Leser fragen – Atypisch Still antwortet (Teil 2)

Uns erreichten neue Leserfragen zu dem von uns vorgestellten 100.000-Euro-Modell mit Wertpapierkredit (Artikelserie hier) und wir wollen hiermit nochmals auf Eure Fragen eingehen! 🙂

Vorab zunĂ€chst eine allgemeine Zuschrift. Der Kommentator „stiller Leser“ schrieb uns:

Ich werd nicht warm mit diesem Blog; wer schreibt ihr eigentlich, eine Person, eine Agentur, wer ist wir? Warum wird degiro so oft erwÀhnt, schreibt hier die Marketing Abteilung? 

Wir haben zwar schon direkt auf den Kommentar geantwortet, wollen die Fragen aber an dieser Stelle nochmals aufgreifen.  Es ist ja nun mal so, wenn man noch ein junger Blog ist – und uns gibt es gerade zweieinhalb Monate -, dass man zunĂ€chst mal startet und irgendeinen Weg einschlĂ€gt und verfolgt. Wir haben uns entgegen den allgemeinen Gepflogenheiten in der Finanzblogszene entschieden, nicht unter dem echten Namen zu veröffentlichen. Das hat damit zu tun, dass wir beruflich ebenfalls Finanzbezug und Kundenkontakt haben.

Da es bei nicht nur einer Person genau so unsinnig wĂ€re, „ich“ statt „wir“ zu schreiben, wo sich dann jeder fragen wĂŒrde, „Und wer ist ‚ich‘?“, belassen wir es halt erst einmal beim einfachen „wir“ als einheitliche Stimme des Atypisch-Still-Kollektivs. Wir denken auch, dass das Private hier nicht allzu viel zur Sache tut, denn auf dieser Plattform soll es um Geldanlage gepaart mit Unternehmertum und um den hochwertigen inhaltlichen Austausch mit der Leserschaft gehen. Alles was wir auf diesem Blog beschreiben, machen wir selbst privat genau so und das ist aus unserer Sicht das was zĂ€hlt: wir schreiben, was wir machen, kennen uns insoweit ein bisschen aus und stehen voll dahinter – und wollen unsere Ansichten damit gerne in die allgemeine Anleger-Diskussion mit einbringen. Und es ist keine Werbung fĂŒr irgendwen oder irgendetwas. Wer mit anderen Blog-Formaten besser zurecht kommt, hat ja anderswo genug Auswahl. Dieselbe Frage nach der IdentitĂ€t könnte man dem Kommentator ĂŒbrigens auch selbst stellen 😉 Ob sich das Format dieses Blogs auf mittelfristige Sicht Ă€ndert, werden wir sehen, wissen wir noch nicht. Dass das Aktuelle keine Ideallösung ist, wissen wir aber auch.

Zu hĂ€ufigen Nennung von Degiro: Nein, wir haben mit Degiro nichts zu tun. Wir haben unsere Depots bei diesem Broker, und zwar seit MarkteinfĂŒhrung in Deutschland im Sommer/Herbst 2014. Warum? Nun, Degiro ist der erste Broker der die verkrustete deutsche Broker- und Preislandschaft radikal aufbricht und mit unvergleichlicher Kompromisslosigkeit die Effizienzgewinne eines FinTech-Start-Ups (wobei es Degiro schon seit ca. zehn Jahren gibt) an die Kunden weiterreicht. Wir haben vorher bereits Depots bei diversen Brokern gehabt, das ging von klassischen Banken wie der HypoVereinsbank ĂŒber FlatEx bis hin zur OnVista-Bank und LYNX. Einzig LYNX war nach unserer Erfahrung preislich vergleichbar wettbewerbsfĂ€hig.  Jedoch will auch LYNX mindestens 5,80 Euro fĂŒr die Aktienorder.

Es entzieht sich deshalb unserem VerstĂ€ndnis, warum Degiro derart unterreprĂ€sentiert ist in der Finanzblogszene und in den Broker-Tests, obwohl es DAS (preisliche) SchlĂŒsselwerkzeug zum Wohlstand ist. Deshalb haben wir ĂŒberhaupt kein Problem damit, die Vorteile von Degiro fortwĂ€hrend hervorzuheben. Degiro hat ĂŒbrigens auch Nachteile, ĂŒber die wir in einem kommenden Artikel auch noch schreiben werden!

