Atypisch Still zurück aus der Sommerpause!

Es war urlaubsbedingt einige Zeit still auf unserem Blog und wir melden uns hiermit aus der Sommerpause wieder zurück. Aufgrund einer Verlinkung vom Finanzwesir gab es unerwartet viel Verkehr und Kommentare, die wir auch nach und nach beantworten wollen! Für heute starten wir aber zunächst mal mit relativ allgemeinen Ausführungen zu unseren Anlagen.

Aus Zeitgründen müssen wir die überaus zeitaufwändigen Einzelunternehmensdarstellungen leider ein Stück zurückstellen und wir wollen uns deshalb nachfolgend etwas angelehnt an den „Kissig-Stil“ überblicksweise unsere Investitionen berichten. Im Atypisch-Still-Depot befinden sich derzeit 84 Positionen mit unterschiedlichster Gewichtung. Offensichtlich können wir natürlich nicht über alle gleichzeitig berichten; es gibt aber auch nicht notwendigerweise zu allen Anteilen etwas zu sagen.

Insgesamt läuft die Börse nicht so schlecht, wie man oft liest, zumindest nicht bei uns im Depot. Wir sind überwiegend US-lastig aufgestellt. Dementsprechend wirkt sich der wieder etwas zurückgekommene EUR/USD-Kurs eher günstig auf unseren Portfoliowert und auf die eingehenden US-Dividenden aus. Wir stehen mit dem Atypisch-Still-Depot nur knapp unter dem Januarhöchststand, wozu gerade unsere amerikanischen Tech-Werte überdurchschnittlich beitragen. Hier wären in erster Linie Amazon, Microsoft und Google/Alphabet zu nennen, die allesamt neue Allzeithochstände erreichten. Amazon haben wir einmalig im November 2015 gekauft und damals aufgrund des traditionell exorbitanten KGVs keine übermäßig große Gewichtung vorgenommen. Dem Kauf ging damals schon ein monate- bis jahrelanges Zögern voraus, ob man sich eine schon damals derart teure Aktie wirklich kaufen sollte. Am Ende muss man sich aber nur mal im Bekanntenkreis umschauen. Viele sind Prime-Abonnenten, viele wollen wegen Amazon Video auf dieses Abo auch nicht verzichten, hören Amazon Music, nutzen Prime Reading, viele haben sogar einen Echo-Assistenten zuhause und bestellen regelmäßig Waren aller Art bei ihrem bevorzugten Online-Händler. Amazon macht auch vieles richtig, weil es eines von an sicherlich einer Hand abzuzählenden Unternehmen ist, das den Kunden konsequent und absolut wahrnehmbar in den Mittelpunkt allen Handelns stellt. Es ist aktuell nichts sichtbar und nichts absehbar, dass sich hieran in näherer Zukunft etwas ändert.

Durch die enormen Kurssteigerungen (+177% in USD) ist Amazon mittlerweile unser Wert mit der höchsten prozentualen und auch absoluten Steigerung und um einige Plätze zur zweitgrößten Position nach Aurelius aufgestiegen. Die Kursziele der Analysten reichen mittlerweile weit in den 2000-USD-Raum hinein und Amazon erobert sich weiter einen Markt nach dem anderen.

Microsoft läuft auch mit jedem Quartal runder und steht nach fast drei Jahren Haltedauer mit +140% im Gewinn. Alphabet erreicht ebenfalls erst in dieser Woche ein neues Allzeithoch, ist aber im Vergleich auch erst zwei Jahre im Portfolio und steht deshalb „nur“ 71 % im Plus.

Der große Aufreger unseres Portfolios in der jüngeren Vergangenheit war der enorme Absturz der Starbucks-Aktie um mehr als 15 %. Der Grund ist – wie üblich in dieser späten Aufschwungphase -, dass beim Wachstum die Erwartungen der Analysten um einen Prozentpunkt verfehlt wurden, und man darüber hinaus in den USA eine gewisse Starbucks-Sättigung feststellt und deshalb eine Filialbereinigung vornehmen will, die nun umfangreicher als erwartet ausfiel. Im Ergebnis ist aber festzustellen, dass Umsatz und Gewinn weiter steigen. Die Aktionäre wurden mit einer kürzlich um 20 % gesteigerten Dividende daran beteiligt und man hat verlautbart, dass die Aktionäre in den nächsten Jahren noch stärker profitieren sollen. Jede Wachstums-Story kommt irgendwann an ihr Ende. Schaut man sich jedoch die Entwicklung der McDonald’s-Aktie (ebenfalls +70 % seit Kauf) an, so muss man feststellen, dass die Wachstumsverlangsamung bei Starbucks kein Drama werden muss. Wir haben den Rücksetzer jedenfalls zum Nachkaufen genutzt und sind so billig wie seit über drei Jahren nicht mehr an die Stücke gekommen.

