den physisch gehaltenen Aktien aus dem Sicherungsgeschäft steuerlich nicht abziehbar sind, gleichzeitig das gegenläufige Grundgeschäft aber voll steuerpflichtige Gewinne produziert, gibt es eine Unwucht im System und die eigentlich gewollte Gegenläufigkeit geht nicht mehr auf Null auf. Wie L&S berechtigt schreibt, steht die Besteuerung dann vor allem nicht mehr im Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Gesellschaft. Das ist allerdings keineswegs ein Problem, mit dem nur L&S zu kämpfen hat, sondern ein allgemeines Problem asymmetrischer Besteuerung für alle Unternehmen, die ihre Beteiligungen z.B. mit Währungskursgeschäften absichern wollen. Die Finanzverwaltung sowie erstinstanzliche Rechtsprechung haben die asymmetrische Besteuerung bestätigt, ein höchstrichterliches Urteil steht noch aus, der Fall ist aber bereits BFH-anhängig. L&S wird sich hier zumindest nach Lage der Dinge eher bewegen müssen, als das Finanzamt. Vorrangiges Thema ist aber die Anwendbarkeit der „Bankenklausel“ und hier scheint L&S zumindest für 2017 bereits nachgegeben zu haben, weil die 2017er-Rückstellungen, die unter Annahme der Fortgeltung des alten Rechts gebildet wurden, voll aufgelöst wurden. In 2018 betragen die Zuführungen zur Steuerrückstellung – wohl nach neuem Recht gerechnet – den kompletten Jahresgewinn. Das heißt, dass die gebildeten sehr hohen Rückstellungen tatsächlich „mehr wahrscheinlich als nicht“ sind. Sicherlich macht der Steuergesetzgeber eine mehr schlechte als rechte Arbeit. Allerdings scheint hier doch jemand bei L&S ganz gewaltig geschlafen und gewinntechnisch (mindestens) zwei verlorene Jahre verursacht zu haben – nur aus steuerlichen Gründen. Bei L&S dazu noch auf große Auflösungserträge aus den Rückstellungen zu hoffen, die in der Folge als Dividenden ausgeschüttet werden können, dürfte fehlgehen. Zu L&S diesmal ungewöhnlich viel, einfach deshalb, weil uns das Aufschreiben natürlich auch dabei hilft, den Sachverhalt einmal gründlich zu verstehen 😉

Kommen wir wieder zurück zum Portfolio und den Underperformern. Vor allem leiden aber auch unsere Autowerte und Autozulieferer. Bei Daimler und BMW stehen schon wieder Dividendenkürzungen im Raum, bei MBB schlägt die dicke Aumann-Beteiligung ziemlich auf den Kurs durch. BMW bestätigte jüngst immerhin die Jahresziele, wobei in beiden großen Autobauern aber dennoch schon deshalb mit Gewinnwarnungen zu rechnen ist, weil die Führung gewechselt hat und die Neuen üblicherweise bilanziell reinen Tisch machen, um sich selbst das Leben in den Folgejahren zu erleichtern. Die letzte Septemberwoche ist klassischerweise die Zeit für Gewinnwarnungen, wenn die Zentralen zum Ende des dritten Quartals feststellen, dass die Jahresziele nicht mehr erreichbar sind. Continental hatte bereits zur Jahresmitte seine Ziele an den „fortlaufende[n] Abwärtstrend der Automobilproduktion in Europa, Nordamerika und insbesondere in China“ angepasst. In China ist der Automarkt – erstmals seit 20 Jahren – bereits in 2018 um sechs Prozent rückläufig gewesen.

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Enttäuschend läuft auch der Kurs bei der Deutschen Rohstoff AG. Zu beachten ist dabei immer, dass ihr Kerngeschäft ist, aktive Beteiligungsgesellschaft mit An- und auch gewinnrealisierenden Verkäufen zu sein und nicht langjähriger Bestandshalter. Hier dürfte kurstechnisch ebenfalls mehr die Tatsache des Nebenwerts durchschlagen, als der Geschäftsverlauf. Das hat auch der Vorstand erkannt und im Halbjahresbericht 2019 genau dieselbe Aussage getroffen. Der Kurs notiert unter Buchwert. Das Geschäft läuft aber angabegemäß nach Plan. Nach neuesten Meldungen sind die USA nunmehr größter Öl-Exporteur vor Saudi-Arabien und Saudi-Arabiens Öl-Exporte stehen im Risiko, seit Rebellen Drohnenangriffe gegen saudische Ölanlagen fliegen. Mögliche höhere Ölpreise könnten mittelbar auch das Geschäft der Deutschen Rohstoff AG weiter anschieben.

