Quantentechnologie: Grundlagen und ein Blick aus der Investorenperspektive

Inspiriert von vermehrter Medienberichterstattung über die Entwicklungen im Bereich der Quantencomputer möchten wir in diesem Artikel einen kurzen Überblick über die Quantentechnologie geben und anschließend über zukünftige Auswirkungen in allgemeiner Weise sowie in konkreter Weise auf Branchen, Unternehmen und deren Aktien nachdenken.

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Was ist Quantentechnologie?

Für die einen ist die Quantentechnologie der große Wurf in ein neues Zeitalter – man möchte fast sagen: ein Quantensprung -, für die anderen ein einziger großer Hype mit zu viele ungelösten Probleme und zu vielen Unbekannten. Zugegeben: das Thema ist nicht ganz einfach zu greifen, vor allem nicht für Nicht-Physiker (die wir auch nicht sind). Man sollte sich dennoch eingehend damit beschäftigen, denn mindestens einzelne Aspekte haben definitiv disruptives Potential. Und das kann sich für Investoren der frühen Stunde natürlich in barer Münze auszahlen.

Zunächst mal ist es so, dass man vereinfacht sagen kann, dass die klassische Physik alles beschreiben kann, was man sehen kann. Schwierig wird es allerdings im mikroskopisch kleinen Bereich. Forscher haben mit der Zeit immer mehr Effekte ermittelt, die sich mit der klassischen Physik nicht mehr richtig beschreiben lassen. Deshalb hat sich seit Anfang des letzten Jahrhunderts die Quantenphysik erforscht. Während also beispielsweise die herkömmliche Physik Vorgänge im lediglich dreidimensionalen Raum beschreiben kann, während die Zeit unabhängig davon vergeht, sind in der Quantenphysik Raum und Zeit untrennbar miteinander zur vierdimensionalen Raumzeit verbunden – die, wie wir natürlich alle wissen, auch noch gekrümmt ist! Ein weiterer Unterschied ist, dass der klassischen Physik eine deterministische Sicht zugrunde liegt, die besagt, dass sich Vorgänge bei Kenntnis des äußeren Rahmens exakt beschreiben lassen, während in der Quantenphysik das Rechnen in Wahrscheinlichkeit dominiert, exakte Aussagen beispielsweise zum konkreten Aufenthaltsort eines Elementarteilchens also nicht möglich sind.

Die Quantenphysik zeichnet sich damit offenbar in erster Linie dadurch aus, dass sie schwer verständlich ist und vor allem nicht unbedingt intuitiv. Was also ist überhaupt ein Quant? Ein Quant ist kein sichtbares Teilchen, sondern lässt sich eher als kleinste Energieportion beschreiben, das verschiedene Energieniveaus annehmen kann. So ist zum Beispiel ein Lichtstrahl kein durchgehend regelmäßiger Strahl, wie man es intuitiv vielleicht denken könnte. Vielmehr werden unregelmäßig kleinste Energiepakete, sog. Photonen, von der Lichtquelle abgegeben. Dabei sind Photonen weder Teilchen, noch Wellen, wie sie in der klassischen Physik jeweils einzusortieren wären, sondern beides, was in der klassischen Physik so nicht vorgesehen war.

Dies ist eines der wesentlichen Punkte in der Quantenphysik: die Gleichzeitigkeit von mehreren Zuständen. Mand findet das immer wieder auch in den Bezeichnungen Überlagerung oder Superposition. Der aktuelle Stand der Forschung ist, dass sich der Zustand eines Quants nicht vorherberechnen lässt, sondern erst durch eine Messung nach dem Zufallsprinzip zutage tritt. Die zufällige Gleichzeitigkeit von Zuständen ist eher schwierig oder wahrscheinlich auch einfach gar nicht zu verstehen. Albert Einstein hatte dazu formuliert: „Gott würfelt nicht.“. Und er irrte sich anscheinend, weil es den echten Zufall tatsächlich gibt, zumindest in der Quantenphysik. Bekannt dürfte auch das Experiment von Erwin Schrödinger mit seiner Katze sein. Eine Katze befindet sich in einem Karton mit einem Giftgas, das sich irgendwann freisetzt. Solange der Karton aber verschlossen ist, kennt man den Zustand nicht und erst durch die Messung (das Öffnen des Kartons) sieht man, ob die Katze noch lebt oder schon tot ist. Auch hierzu sagte Einstein: „Ist denn der Mond gar nicht da, wenn man nicht hinsieht?“.