Warum wir Degiro mit dieser Leidenschaft loben? Das kann man wohl nur verstehen, wenn man sich bereits im Studium mit Wertpapieren beschĂ€ftigt und sich darĂŒber Ă€rgern muss, dass fĂŒr die 100-Euro-Order GebĂŒhren von 10, 12 oder 15 Euro gefordert werden, fĂŒr eine Leistung, die rein elektronisch stattfindet. Es hat sich als traumatisches Ereignis anscheinend tief eingebrannt 🙂

Des Weiteren gibt es bei Degiro bestĂ€ndig Newsletter-Mails, in denen die Fortentwicklung der Handelsplattform – meist – zum Nutzen des Kunden dargestellt wird. Beispielsweise sollte sogar ein Ordertyp eingefĂŒhrt werden, mit dem man AktienbruchstĂŒcke kaufen kann, oder eine Art Sparplan-Order, mit der man sich die Kombination verschiedener AktienbruchstĂŒcke zukaufen kann. Beides gibt es bis heute tatsĂ€chlich nicht, muss man fairerweise sagen. Aber wir goutieren es absolut, dass es wenigstens kontinuierliche Bestrebungen gibt, den Kundennutzen zu mehren, auch wenn am Ende nicht alles klappt.

Auch das Projekt Deziro ist z.B. extrem interessant. Das wĂ€re ein Schwesterbroker zu Degiro gewesen mit dem GeschĂ€ftsmodell, dass alles mehr oder weniger komplett gratis ist und die Monetarisierung ĂŒber Werbeschaltungen erfolgt. Das Projekt ist nach unserer Kenntnis festgefahren und wird nicht weiter verfolgt. Aber es zeigt nochmals die Kraft und den Willen zur Revolution des Brokeruniversums. WĂ€hrend in Deutschland die grĂ¶ĂŸte Innovation die Free-Buy-Order ist (und der eventuelle Verkauf kostet dann umso mehr). Wir sind jedenfalls gerne Teil dieses revolutionĂ€ren Brokers, der die deutsche Broker-SĂŒlze am Gelieren hindert und sind auch gerne nicht Teil der Finanzierung des BedenkentrĂ€ger-Wasserkopfes deutscher Broker mit seinen saftigen GebĂŒhren und Unwillen zur Verschlankung der Prozesse zum Nutzen der Kunden.

Wir wollen das auch mal am Zahlenwerk von Degiro-Depoteröffnung im Oktober 2014 bis Ende 2017 darstellen. Speziell fĂŒr unsere Leser hier eine Auswertung aus dem Atypisch-Still-Portfolio:

  • wir hatten einen Wertpapierumschlag (Summe der absoluten Werte aus KĂ€ufen und VerkĂ€ufen) von ingesamt 267.000 Euro
  • wir hatten fĂŒr alle KĂ€ufe Transaktionskosten von insgesamt 630 Euro
  • wir hatten fĂŒr alle VerkĂ€ufe Transaktionskosten von insgesamt 162 Euro
  • wir hatten Wertpapierkreditzinszahlungen von insgesamt 2.143 Euro
  • laufende ErtrĂ€ge dagegen im untersten fĂŒnfstelligen Bereich, die detaillierte Auswertung wĂ€re etwas aufwĂ€ndiger

ErlĂ€uternd ist noch hinzuzufĂŒgen, dass sich das Portfolio einigermaßen linear aufgebaut hat, beginnend vom vierstelligen Bereich bei Eröffnung, und begleitet natĂŒrlich von einem saftigen Anteil Wertpapierkredit.