Die betroffene Abqaiq-Raffinerie sei „das Herz des ganzen Systems, und das hatte gerade einen Herzinfarkt“, zitiert Bloomberg den Öl-Experten Roger Diwan von der Beraterfirma IHS Markit. „Wir wissen einfach noch nichts über das Ausmaß der Schäden.“ Der Experte Bob McNally von der US-Energieberatung Rapidan Energy Group nannte die betroffene Raffinerie gegenüber Bloomberg „das wertvollste Grundstück des Planeten Erde“ für die Ölproduktion.

focus.de

Bei allen Negativnachrichten haben sich aber fast alle anderen Zukäufe im letzten Jahr sehr positiv entwickelt, umso mehr, wenn sie aus den USA kamen. Activision Blizzard ist bereits 27 % im Plus, McCormick 34 %. ASML ist sogar 47 % im Plus und Wirecard 40 %. Unsere erstmaligen Käufe chinesischer Werte, d.h. Alibaba, ctrip.com und Tencent liegen moderat im Plus. Bei den US-REITs kam es mehr oder weniger pauschal zu einer deutlichen Bewertungsexpansion, wohl in Aussicht auf nicht weiter steigende Zinsen. Absolute Überflieger auf Jahressicht bei uns sind nach wie vor Starbucks mit +72 %, Procter & Gamble mit +53 %, beide nach langer Durststrecke, Hypoport +48 % und Estee Lauder Companies mit +47 %.

Wie in unserem letzten Portfolio-Artikel schon geschrieben, haben wir die Aktien von Beyond Meat nach weiterem steilen Anstieg gleich wieder aussortiert, nachdem sie mit dem 100fachen Jahresumsatz bewertet wurden. Seitdem hat sich auch einiges getan, da der Erfolg alle schlafenden Hunde geweckt hat. Jeder Discounter, jede Supermarktkette, jeder Nahrungsmittelhersteller springt nun auf den Zug auf. Die Frage wird sein, ob sie an die Beyond-Meat-Qualität herankommen, von der gesagt wird, dass sie „wie Fleisch“ ist. Bis heute hatten wir die Gelegenheit leider noch nicht, uns davon selbst zu überzeugen. Abgesehen davon sind wir an dem Wachstumsmarkt jedoch über Nestlé weiter stark beteiligt. Diese bieten den Incredible-Burger unter der Marke Garden Gourmet an. „Ich bin jetzt 35 Jahre bei Nestlé. Eine solche Dynamik bei einem einzelnen Produkt habe ich in all den Jahren aber nur sehr selten erlebt“, sagt Nestlé-Deutschland-Chef Hubert Stücke. Nestlé ist auch in diesem Segment laut eigener Aussage mit weitem Abstand Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel. Die Dinge entwickeln sich mit erfreulicher Dynamik, denn es soll sich herausgestellt haben, dass der Hackfleischmarkt nochmal wesentlich größer ist, als der Burger-Patty-Markt, sodass Nestlé neuerdings – kein Scherz – „Incredible Hack“ anbietet.

Zugekauft haben wir nochmals bei der Aareal Bank, eines der ganz ganz wenigen Finanzinstitute in unserem Portfolio. Natürlich überzeugt der Wert mit der üppigen Cash-Beteiligung über die Dividende und natürlich überzeugt die Kursentwicklung der Aareal Bank in letzter Zeit weniger. Nachkaufen geht aber nun einmal am besten bei gesunkenen Kursen. Die Problematik aufgrund des hohen Italien-Exposures (um die 14 % der Forderungen per Jahresende 2018) der Bank zeigt sich als weniger problematisch, als noch 2018 angenommen. Dieses Thema hat sich mit dem freiwilligen politischen Abgang der Lega nun auch noch weiter entspannt. Dagegen ist vor dem Hintergrund der nicht enden wollenden Brexit-Geschichte nach wie vor das UK-Exposure von 16 % aktuell. Nach eigener Aussage ist die Aareal Bank aber auf Kurs für die Jahresziele und das ist in bewegten Zeiten immer schon viel wert. Investorenpräsentation Neben der Aareal Bank haben wir aufgrund der Hongkong-Proteste und der damit einhergehenden Unsicherheit und Kursbelastung auch bei der HSBC weiter aufgestockt. Investorenpräsentation