Wir sehen also: es ist kompliziert. Einer der Mitbegründer der Quantentheorie, Max Planck, hat seiner eigenen, im Jahr 1900 entdeckten Formel und Theorie vom Planck’schen Wirkungsquantum 30 Jahre selbst nicht geglaubt, auch nachdem er den Nobelpreis dafür erhalten hatte nicht. Wir wollen jetzt aber auch gar nicht weiter so tief in die reine Theorie einsteigen. Wir können jedoch absolut die vielen populärwissenschaftlichen Dokus zu diesem Thema auf Youtube empfehlen oder mal die Wissenschaftsmagazine bei readly.com nach Quantentechnologie durchsuchen. Es lohnt sich, wenn man ein bisschen Interesse an dem Thema hat oder entwickeln kann. Man braucht allerdings einen langen Atem, weil es schwere Kost ist.

Welche Eigenschaften sind es nun, die Quantentechnologie auch wirtschaftlich interessant machen?

Über Jahrzehnte galt in der Computerchip-Herstellung das sogenannte Moore’sche Gesetz, benannt nach einem Intel-Gründer, wonach sich die Leistung eines Prozessors etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Bislang wurde das im Wesentlichen durch Miniaturisierung erreicht: mehr Transistoren passen auf immer weniger Fläche. Damit ist nun absehbar Schluss. Intel steht derzeit bei einer 10nm-Fertigungsstruktur und scheint damit schon Probleme zu haben, Konkurrent AMD will noch die 7nm-Strukturbreite schaffen. Unterhalb von 5nm ist dann aber die Grenze der herkömmlichen Physik erreicht: werden die Prozessorstrukturen noch kleiner, befindet man sich auf atomarer Basis, die für das ordnungsgemäße Funktionieren eines Prozessors notwendigen Halbleitereffekte des Siliziums werden zu schwach und quantenmechanischen Effekte werden bedeutsamer und überlagern. Hier ist also die Grenze der konventionellen Physik zur Quantenphysik erreicht.

Als eine mögliche Lösung wird der Quantencomputer angesehen. Technisch ist dessen Herstellung außerordentlich herausfordernd, da sich Quanten, wie oben beschrieben, eher durch Wahrscheinlichkeiten als durch Exaktheiten beschreiben lassen, und die für das Funktionieren in Quantencomputern darüber hinaus oft auch noch bis knapp über den Gefrierpunkt gekühlt werden müssen.

Herkömmliche Computer rechnen in Bits: in 0 oder 1. Quantencomputer rechnen mit Qubits (quantenmechanischer Bit), das 0 und 1 gleichzeitig annehmen kann. Und zusätzlich auch noch alles dazwischen. Bei zwei herkömmlichen Bits wären also grundsätzlich 2² = 4 Informationen darstellbar, nämlich 00, 01, 10 und 11, von denen aber letztlich ein einziger Zustand zur Berechnung und Weitverarbeitung konkret ausgewählt werden muss. Mit zwei Qubits können dagegen aufgrund der Zwischenzustände alle 4 Informationen gleichzeitig verarbeitet werden. Bei drei Qubits entsprechend 8 Informationen gleichzeitig (!) und jedes weitere Qubit verdoppelt die Anzahl an Informationen bzw. Kombinationen, die in einer Prozessoroperation verarbeitbar sind. Folglich ist man bei nur 70 Qubits bereits an der Stelle, an der man mit einer einzigen Prozessoroperation Berechnungen durchführen kann, die mit herkömmlichen Computern ungefähr so lange dauern würde, wie das Universum alt ist.