Man könnte jetzt fragen, woher der fĂŒr ein relativ konsequentes Kaufen & Akkumulierenlassen doch recht hohe Anteil VerkaufsgebĂŒhren kommt. Verschiedene GrĂŒnde liegen hierfĂŒr vor:

  • In der Anfangszeit aufgrund UnĂŒbersichtlichkeit der Degiro-Handelsplattform (ist mittlerweile anders) erfolgter irrtĂŒmlicher Kauf von US-Aktien auf deutschen HandelsplĂ€tzen, dann Verkauf und Neukauf bei amerikanischer Börse, aus Kreditrating-GrĂŒnden. Unnötige Kosten natĂŒrlich, aber die 2, 3, 4 Euro fallen halt am Ende kaum noch ins Gewicht.
  • Die kleinste Kaufeinheit waren 250-Euro-Blöcke. Bei fortschreitendem Depotwachstum verlieren diese Kleinstpositionen an Bedeutung, sodass man sich eigentlich irgendwann entscheiden mĂŒsste, aufzustocken oder ohne große Performance-Auswirkung liegen zu lassen oder zugunsten grĂ¶ĂŸerer Pakete zu verkaufen bei entsprechenden Kaufgelegenheiten anderer Titel. Letzteres war zwei, drei Mal ein Thema. Kapital ist eben knapp und das gilt auch und gerade bei WertpapierkreditunterstĂŒtzung. Eine Art FrĂŒhjahrsputz also, bei der dann einige Kleinstpositionen rausflogen und ein im Kontext des Depotvolumens adĂ€quater grĂ¶ĂŸerer Zukauf erfolgte. Wir machen in Zukunft noch einen Artikel dazu, welche Kleinstpositionen wir mal hatten (die alle durchaus sehr gute, ausgesuchte Unternehmen waren), die dann rausgeflogen sind und welche wir im RĂŒckblick doch besser behalten hĂ€tten 🙂
  • Auch Skandale spielen eine Rolle. Wells Fargo als grĂ¶ĂŸere Position flog beim Phantomkonten-Skandal raus, Publity als zeitweise grĂ¶ĂŸte Depotposition bei Bekanntwerden des Wandelanleihen-Skandals.

Wir laden gerne dazu ein, dass unsere Leser ihre eigenen Werte im Kommentarbereich zur VerfĂŒgung stellen. Mit 99,9%iger Wahrscheinlichkeit wird man dieser VerhĂ€ltnisse jedoch nicht unterbieten können.

Also im Ergebnis muss man sich das einfach mal geben: Knapp 300.000 Euro Wertpapierhandelsvolumen bei weniger als 1.000 Euro Handelskosten dafĂŒr. Vergleicht man das mit den 10 Euro fĂŒr die 100 Euro-Order einer klassischen deutschen Bank im Studenten-Depot, kann man hoffentlich ein StĂŒck weit nachvollziehen, warum wir so zufrieden mit Degiro sind. Es ist fĂŒr uns einer DER SchlĂŒssel, um ĂŒberhaupt in die Lage versetzt zu werden, langfristig Vermögen aufbauen zu können. 0,54 Euro kostet es, Google-Aktien im Wert von 5.000 Euro an amerikanischen Börsen zu kaufen. 54 Cent! Tut uns leid, aber wir können das nur feiern. Es ist der erste Broker, bei dem der Kunde und das Kundeninteresse konsequent im Mittelpunkt steht.

Fassen wir zusammen:

  • konkurrenzlos gĂŒnstige TransaktionsgebĂŒhren (es gibt zusĂ€tzlich zu den Transaktionskosten nur ein jĂ€hrliches Börsenplatzentgelt von 2,50 Euro pro in Anspruch genommener Börse)
  • alle essentiellen Grundfunktionen gratis: DepotfĂŒhrung, Dividenden, Einzahlungen/Auszahlungen etc.
  • Wertpapierkredit zu aktuell 1,25 % p.a. Sollzins
  • ĂŒppige Beleihungswerte – Hebel bis ca. 2,33 auf Aktien möglich
  • 700 ETFs dauerhaft gratis
  • generell ein dauerhaftes Niedrigstpreisangebot fĂŒr alle, auch fĂŒr die Bestandskunden, statt stĂ€ndig wechselner Lockvogelangebote mit anschließender Abzocke

Der Abschnitt ist jetzt doch etwas lĂ€nger geworden fĂŒr eine reine Beantwortung einer Leserfrage, aber wir hoffen, wir konnten unseren Punkt trotzdem klar machen 😉