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Eingangs haben wir schon unsere Holz-Investments erwähnt. Auch in diesem Bereich haben wir Aufstockungen vorgenommen. Mit Svenska Cellulosa kommt der größte Waldbesitzer Europas ins Depot. Ganz maßgeblich für diese Investitionen erscheint uns die Tatsache, dass zwar Holz nachwächst, Land und Forstflächen aber nicht. Diese gibt es nur einmal und sie haben regelmäßig auch nur einen Eigentümer. Firmen, die sich also heute weitläufige Waldareale sichern, sollten in Zukunft automatisch einen Wettbewerbsvorteil haben. Papier halten wir gegenüber Kunststoffen für einen Werkstoff, der an Bedeutung gewinnen wird. Dies lässt sich an verschiedenen Beobachtungen festmachen. So findet der Werkstoff Holz bei z.B. Stora Enso nicht nur als Naturstamm oder Holzblock, sondern mittlerweile auch in Form von mehrfach verleimten Holzplatten (CLT) vermehrt Eingang in den Hausbau (Auftragsvolumina!), da er in dieser Form ökologische Vorteile mit Kostenvorteilen verbindet. Wir sehen aber auch die Zurückdrängung von Kunststoffeinmalprodukten wie Supermarkttüten, Plastikbesteck und Lebensmittelverpackungen zugunsten von Holz- oder Holzfaserlösungen. Wichtig erscheint uns auch, dass unsere Holz-Investments auf tatsächlichen Beobachtungen basieren und nicht aus ideologischen Gründen vorgenommen wurden – was natürlich nicht verhindert, damit trotzdem falsch liegen zu können oder Verluste zu machen. 🙂 Link zur Investorenpräsentation

Noch ein (im weitesten Sinne) Holz-Investment ist eine Beteiligung an der Westrock Company aus den USA, ein Fortune-500-Unternehmen, von dem bestimmt noch kaum einer was gehört hat. Ausschlaggebend war der um 50 % vom Höchstkurs zurückgekommene Preis der Aktie, wodurch wir uns eine korrespondierend höhere Ausschüttungsrendite von 5,2 % einkaufen konnten – und demnächst steht wieder eine Erhöhung an. Natürlich ist es besser, keinen reinen Pappe-/Papierhersteller zu haben, sondern, eine Stufe höher auf der Veredelungsskala, einen Hersteller von Verpackungslösungen zu kaufen. Westrock fällt hier dadurch auf, sich ein gutes Portfolio an Firmen zusammengekauft zu haben. Von E-Commerce-Verpackungen über Pizza-Boxen bis hin zu Arzneimittelverpackungen und Dosenbier-Halterungen verkauft Westrock alles. Die Investorenpräsentation hilft hier für einen ersten Eindruck gut weiter.

Eine Aufstockung gab es bei Royal Dutch Shell, nachdem angekündigt wurde, dass man die mittelfristigen Ziele für den Free Cash Flow anhebt und im Fünfjahreszeitraum 2021 bis 2025 mindestens 125 Milliarden Euro an Dividenden und/oder Aktienrückkäufen anstrebt. Zielanhebung UND dabei an die Aktionäre denken, das gefällt uns, deshalb haben wir bei RDS noch einmal nachgekauft. RDS ist wie BP, Exxon und Chevron seit der „Ölkrise“ des Jahres 2015 bei uns im Portfolio, als es Ölfirmen zum halben Preis zu kaufen gab. Seitdem gab es aber leider keine Dividendenanhebungen mehr und genau das steht jetzt wohl vor der Tür. Daneben gefällt uns an Shell, dass sie sich aktiv auf das Post-Öl-Zeitalter vorbereiten und z.B. in den lukrativen Markt für Flüssig-Erdgas eingestiegen sind. Investorenpräsentation Hinsichtlich potentieller Zukunftstechnologien haben wir uns außerdem bei der norwegischen Nel ASA eingekauft, die als eine der derzeit zirkulierenden Hype-Aktien wohl für die meisten Leser eigentlich keiner weiteren Vorstellung bedürfte. Nel ist aktiv in der Herstellung von Wasserstofftankstellen und der weltgrößte Elektrolyseur. Aufgrund des spekulativen Charakters dieser Beteiligung haben wir hier ebenfalls nur eine Kleinstposition allokiert. Es wird immer mal wieder gemunkelt, dass Nel ein hervorragendes Übernahmeobjekt ist für in die Jahre gekommene träge Industriekonzerne, die sich gerne verjüngen möchten. Bankanalysten geben dazu Schätzungen von weit über 1 Euro pro Aktie als potentiellem Übernahmepreis ab. Das sollte etwas Sicherheitspuffer geben. Link zur Q1-Präsentation