Qubits können aus verschiedenen kleinsten Elementarteilchen wie Photonen oder Elektronen, aber auch Atomen und Ionen bestehen. Qubits sind jedoch extrem störanfällig für äußere Einwirkungen und somit fehleranfällig. Leider benötigt ja nun niemand einen Computer, der falsch rechnet. Deshalb ergibt sich Stand heute noch die Notwendigkeit einer Vervielfachung der erforderlichen Qubits. Mehrere Qubits sollen in diesem Modell dasselbe ausrechnen und aus den Ergebnissen mehrerer (sog. Physikalischer) Qubits wird dann ein einziger sog. logischer Qubit, der die richtige Information für die weitere Berechnung enthält. Aus mehreren „gestörten“ und nur ungefähr richtigen Qubit-Informationen wird so eine richtige Information ermittelt.

Insgesamt eignet sich der Quantencomputer nach einschlägiger Einschätzung vor allem dafür, eine Unmenge von Informationen nach der einen gesuchten zu durchsuchen und am Ende ein Ergebnis auszuspucken. Das ist offensichtlich in der Primfaktorenzerlegung der Fall, die zum Knacken von Verschlüsselungen gebraucht wird. Eine weitere Einsatzmöglichkeit wären Simulationen mit vielen Daten und Variablen, wie z.B. Simulationen von Naturereignissen. Schließlich noch das ebenfalls sehr relevante Durchsuchen großer Datenmengen.

Wo also steht die Entwicklung von Quantencomputern? Es gibt den bekanntesten Hersteller von bereits existierenden Quantencomputern, den kanadischen Hersteller D-Wave. Vergleichsmaßstab ist oftmals die Anzahl der Qubits auf dem Prozessor, wobei das nicht das einzig Maßgebliche Leistungskriterium darstellt. D-Wave präsentierte bereits 2007 erstmals einen Quantencomputer mit 16 Qubits. Intel steht aktuell bei 49 Qubits, IBM bei 50 und Google sogar bei 72 Qubits. Die Hochskalierung ist neben der Abschirmung aktuell eines der größten Probleme, da meist auch noch eine Kühlung auf -273 Grad Celsius notwendig ist. Eine Massenfertigung von Quantencomputern ist deshalb noch einige Jahre entfernt. Intel hat sich dahingehend geäußert, dass 1 Million Qubits notwendig wären, um unter Berücksichtigung der Fehlerkorrektur-Qubits die Serienreife zu erreichen. Das soll in fünf bis sieben Jahren soweit sein. D-Wave steht mittlerweile sogar bei 2.000 Qubits und will innerhalb von zwei Jahren einen Computer mit 5.000 Qubits herstellen, jedoch verwendet D-Wave eine andere Bauweise auf nicht-atomarer Basis und Wissenschaftler streiten deshalb, ob das überhaupt ein echter Quantencomputer sein kann. Zudem kostet er 15 Millionen Dollar.

Ob also ein Quantencomputer wann zur Verfügung steht, ist auch abhängig von der Frage, welche Fehleranfälligkeit toleriert werden kann. Die einen sagen, dass man auch Programme schreiben kann, die keiner Exaktheit bedürfen, mit denen könnte man dann auch mit frühen Quantencomputern Berechnungen durchführen. Andere hingegen sagen, dass die Fehlerquote eine sehr geringe Schwelle nicht überschreiten darf und aus diesem Blickwinkel wird es noch einige Jahre dauern, bis es funktionierende Quantencomputer gibt.