NĂ€chste Zuschrift. Der Depotstudent schrieb uns im Kommentarbereich:

1. Wieso muss es unbedingt ein variabler Zinssatz sein?

Klar sind die 1,25 % unschlagbar gĂŒnstig, das bleibt aber nicht unbedingt auf Dauer so. Es gibt Ratenkredite fĂŒr etwa 2-2,5 % mit Zinsbindung fĂŒr 8 Jahre. Das Risiko des var. Zinssatzes fĂ€llt hier weg. Man weiß was man hat und kann einen immer noch sehr schönen Hebel ansetzen. Warum kein Ratenkredit?

Völlig korrekt!

Wir kommen aber natĂŒrlich an dem Fakt, dass der Wertpapierkredit zunĂ€chst auf absehbare Zeit weiterhin 1,25 % kostet, nicht drumherum. Sogar bei ein oder sogar zwei Leitzinserhöhungen dĂŒrfte der Wertpapierkreditzins bei 1,25 % bleiben. Der Zins berechnet sich aus EONIA + Marge. EONIA steht aktuell bei knapp -0,4 % (und ist auch sonst ĂŒblicherweise in der NĂ€he des EZB-Einlagensatzes zu finden), wobei Degiro jedoch – frecherweise – von 0,0 % als Untergrenze ausgeht und die Differenz einstreicht, und die Marge ist 1,25 %. Den von uns gelesenen Finanzzeitschriften zufolge sollte es eine Leitzinsanhebung nicht vor Mitte 2019 geben. Wir sehen derzeit auch keinen steilen Anhebungspfad. Wir sehen auch perspektivisch nicht das Zinsniveau von vor der Finanzkrise. Der Wertpapierkredit rechnet sich so lange – klassische BWL – wie der Zinssatz unter der Gesamtkapitalrendite liegt. Stellt man auf Auszahlungsgesichtspunkte ab, kann man also die Dividendenrendite des Depots heranziehen. Diese liegt bei uns etwas ĂŒber 4 % gesehen. Der wiederangestiegene EUR/USD hat hier deutlich negative Spuren hinterlassen. Und wir wollen das klar sagen: wir sehen die 4 % Leitzinsniveau nicht. Es ist ja mittlerweile sogar schon eine mediale Eierei bei der FED, ob sie auf dem Niveau von 1,5-1,75 % bei einer Inflation von ĂŒber 2 % weiter deutlich anheben soll oder ob ein Überschießen der Inflation ĂŒber das 2 %-Ziel toleriert werden soll.

Aus heutiger Sicht haben wir also auf jeden Fall noch ca. 1,5 Jahre, um unsere Finanzen ggfs. zu regeln, wenn es notwendig sein sollte. Warum sollte ich also mehr als 1 % zahlen, wenn ich 1 % haben kann, dazu ohne Papierkram, völlig variabel tilg- oder ausnutzbar, und die Grenze nach oben stellen die Aktienwerte und nicht die WillkĂŒr der Banken dar?

Wir raten deshalb auch, den Wertpapierkredit in absoluten GrĂ¶ĂŸenordnungen nicht allzu stark steigen zu lassen. Wir haben das im ersten Artikel der Serie erlĂ€utert, dass wir mehr oder weniger von Gutverdienern ausgehen – und der Arbeitsmarkt ist aktuell recht eng. Deshalb sollten die bis zu 50.000 Euro, die wir regelmĂ€ĂŸig als InitialzĂŒndung fĂŒrs Depot bezeichnen, in absehbarer Zeit getilgt werden können, wenn es notwendig sein sollte.

Die Rahmenkredite kosten 6 % – variabel – und wĂŒrden auch teurer werden. Diese sind aber schon ohnehin nur fĂŒr NotfĂ€lle und nicht zu dauerhaften Finanzierung gedacht.

Wir wĂŒrden – abschließend – im Falle eines Crashes oder einer Krise jedoch wahrscheinlich tatsĂ€chlich stĂ€rker in Ratenkredite zu zusĂ€tzlichen Investmentzwecken gehen und sich bietende Chancen ggfs. nutzen.