Eine weitere eher exotische Investition ist der Kauf der MPH Health Care AG. Ursprünglich waren wir an der M1 Kliniken AG, die Schönheitsoperationen zum Discount-Preis für den Massenmarkt anbietet, interessiert. Die MPH ist aber eine seit 2009 börsennotierte Investmentgesellschaft und hält Mehrheitsbeteiligungen an der M1 Kliniken AG sowie darüber hinaus an der HAEMATO AG und an der CR Capital Real Estate AG.

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Aus der Selbstbeschreibung im Geschäftsbericht der MPH:

  • Die M1 Kliniken AG ist einer der am schnellsten wachsenden und führenden privaten Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen im Schönheitsbereich. Die Unternehmensgruppe bietet mit ihren Produkten und Dienstleistungen deutschlandweit ein kundenorientiertes Spektrum an ästhetischen und chirurgischen Behandlungen an. Durch das erfahrene und hochspezialisierte Mitarbeiterteam werden unter Verwendung von hochwertigen Produkten und modernster Medizintechnik minimalinvasive und chirurgische Eingriffe bei höchsten qualitativen Standards durchgeführt. Die M1 Kliniken AG konnte auch im ersten Halbjahr 2019 ihren Wachstumskurs bestätigen. Über die am Ende 2018 bereits bestehenden insgesamt 24 Fachzentren hinaus (neben vier OP Standorten), wurden im 1. Halbjahr 2019 zwei neue Fachzentren eröffnet, darunter auch der Standort Melbourne (Australien). Für das 2. Halbjahr 2019 und das Folgejahr sind weitere Fachzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weiteren europäischen Ländern geplant. Darüber hinaus sollen auch in Australien weitere Standorte eröffnet werden und für die folgenden Jahre wird weiterhin ein signifikantes Umsatzwachstum erwartet. Wachstumsbedingte Skaleneffekte und Synergien in der Wertschöpfungskette sichern die Preisführerschaft.  Gleichzeitig hat M1 bereits in zehn Beauty-Fachzentren die kosmetischen Laserbehandlungen etabliert und betreibt derzeit an vier Standorten zahnmedizinische ästhetische Behandlungen unter der Marke „M1 Dental“. M1 Laser soll bis zum Jahresende in nahezu allen deutschen Beauty-Standorten verfügbar sein.
  • Die HAEMATO AG ist ein börsennotiertes, pharmazeutisches Unternehmen (mit Großhandels- und Herstellungserlaubnis) mit Fokus auf die Wachstumsmärkte der hochpreisigen Spezial-Pharmazeutika aus den Indikationsbereichen Onkologie und HIV sowie aus den Bereichen Rheuma, Neurologie und Herz-, Kreislauf- Erkrankungen. Mit dem direkten Zugang zu 4.800 Apotheken in Deutschland und 1.300 Apotheken in Österreich trägt das Unternehmen dazu bei, dass jeder Patient von den neuesten, innovativen Therapien profitiert. Darüber hinaus bietet HAEMATO AG künftig unter der Marke „HAEMATO Med“ pharmazeutische, medizinische und medizintechnische Produkte für die ästhetische Chirurgie und kosmetische Dermatologie an.
  • Die CR Capital Real Estate AG („CR Capital“) ist ein in Deutschland tätiger Immobilienentwickler und -verwalter. Der Fokus der Geschäftstätigkeiten liegt in der Schaffung von hochwertigen Wohn-immobilien in Massivbauweise zu bezahlbaren Preisen. Hierbei setzt sie auf eine ökologische Bauweise und profitiert von just-in-time Fertigung, effizienten Baukosten, kurzen Grundstückshaltedauern und der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Durch die geschlossene Wertschöpfungskette wird zudem eine hohe Marktunabhängigkeit erreicht. Die CR Capital wird perspektivisch ihr Geschäftsmodell um das Thema geförderter Wohnraum erweitern, um sozialverträgliche Mieten zu ermöglichen. Die Ausweitung um das Segment sozialer Wohnungsbau öffnet dem Konzern zudem den Zugang zu innerstädtischen Grundstücken. Somit steht die CR Capital als für die nachhaltige Gewinnung, Pflege und Entwicklung von sozialverträglichem Wohnraum. Die CR Capital versteht sich als dividendenstarker, aktionärsnaher Wachstumswert und beabsichtigt, ihre Aktionäre durch eine aktive und nachhaltige Dividendenpolitik mit attraktiven Dividendenrenditen am wachsenden Erfolg der Gesellschaft teilhaben zu lassen.