Ein in jeder Hinsicht interessantes weiteres Phänomen der Quantenphysik ist das der bereits kurz erwähnten Quantenverschränkung. Mehrere Quanten lassen sich zusammen in der Weise anregen, dass sie nicht mehr als zwei einzelne Systeme beschrieben werden können, sondern nur noch durch ein einziges. Sie sind dann verschränkt und weisen dieselben quantenmechanischen Eigenschaften auf, man kann sie anschließend sogar räumlich wieder voneinander trennen. Aber nicht nur das. Ändert eines der beiden Teilchen seine Eigenschaften, wird das instantan beim anderen Teilchen nachvollzogen. Instantan bedeutet gleichzeitig, weil es in der Physik zeitweise fraglich war, wie das funktionieren kann, weil dann Informationen schneller als die Lichtgeschwindigkeit übertragen werden müssten, was definitionsgemäß nicht möglich ist. Man hat sich am Ende von der Erklärung des Phänomens her darauf geeinigt, dass also keine Informationsübertragung von A nach B stattfindet, sondern die Änderung aufgrund der fortbestehenden räumlichen Einheitlichkeit des Quantensystems (also A=A) erfolgt. Was natürlich auch bedeutet, dass man sich an ganz andere Bedeutungen des Begriffs Raum gewöhnen muss.

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Der Witz an der Geschichte ist nun, dass das auch über Tausende Kilometer funktioniert. Genau genommen könnte eines von beiden miteinander verschränkten Quanten am einen Ende des Universums sein, eine seiner quantenmechanischen Eigenschaften (z.B. den sog. Spin) ändern und es würde gleichzeitig beim zweiten Elektron am möglicherweise anderen Ende des Universums nachvollzogen. Das eröffnet die Möglichkeit, an zwei verschiedenen Orten immer die gleiche Information zu haben, oder anders gesagt: Kommunikation. Folglich wäre eine Quantenkommunikation möglich, denn abhörsicher wäre das ganze auch. Jeder Abhörversuch bzw. jede dafür notwendige Messung des Quantenzustands würde den Quantenzustand ändern und der Empfänger könnte dadurch ermitteln, ob er abgehört wurde oder nicht. Somit können bspw. Verschlüsselungs-Schlüssel abhörsicher ausgetauscht werden. Der Vorteil: es handelt sich um einen physikalischen Schutz aufgrund von Naturgesetzen und nicht um etwas, was sich ein Mensch ausgedacht hat und was ein anderer Mensch knacken kann.

Wenn aber schon grundsätzlich sichere Kommunikation ermöglicht werden kann, warum braucht dann überhaupt noch jemand Verschlüsselungen? Sogar ein Quanteninternet auf Basis sicherer Quantenkommunikation wird schon ins Gespräch gebracht. Reale Anwendungsgebiete gibt es heute schon: ein abhörsicheres Glasfasernetzwerk auf Basis der Quantenkommunikation zwischen Peking und Shanghai, dazu Basisstationen am Boden, die über Satellit miteinander kommunizieren können. Richtig gelesen: China ist von der verlängerten Werkbank der Welt nunmehr anscheinend endgültig zum Top-Technologiestandort aufgestiegen.

Zur Investmentperspektive:

Für Quantencomputer wird bereits im Jahr 2020 ein Marktvolumen zwischen 1 und 5 Mrd. USD vorausgesagt.

Zunächst kommen natürlich mal die Chip-Hersteller in Betracht. Hierbei fällt auf, dass alle üblichen Verdächtigen an Quantencomputern arbeiten. Lautstark vernehmbar sind regelmäßig aber nur zwei: D-Wave aufgrund der schieren Masse an Qubits und dem dadurch vermeintlichen Vorteil gegenüber allen anderen Herstellten. Und zum anderen Google als visionärste und öffentlichkeitswirksamste Stimme zum Quantencomputer. Google ist aus Investmentsicht ohnehin zwar teuer im Preis, aber verfügt auch über massive intrinsische Werte. Die Suchmaschine, Youtube und die Werbemaschinerie sind davon ein Pfeiler. Ein anderer könnte zukünftig die Quantentechnologie sein. Aufgrund der guten Verwendungsmöglichkeit für das Durchsuchen großer Datenmengen ist Google prädestiniert. Aber Fakt ist: alle Datenzentren, Cloud-Speicher und so weiter, die wir auf der Welt haben, werden aus Geschwindigkeitsgründen beim Durchsuchen großer Datenmengen wahrscheinlich auf den Quantencomputer umsteigen müssen, wenn sie im Wettbewerb nicht zurückfallen wollen. Anmerkung an dieser Stelle: und natürlich muss auch ein funktionsfähiger Quantencomputer erst entwickelt werden. Das erscheint aber nur noch als eine Frage der Zeit. Auffallend ist, dass es um die restlichen Hersteller eher still ist, insbesondere AMD und Nvidia. Intel hätte eigentlich den historischen Vorteil, immer Branchenprimus gewesen zu sein, arbeitet aber auch daran. Microsoft arbeitet ebenfalls daran, konnte zwar noch keinen Qubit nach deren eigener Herstellungsweise herstellen, sagt aber dazu, dass wenn sie es können, Microsoft-Quantencomputer 10.000-fach exakter rechnen als die Konkurrenz.