2. Einlagensicherung nur bis 20.000 €.

Das schreckt ungemein ab, da das nach ein paar eingezahlten Raten gehebelt mit FK recht zĂŒgig erreicht ist. Wie geht Ihr damit um?

Wir haben keine Einlagen, da unser Kontostand durch den Wertpapierkredit negativ ist. Somit Kredit statt Einlage. Es könnte also höchstens der Kredit verloren gehen. Den wĂŒrde ein etwaiger Insolvenzverwalter jedoch vermutlich unproblematisch einfordern können von uns. Wertpapiere sind definitionsgemĂ€ĂŸ „technisch“ sicher, weil wir EigentĂŒmer sind und Degiro nur treuhĂ€nderischer Verwahrer. Anders herum: Degiro kann nicht EigentĂŒmer der Wertpapiere sein. Dass Degiro selbst als TreuhĂ€nder im Aktienbuch bei Namensaktiengesellschaften eingetragen ist, stört uns auch sehr, aber einen Tod mĂŒssen wir sterben fĂŒr die guten Konditionen 😉 Gefahren ergeben sich nach unserer Kenntnis daraus nicht.

3. Das System basiert auf zwei Annahmen: 1. Leitzins EZB (siehe 1.) und 2. erwartete jÀhrliche Rendite

Angenommen der Zinssatz erhöht sich innerhalb weniger Jahre auf 4-5 %, was ist Eure Maßnahme? Es entstehen zwar noch keine Buchverluste, der Cash-Flow wird allerdings schwierig aufrechtzuerhalten sein (bzw. man mĂŒsste mit den monatlichen Sparraten tilgen). Ab dem Punkt, an dem Zinssatz = erwartete Rendite (oder sich zumindest in der NĂ€he befindet), ist das System nicht mehr funktionsfĂ€hig/profitabel. Bedeutet: Tilgen. Das geht bei einem hohen FK-Anteil aber nicht mal in ein zwei Monaten, sodass die Maschine zwar weiterlĂ€uft, allerdings mit negativer Rendite. Was tun in diesem Fall? Bzw. was ist das Abbruchszenario?

Das trifft in der Theorie alles zu. Wir erwarten jedoch keine Leitzinsanhebung „ĂŒber Nacht“. Wir haben in unserem ersten Artikel der Serie geschrieben, dass wir eine Sparrate von 1.000 Euro einfach voraussetzen. Folglich wĂŒrde es vier Jahre dauern, die von uns außerdem unterstellten 50.000 Euro Kredit abzuzahlen. AbzĂŒglich bis dahin auflaufender ErtrĂ€ge, die auch tilgen, somit deutlich weniger als vier Jahre. Wir tilgen jedoch ohnehin stĂ€ndig, indem wir ErtrĂ€ge nicht entnehmen und den vom Gehalt verbleibenden Überschuss bei Degiro einzahlen. Das ist also nicht isoliert zu sehen, sondern in das fortlaufende Investieren eingebettet und das Aufrechterhalten des Wertpapierkredits von 50.000 Euro ist auch kein Selbstzweck. Nutzen, wenn es Sinn macht, und das macht es am Anfang extrem, und ggfs. einfrieren/abbauen, wenn der Start fĂŒr den rollenden Schneeball geglĂŒckt ist.

Ökonomisch gesehen, also nicht pagatorisch, gehen wir von einer Wert- und Dividendensteigerung von 7 % p.a. aus. Somit Kurssteigerungen und laufende ErtrĂ€ge. Dazu die Anmerkung, dass der (Performance-)DAX mit allen Krisen und allen Pleiterunternehmen ĂŒber 30 Jahre 8,5-9 % p.a. gestiegen ist. Wir rechnen also schon durchaus konservativ. D.h. wirtschaftlich könnte man einen Leitzins bis ca. 5 % unter BerĂŒcksichtigung von Steuern aushalten, auf pagatorischer Basis wesentlich weniger. Wir sehen einen derart hohen Leitzins aber aktuell auch nicht kommen.

4. Börsencrash: Nachschusspflicht.

Da man damit rechnen muss, dass irgendwann ein Crash kommt, wird man wahrscheinlich einen etwas grĂ¶ĂŸeren „privaten“ LiquiditĂ€tspuffer einbauen, als wĂŒrde man lediglich mit EK investieren.