Für uns liest sich das alles sehr interessant und wir greifen in diesem Fall (wie bei MBB/Aumann) lieber zur diversifizierten Mutter, als zur spezialisierten Tochter. Daneben gibt die MPH die erhaltenen üppigen Ausschüttungen an den Aktionär weiter, was derzeit etwa 5,2 % Dividende pro Jahr sind. Wir haben zum Dividendenabschlag gekauft – und damit auf die unnötige Versteuerung der Dividende verzichtet – und durch den Abschlag sogar eine Rendite von 5,54% p.a. bekommen. Link zum Geschäftsbericht 2018

Das letzte der neuen Investments betrifft den weltweit zweitgrößten Duft- und Aromahersteller International Flavors & Fragrances Inc. US-amerikanische Unternehmen sind uns aus Aktionärssicht natürlich immer besonders lieb, weil man hier noch genau weiß, wem das Unternehmen gehört und dementsprechend, wem der Unternehmensgewinn zusteht. In Europa ist das bisweilen, politisch flankiert, nicht mehr ganz so klar. IFF jedenfalls dürfte eine dieser Firmen sein, mit denen man sicher schon Berührung hatte, die aber niemand kennt. IFF produziert in 110 Fabriken und verkauft in 162 Ländern. Kunden sind die Lebensmittel- und Getränkebranche, die Produkte werden in Joghurts, Kaugummi, Säften, Spirituosen verarbeitet, die Düfte werden in Parfümen und Haushalts- und Körperpflegeerzeugnissen wie Waschmittel, Zahnpasta oder Deos verarbeitet. Zusammen mit dem größeren Marktführer Givaudan teilt man sich in diesen Märkten etwa ein Drittel des Marktvolumens. Danach folgen Symrise und Firmenich und damit hat man fast den ganzen Markt schon aufgezählt. Wachstum ist in solchen Märkten anorganisch zu erreichen oder durch Marktwachstum. Zu letzterem werden ca. 6 % p.a. prognostiziert. Laut dem Magazin Bilanz gibt es 85 Parfümeure und damit ein Zehntel aller weltweit überhaupt aktiven Parfümeure angestellt. Auch das ist ein Wettbewerbsfaktor. Es soll mehr lebende Astronauten geben, als es ausgebildete Parfümeure gibt. Zumindest hier dürfte es Amazon deshalb kurzfristig schwer haben 😉 IFF gibt es derzeit zu einem deutlichen Kursabschlag, da der Markt auf die EPS-Prognosesenkung um 1 % (!) mit einem 10 %igen Abschlag reagiert hat. Daneben verdaut IFF gerade immer noch den teuren Kauf der israelischen Frutarom. Frutarom produziert Lösungen für die Fleisch-, Wurst- und Fischindustrie sowie Gewürzmischungen, Essige & Öle für die Gastronomie. Sie entwickelten sich zu einem der größten Hersteller von Geschmacksstoffen und Düften, vermarkten und verkaufen über 10.000 Rohstoffe und 70.000 Produkte an mehr als 30.000 Kunden in 150 Ländern, verfügen über 92 F&E-Labore und 110 Vertriebs- und Marketingbüros auf der ganzen Welt und betreibt 73 Produktionsstätten in Europa, Nordamerika, Israel und Asien. Den ausführlichen Artikel zu IFF gibt es in der Bilanz-Ausgabe Mai 2019 z.B. bei readly.com*. Link zur Investorenseite