Ein weiteres Investitionsgebiet könnte der Bereich IT-Sicherheit durch Kryptographie sein. Quantencomputer sollten in der Lage sein, viele heutzutage noch verwendete Verschlüsselungsverfahren auf Primzahlbasis sehr schnell zu knacken; von anderen Verschlüsselungsverfahren weiß man noch nicht genau, ob es schneller geht, als mit herkömmlichen Computern. Wie oben bereits kurz angerissen, ist fraglich, ob man Verschlüsselungen tatsächlich noch in dem Maße braucht, wenn die Kommunikation abhörsicher ist. Dennoch müssen wohl mindestens die Daten, die dann ja nach der Übertragung irgendwo rumliegen, aus Sicherheitsgründen vermutlich verschlüsselt werden. Verschlüsselung im Quantenzeitalter ist aber von der Forschung als Thema bereits identifiziert und wird als Post-Quanten-Kryptographie bezeichnet. Interessanterweise fördert die Google-Suche für letzteres als Investment gleich wieder…Google bzw. Alphabet zutage, die bereits öffentlichkeitswirksame Experimente durchführen. Die Frage wird am Ende schon sein, zu welchem Hersteller man als Kunde letztlich dann greift: derjenige Hersteller, der von Beginn an seine Entwicklungskompetenz mit der Öffentlichkeit geteilt und verbreitet hat oder der öffentlichkeitsscheue Spezialhersteller aus Hintertupfing, der im stillen Kämmerlein vor sich hin entwickelt?

Fakt ist vom Geschäftsmodell aus unserer Sicht auch, dass sobald die ersten Verschlüsselungen geknackt werden können, es einen Ansturm auf Quantenkryptographie geben wird. Niemand wird es sich leisten können, angreifbar zu sein. Ob sich das als Aktiengesellschaft in Umsatz und Gewinn umsetzen lässt, wird sich erst noch zeigen. Aus Investmentsicht haben wir bei der Recherche hierzu noch nicht viel gefunden. Ein großer Knackpunkt bei der Abhörsicherheit der Quantenkommunikation – aber wir sind auch keine Physiker – scheint uns zu sein, dass immer gesagt wird: jede Messung verändert den Quantenzustand. Also fraglich ist dann doch, ob es in Zukunft nicht andere Messmethoden geben könnte, womit der Quantenzustand ausgelesen werden könnte, ohne ihn zu verändern. Wir wissen es aber eben nicht und gehen deshalb im Folgenden weiterhin von der Annahme der unknackbaren Quantenkommunikation aus.