Eine DER Institutionen des in Einzelwerte investierenden Teils der deutschen Finanzblogszene, Michael Kissig von iNTELLIGENT-iNVESTIEREN, hat uns in der Frühphase durchaus (positiv) beeinflusst und so sind wir ebenfalls recht stark engagiert in Beteiligungsgesellschaften. Hier sind vorrangig Aurelius zu nennen, die seit der Hauptversammlung mangels neuer Nachrichten kurstechnisch etwas erlahmt sind. Daneben halten wir seit Jahren größere Bestände an Blackstone Group, Carlyle Group und KKR. Sämtliche letztgenannten laufen seit einiger Zeit wieder besser, KKR hat darüber hinaus den Wechsel von der Personengesellschaft zur Kapitalgesellschaft gewagt. Etwas, das möglicherweise Signalwirkung auch für die Wettbewerber hat, da die (in vielerlei Hinsicht ja oftmals komplexe) Personengesellschaftsform ursprünglich in erster Linie aus steuerlichen Erwägungen gewählt wurde. Unter Trump wurde das Steuersystem nun dergestalt umgebaut wurde, dass sich die bisherigen Anreize verändert haben. KKR hat hinsichtlich der Dividendenkontinuität in jüngerer Vergangenheit bereits schon einmal enttäuscht, als man von einer hohen variablen auf eine niedrige fixe Dividende umgestellt hat. Nun hat man den Rechtsformwechsel zum Anlass genommen, die Dividende nochmals zu senken. Nicht ideal für uns, die wir (auch) auch steigenden Dividenden ein Interesse haben. Allerdings wurde die Dividende bei KKR ja nicht aus einer Position der Schwäche heraus gekürzt, sondern im Gegenteil, um die finanzielle Feuerkraft zu erhöhen. Außerdem ist das Geld ja nicht verloren, da der Fokus sich von hohen Ausschüttungen auf eine höhere Steigerung des Nettosubstanzwerts verschiebt. Wir sehen das deshalb jeweils wie folgt: hohe Dividenden helfen den Wertpapierkredit abzutragen. Höhere Kurse führen dagegen zu verbesserten Kreditrelationen im Depot. Deshalb ist es im Prinzip egal, welchen finanztechnischen Weg die Firma mit ihrer Aktie geht, solange das zugrunde liegende Geschäft nur weiter rund läuft. Blackstone und Carlyle hatten in den letzten Jahren in Dividendenhinsicht auch eher eine Durststrecke, es sollte jetzt aber langsam wieder aufwärts gehen, und Analystenberichte untermauern diese Annahme.

Eine neue Beteiligung gab es auch in unserem Portfolio, hierbei handelt es sich um die bayerische Erlebnis Akademie AG, dem europäischen Marktführer für Naturerlebnis- und Baumwipfelpfade. Das klingt zunächst mal nach einem sehr skurrilen Geschäft. Hält man sich aber vor Augen, dass jeder der Baumwipfelpfade jährlich relativ stabil zwischen 200.000 und bis über 300.000 Besucher hat, bei denen jeder Besucher knapp einen Zehner Eintritt zahlen und anschließend ggfs. die gastronomischen Einrichtungen aufsucht, so wird einem klar, dass die 5-6 Mio. Euro Investitionskosten pro Baumwipfelpfad relativ zügig wieder hereingeholt werden. Jedes Jahr kommen zudem zwischen einem und drei Pfaden dazu, sodass sich Umsatz und Gewinn kontinuierlich steigern sollten. Daneben bieten sich Optimierungsmöglichkeiten durch Erweiterungen bereits bestehender Pfade. Tatsächlich vermeldet die Gesellschaft auch regelmäßig neue Rekordzahlen. Von Rentner- und Touristengruppen über den Schulwandertag bis hin zu beruflichen Teambuilding-Maßnahmen sind hier wirklich viele Events denkbar, für die sich ein Besuch hervorragend eignet. Natur & Outdoor scheint ohnehin ein Trendthema zu sein. Ein Abebben des Besucherstroms erscheint also eher unwahrscheinlich, man expandiert mit großen Schritten, stellt sogar – freiwillig – einen Konzernabschluss auf und verfügt über eine verhältnismäßig gute Kapitalmarktkommunikation. Kaufinteressenten ist eine Limit-Order sehr ans Herz zu legen, da der Wert einer der marktengsten ist, die auf dem deutschen Kurszettel stehen. Teilweise gibt es mehrere Tage am Stück überhaupt keinen Handel. Jede einzelne (!) Order bewegt hier deshalb den Kurs, wenn man nicht ohnehin vom Marktpfleger kaufen muss, weil ansonsten gar keine Stücke angeboten werden.