Beispiel: 60 % EK 40 % FK mit 100.000 Depotwert. Es crasht in recht kurzer Zeit (sagen wir mal -70 %, Depotwert 30.000) und man muss mindestens 10.000 € nachschießen (Annahme 50 % Beleihungswert, in einer Krise wird auch das eventuell von den anfĂ€nglichen 70 % fĂŒr Aktien angepasst). Wo kommen diese 10.000 € her, um wieder auf 40.000 Depotwert zu kommen?
Theoretisch mĂŒsste man einen LiquiditĂ€tspuffer aufrechterhalten, der solche FĂ€lle abdecken kann. Wenn ich nun aber z.B. mit 25 Jahren einen Puffer von 20.000 € habe, weil ich den Kredit aufgenommen habe und mich ohne FK mit 10.000 € „sicher“ fĂŒhlen wĂŒrde, habe ich OpportunitĂ€tskosten. Man muss ja nicht auf jeden noch so unrealistischen und desaströsen Fall vorbereitet sein. Ein Crash mit -70 % ist aber nicht komplett unrealistisch, kann auch mal ganz flott gehen und dann sind die 10.000 € schnell notwendig. WĂŒrde ich diese 10.000 € direkt anlegen, hĂ€tte ich möglicherweise eine höhere erwartete Rendite als bei einem hohen FK-Anteil, der allerdings einen höheren Puffer „erzwingt“.

Also wir wollen jetzt nicht ĂŒberheblich klingen, aber die 10.000 Euro kann man zunĂ€chst auch mal vom Dispo bezahlen, wenn es drĂ€ngt. Das dreifache Netto wird ja von den Banken ĂŒblicherweise gewĂ€hrt und wir haben jeweils das Maximum beantragt.

Als Puffer haben wir Rahmenkredite, die möglichst in Höhe des Wertpapierkredits beantragt werden sollten. Diese sind in Zeiten der Nichtnutzung kostenlos. Also wird hiermit die ĂŒblicherweise ungenutzte und brachliegende BonitĂ€t monetarisiert, indem sie dem kostenlosen Pufferkredit und damit als billiger Ersatz fĂŒr teures Eigenkapital dient. Ob das mit den dauerhaften hohen – ungenutzten – Rahmenkrediten z.B. ĂŒbermĂ€ĂŸig negativ fĂŒr die Schufa ist, können wir gar nicht genau sagen. Wir hatten jedoch bislang keine damit im Zusammenhang stehenden Probleme und die Schufa-AuszĂŒge sind einigermaßen unauffĂ€llig.

Insgesamt sehen wir das so: angenommen es kommt ein drastischer Crash. Dann mĂŒsste ja erstmal der bereits innerhalb von Degiro vorhandene Spielraum/Finanzrahmen aufgebraucht werden. Anschließend kommt der Margin Call. Dann muss man halt gucken, was am bequemsten ist. Die erste Überweisung geht bei uns dann immer erstmal vom Dispo ab, zeitgleich wird der Rahmenkredit in Anspruch genommen, dieser gleicht dann den Dispo wieder aus. Das geht bei der ING Diba sehr schnell, z.T. gleichtĂ€gig. Wenn der erste Rahmenkredit voll ist, kommt der zweite dran und anschließend der Dispo.

Sollte das immer noch nicht reichen, und das dĂŒrfte ein sehr sehr singulĂ€rer Fall sein, hat man ja immer noch zwei Möglichkeiten. Kurzfristig einen Ratenkredit beantragen oder eben Aktien verkaufen (zunĂ€chst die mit schlechtem Kreditrating). Insgesamt sehen wir uns deshalb fĂŒr diese Situation mehr als komfortabel aufgestellt. Man muss dann bei Erreichen der 50.000EK/50.000FK=100.000€ eben langsam von dem Gedanken wegkommen, dass der substantielle Hebel in der Höhe aufrecht erhalten bleiben soll und das verhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Risiko langsam abbauen. Wichtig ist halt, sich einfach mal hinzusetzen und sich VORHER Gedanken zu machen: was wĂŒrde ich tun, wenn der Markt so und so viel nachgibt. Welche Kreditmöglichkeiten habe ich, auf welche habe ich ggfs. kurzfristig Zugriff? Und das gerne auch mal schriftlich festhalten.