Aber wir können bezüglich der Quantencomputer ja auch nochmal ganz experimentell denken. Quantencomputer müssen Stand heute auf knapp über 273 Grad Celsius gekühlt werden. Der Weltraum hat eine Temperatur von 270 Grad Minus, wenn nicht gerade eine Sonne direkt auf ein Hindernis draufstrahlt. Dank Elon Musk und (u.a.) SpaceX verfügen wir bereits über erweiterte Raumfahrtmöglichkeiten. Wir haben mit der Mynaric AG ein weiteres visionäres Unternehmen für lasergestützte Weltraumkommunikation auf dem deutschen Kurszettel, die bereits genau das tut, was hier im Artikel beschrieben wurde. Was also sollte dagegensprechen, Quantencomputer gleich im kühlen Weltall zu betreiben, wenn die Rechenleistung ohnehin über Cloud- und Infrastructure-as-a-Service-Dienste zur Verfügung gestellt würde? Die Kommunikation und der Transport der Rechenleistung würde dann über Satellit mit Basisstationen auf der Erde funktionieren. China machts aber vor. Und klar klingt das alles erstmal abwegig. So wie der Gedanke 1997 vermutlich, dass ein Online-Kaufhaus, das einfach alles verkauft, ja wahrscheinlich viel zu schwierig umzusetzen und nicht zu bewerkstelligen wäre. Jeff Bezos ist jetzt reichster Mensch der Welt.

Weitere Entwicklungsmöglichkeit wäre aufgrund abhörsicherer Satellitenkommunikation z.B. der Wegfall oder zumindest der Bedeutungsverlust von Kabelkommunikation. Wir sehen die Zukunft eher im Mobilfunkbereich als im Verlegen weiterer Hunderttausend Kilometer Kabel im Boden. Die USA wollen bis Ende 2018 bereits 5G ans Netz bringen, während Deutschland in bekannter Behäbigkeit die entsprechende Frequenzversteigerung zur Sanierung der Staatsfinanzen auf „frühestens 2019“ verlegt hat. Man kann heute natürlich noch nicht konkret voraussagen, wie sich alles in Zukunft entwickeln wird. Aber für grundlegende Tendenzen trauen wir uns eine Einschätzung zu. Eine dieser Tendenzen, die wir als „naturgegeben“ ansehen, ist die Entscheidung pro Funk, wenn man die beiden Optionen Funk und Kabel zur Auswahl hat. Kabel verlegen ist schlicht anachronistisch. Das ist jedoch noch extrem weit weg, denn das, was wir hier als Quantenkommunikation beschrieben haben, heißt ja zunächst nicht zwingend, dass der gesamte Datenverkehr in dieser Weise laufen muss. Das dürfte noch sehr sehr ferne Zukunftsmusik sein. Wahrscheinlich wird es in näherer Zukunft eher so sein, dass Daten auf sehr herkömmliche Weise ausgetauscht werden, verschlüsselt zwar, aber eben nur der Schlüssel ist über Quantenkommunikation übertragen worden. Die Verschlüsselung dürfte dann selbstverständlich nicht durch von Quantencomputern leicht durchführbaren Primfaktorenzerlegung beruhen, sondern auf Quantenkryptographie.

Ein Thema, das sich hier natürlich aufdrängt, sind die Blockchain-Anwendungen, und hier insbesondere Kryptowährungen. Das Versprechen von Kryptowährungen, von denen der bekannteste Vertreter der Bitcoin ist, ist die Disintermediation, der Verzicht auf Banken und Mittelsmänner, die bisher die Vertrauenssicherungsfunktion übernommen haben. Durch verteilte Transaktionsbücher (distributed ledger technology) sollen im Kern Banken ersetzt werden und eine Währung geschaffen werden, die nur durch sich selbst kontrolliert wird und die dadurch Manipulation ausschließen soll. Jetzt mag das vielleicht sogar so sein, dass die verschiedenen Bitcoin-Verschlüsselungen nicht zeitnah geknackt werden können (zur Erinnerung: mit 70 logischen Qubits können theoretisch 270 Kombinationen in einem Rechenschritt überprüft werden). Die Frage bleibt ja dennoch: warum brauche ich den ganzen Aufwand mit der Verteilung aller Transaktionsdaten auf allen Teilnehmerrechnern, der ewigen Transaktionsdauer und dem enormen Stromverbrauch, warum brauche ich Verschlüsselungen, Wallets und das Ganze, wenn ich mit der Quantenkommunikation abhörsichere Kommunikation habe? Verschränkte Quanten lassen sich nicht manipulieren, ohne dass der Empfänger das mitbekommt. Damit ließen sich sichere Transaktionen vornehmen. Es dürfte wohl äußerst fraglich sein, ob neben den derzeit massenhaft investierten Glücksrittern und Spekulanten die tatsächlichen Währungsnutzer so viel Wert auf ein zwingend verteiltes Kontenbuchsystem legen.