Die Dividendensaison im 1. Halbjahr 2018 ist relativ mager ausgefallen. Es gab zwar einige Ausreißer nach oben: bei den kleineren und mittleren Werten z.B. Yum Brands +20 %, TGS Nopec +33,3 %, Lang & Schwarz +48 %, Aareal Bank +25 %, Sixt Vz. und Vonovia +18 %, Eurofins Scientific +20 %, bei den Standardwerten Pepsi und Blackrock mit soliden +15 % und nun eben noch Starbucks mit einer gegenüber dem Vorjahr vorgezogenen Erhöhung um +20 %. In Summe könnte es knapp für unsere langfristig als Kalkulationsgrundlage unterstellten 7 % p.a. Wachstum sogar gereicht haben, gefühlt sind wir aber eher zur Unterseite hin gelandet. Es bleibt deshalb spannend, wie sich z.B. auch die Steuerreform in den USA in den Quartalszahlen weiter niederschlägt, insbesondere ob und wie sich die Repatriierung der Auslandsgewinne auswirkt.

Derzeit scheinen wir insgesamt wieder eine Phase gestiegener Unsicherheit zu erleben, ausgelöst natürlich wesentlich durch die Handelspolitik aus Amerika. Es ist viel zu lesen von sinkenden Wirtschafts-Indikatoren, vom Anfang vom Ende der Hausse mit dem Höchststand im Januar bis hin zum bevorstehenden Absturz in die Rezession. Wir setzen dennoch weiterhin nicht auf Hopp oder Topp, auf Long oder Short, sondern bleiben ruhig und gedanklich marktneutral und kassieren Dividenden als Halteprämien. Unsere gedankliche Fokussierung auf die jeweils aktuelle rechnerische Dividendenhöhe pro Monat führt dazu, dass wir keinen Transaktionsdrang verspüren, weil sich dadurch die Monatsdividende verringern könnte. Diese Denkart ist eine Art Anti-Aktionismus-Programm. Schaut man zurück in die letzten Jahre, so wird man immer wieder Phasen von Wochen oder Monaten entdecken, die von großer Unsicherheit geprägt waren. Man denke nur einmal zurück an das Brexit-&-Trump-Jahr, wie groß die Unsicherheit damals mehr oder weniger durchgehend war. Im Rückblick ist dennoch derjenige am besten gefahren, der die Füße stillgehalten hat. Auch in 2018 gab es bereits zahlreiche Wortmeldungen, wonach uns der Crash kurz bevor steht, spätestens 2019. Wir warten ab, bis sich konkretere Anzeichen abzeichnen, bevor wir uns der Panikmache anschließen.

Ein jetzt im Zeitverlauf immer aktueller werdendes Thema wird tatsächlich das der steigenden Leitzinsen sein. Gerade vor dem Hintergrund der Wertpapierkreditnutzung. In den USA sind wir ja durch einige Leitzinsanhebungen schon relativ weit gekommen, wobei sich hier aktuell auch Stimmen daruntermischen, die einen flacheren Erhöhungspfad befürworten. In der EZB wird derzeit anscheinend gerungen, welcher Termin im nächsten Jahr es denn werden soll. So steht als frühester Termin derzeit der Juli im Raum, während andere noch abwarten wollen und sich eher Richtung Herbst orientieren. Nach unserer Rechnung dürfte sich die allererste Leitzinsanhebung für uns gar nicht auswirken. Wir rechnen zunächst mit einer Normalisierung des Einlagenzinssatzes zurück zum symmetrischen Leitzinsdreiklang mit 0,25 %-Punkten Abstand nach oben und unten um den Hauptrefinanzierungszinssatz. Der für unseren Degiro-Wertpapierkredit relevante EONIA dürfte sich dann entsprechend auf etwas über -0,25 % steigern. Zuzüglich Degiro-Zinsmarge ändert sich für uns damit erst einmal nichts. Selbst bei einer zweiten Leitzinsanhebung rechnen wir nur mit homöopathischen Auswirkungen auf unser Portfolio. Erst danach würden sich aus unserer Sicht liquiditätswirksame Auswirkungen beim Wertpapierkredit ergeben. Da sind wir dann aber vermutlich bereits (weit?) im Jahr 2020.