5. Das System macht Sinn, keine Frage. Es macht aber nur gemittelt und ĂŒber mindestens 10-15 Jahre Sinn.

Darum auch der Gedanke mit dem gebundenen Zins. Ohne diese lange Anlagedauer trifft die Annahme mit 7 % Rendite nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht zu. Dann ist es eine Spekulation darauf, dass sich der Zins innerhalb der nĂ€chsten Jahre nicht wesentlich Ă€ndert und der Einstiegszeitpunkt heute besser ist als in zwei, drei oder vier Jahren. Der Einstiegszeitpunkt ist natĂŒrlich grundsĂ€tzlich immer besser je frĂŒher er erfolgt. Das trifft aber nur mit hinreichender Genauigkeit zu, wenn man sehr lange ZeitrĂ€ume betrachtet und nicht nur einen Zeitraum, in dem die Zinsen gerade recht niedrig sind.

Richtig, wir sind extrem langfristige Anleger und haben verdammtes GlĂŒck gehabt mit den niedrigen Zinsen. Vom Grundsatz her unterstreichen wir auch absolut die Maxime „verkauft wird am besten nie“, und auch „gekauft wird nur nach reiflicher Überlegung, damit man am Ende nicht gleich wieder verkaufen muss“. Wir haben deshalb auch einen relativ niedrigen Portfolioumschlag, weil ab bestimmten GrĂ¶ĂŸenordnungen weniger die GebĂŒhren eine Rolle spielen, als die Steuern auf den Verkaufsgewinn, die bei jedem Verkauf ausgelöst werden. FĂŒr uns eine sehr schöne Verkaufshemmschwelle, dass wir bei einem Verkauf Steuern im vierstelligen Bereich bezahlen mĂŒssten – was wir natĂŒrlich nicht wollen.

Übrigens auch eine schöne Verkaufshemmschwelle als Anreiz zum Stillhalten bei Leuten mit nervösem Kauf-/Verkaufsknopf-Finger ist die konsequente Orientierung an der rechnerischen monatlichen Dividende. Ab einer gewissen GrĂ¶ĂŸenordnung möchte man nĂ€mlich ein Absinken unbedingt vermeiden, zumindest ist das bei uns so. Muss man dann natĂŒrlich z.B. in Excel nachverfolgen.

Dass man die 7 % p.a. Rendite nicht erreicht, kommt unseres Erachtens gedanklich wohl aus der ETF-Ecke. Warum kaufen wir denn spezielle Aktien? Entweder, weil a) eine besondere Situation z.B. ein Kurseinbruch bei einem ansonsten funktionierenden Unternehmen vorliegt oder b) weil das Unternehmen aufgrund seines GeschĂ€ftsmodells besonders gute Aussichten hat. Es ist ja schließlich kein Zocken oder Blindflug, was wir machen. Wir haben genau diese Unternehmen im Portfolio, weil wir genau diese Unternehmen haben wollten. Im Übrigen haben wir diverse Aktien im Portfolio, die wir aus bestimmten GrĂŒnden sogar auf Höchstkursen gekauft haben (Amazon, Microsoft…) und die sich seitdem trotzdem mehr als verdoppelt haben. Mit einer rechnerischen Rendite natĂŒrlich von weit mehr als 7 % p.a. seit Kauf, die wir, ohne es auf die Nachkommastelle genau zu wissen, auch auf Gesamtdepot-Ebene wahrscheinlich weit ĂŒbertroffen haben. Die 7 % brauchen wir jedoch trotzdem gedanklich zum groben Überschlagen und fĂŒr die Portfoliostrategie.

Auf Index-Ebene dagegen geben wir Dir jedoch gerne Recht, dass bei einem Einstieg auf Höchstkursen die 7 % p.a. kaum zu erreichen sein werden.