Folglich könnte es doch in Zukunft auf Quantentechnologie auch ganz einfache Zahlungsdienstanbieter angeben, die einem das Geld von A nach B überweisen, z.B. von Handy zu Handy. Sogenannte Kryptowährungen, die praktisch täglich extrem im Kurs schwanken, können eine Währungsfunktion schon deshalb nicht übernehmen, weil ja ständig die Preise angepasst werden müssten. Dazu kommt die erwähnte Gefahr, dass die Rechengeschwindigkeit so exponentiell steigt, dass die Bitcoin-Verschlüsselung letztlich doch wertlos ist und das System wieder manipulierbar ist. Warum sollte man sich mit dem Kauf von Kryptowährungen explizit dem Risiko aussetzen, dass diese eventuell zukünftig unwiederbringlich verloren gehen? Deshalb würden wir hierin eher ein Argument kontra Kryptowährungen sehen und erwarten, dass diese nach dem derzeitigen Hype über kurz oder lang wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Wir freuen uns übrigens schon auf den Shitstorm im Kommentarbereich 🙂

Fazit

Wie gesagt, wir sind keine Physiker. Wir haben mit Sicherheit auch ganz viel in dieser Darstellung vergessen. Allerdings haben wir hier auch nur den Versuch unternommen, Grundlinien aufzuzeigen und Grundüberlegungen aus Investorensicht aufzuzeigen, was uns hoffentlich annähernd gelungen ist. Wir rufen natürlich die Quantenforscher unter unseren Lesern auf, uns auf Fehldarstellungen und Verbesserungen und vor allem Investmentmöglichkeiten hinzuweisen 😉. Wie immer auch der Hinweis: ob wir hier richtig liegen mit unseren Annahmen und Aussagen, mag dahingestellt bleiben. Es ist nämlich schlicht grundsätzlich immer wichtig, bestimmte Themen selbst auf dem Schirm zu haben und zu beobachten, um ggfs. davon profitieren zu können.

Das Thema Quantencomputer und Quantenkommunikation ist schon noch recht jung und in den Kinderschuhen und gleichzeitig stehen wesentliche alltagsfähige Entwicklungen praktisch vor der Haustür. Ein sehr dominanter Name in diesem Zusammenhang scheint uns während der Recherche immer wieder Google/Alphabet zu sein. Für konkretere Investmententscheidungen alleine auf der Basis der Quantentechnologie müsste jedoch erst der Durchbruch verkündet werden, um sagen zu können, welcher der großen Konzerne technisch die Nase vorn hat und die PS auch auf die Straße bekommt. Quantenkommunikation erscheint uns ebenfalls außerordentlich aussichtsreich, allerdings gibt es auch hier bis auf die Mynaric AG keine uns bekannten börsennotierten Firmen. Dass bspw. die Deutsche Telekom hier jedoch Vorreiter werden sollte, wagen wir zu bezweifeln.

Schlussendlich: Physik gehört wahrscheinlich nicht unbedingt zu den Lieblingsfächern der Mehrheit der Leser und auch uns geht es nicht anders. Dennoch ist die Quantentechnologie ein hochaktuelles, hochinteressantes Thema mit massivem disruptiven Potential und wir können jedem nur die vertiefende Beschäftigung damit empfehlen, denn es gibt noch viele weitere Anwendungsgebiete und somit Ertragspotential.

Was ist Deine Meinung zu den Möglichkeiten der Quantentechnologie und welche zusätzlichen Investmentmöglichkeiten kennst Du? Schreib uns im Kommentarbereich unten! 🙂

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Hinweis zu Interessenkonflikten: die im Artikel angesprochenen Unternehmen IBM, Microsoft, Alphabet und Amazon halten wir im Atypisch Still Portfolio.

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