Von unserer Beteiligung an VEREIT kommen nunmehr nach vielen dürren Jahren langsam bessere Nachrichten. Wir halten diesen Wert schon sehr lange. Im Oktober 2014 gab es einen kleineren Buchhaltungsskandal ohne große tatsächliche Auswirkungen. Wie das aber in Amerika nun einmal so ist, hat man die Firma direkt mit Klagen überzogen, deren Klärung die Firma seit nunmehr fünf Jahren lähmt (tolle Aktionäre!). Bislang waren schon etwa 1/3 der offenen Schadensersatzsansprüche beigelegt, nun veröffentlichte VEREIT die finale Beilegung aller Ansprüche. Das allerdings wohl für einen kumulierten Preis von rund 1 Milliarde US-Dollar. Einfach Wahnsinn. Für uns aber gut, denn endlich ist dieser Bremsklotz weg und die Firma kann wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren, für den sie vormals so bekannt war (noch unter dem Namen American Realty Capital Properties). Auch an der Dividende sollte sich nach vielen Jahren dann endlich wieder etwas tun. 

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Das war es erst einmal bunt gemischt zu unseren Neuerwerben der letzten Monate und den Bestandspositionen.

Wie liefen die letzten Monate für Dich? Hinter welche Unternehmen auf Deinem Einkaufszettel konntest Du einen Haken setzen? Wir freuen uns auf Deinen Beitrag im Kommentarbereich!

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4 Comments

  1. Paul
    15.09.2019

    Hallo,

    Westrock habe ich auch auf meiner Watchlist und hoffe auf einen Einstieg bei 33/34$. Glückwunsch zu eurem Einstieg…
    Auch BlackRock baut seine WRK Position massiv aus!

    Gekauft habe ich LyondelBasell zu 71$ mit einer schönen Dividendenrendite von 5,9%.

    Ich finde euren Blog und den Weg, den ihr mit der UG beschreitet sehr interessant! Bitte mehr Artikel zu eurem Portfolio.

    Viele Grüße
    Paul

    Antworten
  2. Markus_R
    16.09.2019

    Hi,
    wie macht ihr das bei Degiro mit der Steuer und einem buy & hold Ansatz? Angenommen ihr kauft über die Jahre immer wieder Aktie A zu und wollt dann nach 20 Jahren umschichten oder verkaufen. Dann müsstet ihr doch für jede Aktie den Gewinn einzeln zurückrechnen und die Differenz zwischen Kauf und Verkaufspreis berechnen, oder? Macht ihr das dann per Hand oder der Steuerberater oder liefert Degiro die Werte? Müsst ihr dann die Kaufkurse bis in alle Ewigkeit aufbewahren?

    Grüße,
    Markus

    Antworten
    1. Atypisch Still
      24.09.2019

      Hallo Markus,
      das wird bei uns in der UG-Buchhaltung erfasst und ist damit dauerhaft aufbewahrt. Es gibt einen Buchungseintrag und wir hängen bei Sage den Transaktionsbeleg von Degiro an den Buchungssatz dran. Nachteil der Geschichte ist, dass wir dauerhaft an Sage als Cloud-Buchhaltungsprogramm gebunden sind.
      Im Privatbereich dasselbe. Die Anschaffungswerte der Aktienpositionen sind natürlich aufzuzeichnen, solange man sie hält, wenn man die Steuererklärung z.B. aufgrund Auslandsdepot selbst macht. Diese machen wir selbst und wir können jedem nur empfehlen, sich das nötige Wissen anzulesen. Wir speichern aber ohnehin am Jahresende alle Kontenbewegungen und Transaktionsdaten von Degiro ab. Bei Degiro sind sämtlich historischen Daten verfügbar und wir rechnen damit, dass das so bleibt.
      Beste Grüße!

      Antworten
      1. Markus_R
        26.09.2019

        Hallo,
        danke für die umfassende Antwort 🙂

        Antworten

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