6. Eine Alternative zu Eurer Vorgehensweise wĂ€re also beispielsweise ein (ich nenne es mal so) rollierender Ratenkredit ĂŒber 10 Jahre. Sodass man monatlich normal die 1.000 € investiert und z.B. jedes halbe Jahr einen „neuen“ Ratenkredit fĂŒr x Euro mit 2 % ĂŒber z.B. 8 Jahre aufnimmt. Das ist meiner Meinung nach ein Investment. Eurer Vorgehen empfinde ich eher als Spekulation. ZusĂ€tzlicher Vorteil: 100 % sichere Cash-Flows und keine Nachschusspflicht. Da lĂ€sst sich das Fremdkapital sogar „risikolos“ mit einem noch höheren Anteil ansetzen, da niemals nachgeschossen werden muss. Tilgung der Raten (und damit Cash-Flow) ist der einzige Aspekt, auf den man achten muss. Die BörsenverlĂ€ufe sind bis auf etwaige DividendenkĂŒrzungen komplett uninteressant.
Mein Abbruchszenario: Es gibt in diesem Sinne gar keines. Solange der Zinssatz fĂŒr einen Ratenkredit fĂŒrs nĂ€chste Jahrzehnt geringer ist als die angenommenen 7 % (oder sicherheitshalber 6 % etc.), nehme ich erneut einen Kredit auf, da das Investment ĂŒber diesen Zeitraum mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit FrĂŒchte trĂ€gt. In gewissem Sinne (jedes halbe Jahr Kredit) wird zudem der Cost-Average-Effekt genutzt, sodass die Erfolgswahrscheinlichkeit nochmal hoch geht.

SelbstverstĂ€ndlich gibt es Alternativen zu unserer Vorgehensweise, wir halten diese jedoch fĂŒr weniger flexibel und teurer. Wir spekulieren, wenn man so will, auf eine dauerhaft gĂŒnstigere Refinanzierung. Wir zahlen jedoch seit 3,5 Jahren 1,25 % p.a. Sollzinsen und werden dies voraussichtlich noch mindestens weitere 1,5 Jahre machen können. Und das ist auch noch gar nicht ausgemacht, dass die Zinsen angehoben werden und wenn ja, wie schnell. Und tilgen oder umschulden kann man ja immer noch.

Wie oben dargestellt sind die angestrebten 50.000 Euro Wertpapierkredit auch insgesamt noch recht ĂŒbersichtlich und fĂŒr Normalverdiener im finanziellen Gesamtkontext wahrscheinlich wenig riskant. Wir wĂŒrden hier auch Risiken fĂŒr die Schufa sehen, wenn man jedes halbe Jahr neue Kredite beantragt.

7. Ich weiß, dass Ihr ETFs eher skeptisch gegenĂŒbersteht. Spricht Eurer Meinung hier etwas dagegen, das System mit einem ausschĂŒttenden, globalen ETF-Portfolio zu erstellen? Nachteil könnte natĂŒrlich sein, dass die Dividendenrendite in der Regel geringer ist als bei Einzelaktien.

Der ETF ist von der Grundidee ja sehr gut. Wir haben in unserem ETF-Artikel damals in erster Linie auf die aus der technischen Konstruktion resultierenden Risiken hingewiesen und sind einfach grundsĂ€tzlich Freunde der Direktanlage. Wie du aber schon richtig feststellst, ist einer der großen Vorteile der Direktanlage die Beeinflussbarkeit der Höhe der Auszahlung.

Es wird zumindest bei Degiro aber wahrscheinlich am Wertpapierkreditrating hapern, weil ETFs unserer Kenntnis nach nicht beleihbar sind. Solltest Du es mit Ratenkrediten refinanzieren wollen, spricht auch das dann nicht mehr dagegen. Wir können aber ETFs grundsÀtzlich nicht empfehlen, weil ich mir mit einem DAX-ETF Unternehmen wie die Deutsche Bank, die Commerzbank etc. einkaufe, die ich allesamt nicht haben will. Das wird bei globalen ETFs vermutlich vergleichbar sein, dass genug Performance-Tode enthalten sind.

Wir hoffen, wir konnten erschöpfend auf Eure Fragen eingehen und freuen uns sehr ĂŒber das Interesse!

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