Risiken zur Oberseite für unsere Zinsannahmen ergeben sich in erster Linie aus einem in verschiedenen Sektoren zunehmend spürbaren Lohndruck. Es ist mittlerweile nichts Neues mehr, dass der Arbeitsmarkt bereits seit einiger Zeit recht eng ist. Kürzlich schrieb jedoch die FAZ, dass Reinigungskräften vereinzelt schon bis zu 23 Euro netto bezahlt werden müssen, um überhaupt noch Personal zu bekommen. Das Risiko besteht also in stark steigenden Löhnen in der Breite und damit in einer Lohn-Preis-Spirale nach oben, was Notenbanker nervös machen könnte.

 

Wie erlebst Du die oft schwierigen Börsenmonate im Sommer? Schreib uns im Kommentarbereich unten! 🙂

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2 Comments

  1. Julian
    27.08.2018

    Erst einmal vielen Dank für diesen interessanten Blog.
    Ich habe dazu ein paar Fragen:
    Wie ist das Depot aufgebaut? Welche 82 Unternehmen befinden sich darin und welchen Wert haben die Anteile
    Wir das Depot von einer UG bzw. GmbH gehalten?
    Wie ist das Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital?
    Wieviel Zeit wendet Ihr auf um ein Unternehmen zu analysieren bevor ihr die Aktie kauft?
    Wieviel Zeit wendet ihr pro Monat für das Depot auf?
    Könntet ihr diese Punkte genauer erläutern und in regelmäßigen Abständen euer Depot veröffentlichen?

    Antworten
    1. Atypisch Still
      02.09.2018

      Hallo Julian,
      Danke für Deinen Kommentar! 🙂
      zu 1.: es sind im Wesentlichen quellensteuerfreundliche Länder vertreten, den Kern bilden die USA gefolgt von Deutschland. Ansonsten auch eine Mischung aus klassischen Value-Aktien (KO, PG, JNJ, PEP…) als auch Wachstumsaktien (AMZN, GOOG, MTCH, Hypoport…). Das Depot ist gut diversifiziert und kein Wert hat einen höheren Anteil als 9%.
      zu 2.: bislang nicht, wir halten unsere Depots bislang privat. Es ist jedoch eine UG & atypisch Still gegründet worden und mit der Zeit sollen die Aktien möglichst steuerneutral überführt werden.
      zu 3.: wir haben in unserer Artikelserie 50:50 als vergleichsweise wenig riskantes Verhältnis als Faustregel genannt und streben dieses auch an. Es schwankt aber naturgemäß auch.
      zu 4.: wir machen auf jeden Fall keine Wissenschaft draus. Der Auslöser muss vom Geschäftsmodell kommen. Aktuellstes Beispiel bei uns ist die Erlebnis Akademie. Das Geschäftsmodell passt auf einen Bierdeckel und erscheint uns sehr aussichtsreich. Die Schwierigkeit ist eher, solche Unternehmen mitzubekommen, weil die Presse dazu nicht so umfangreich ist. Inhaltlich hat man sich da recht zügig informiert, vielleicht 1-2 Stunden. Überwindung kostet es eher, auf historischem Höchstkurs zu kaufen. Das war der Grund warum zwischen „Erstkontakt“ und tatsächlichem Kauf dann doch noch 6,7,8 Wochen ins Land gezogen sind.
      zu 5.: das kann man so nicht quantifizieren. Da es auch ein Hobby ist, sind wir recht „nah am Marktgeschehen“. Man kann ein Einzelwertedepot entweder so führen, dass man 20 Jahre nicht reinguckt oder man beobachtet es regelmäßig. Wir sind eher letztere Fraktion. Zumal sich dadurch auch schon bedeutende Kaufgelegenheiten ergeben haben, die wir nicht mitbekommen hätten, wenn wir uns nicht relativ intensiv damit beschäftigen würden. Zumal durch den Wertpapierkredit durchaus etwas mehr Risiko als ohne enthalten ist, dessen man sich immer bewusst sein sollte.
      Ob wir das Depot regelmäßig veröffentlichen, können wir noch nicht versprechen. Wir entwickeln den Blog jetzt erstmal mit Augenmaß weiter und schauen, was sich ergibt. Wir haben verschiedene Ideen. Da das Ganze hier nebenberuflich erfolgt, wollen wir uns ungerne unnötig feste Verpflichtungen aufbürden.
      Beste Grüße! 😉

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