Equity Story: Hannover Rück SE

In der heutigen Equity Story haben wir den zweiten Rückversicherer unseres Portfolios zum Thema: die Hannover Rück SE!




Das Unternehmen:

Der Hannover Rück-Konzern ist mit einem Bruttoprämienvolumen von über 17 Mrd. EUR der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Die Hannover Rück SE ist eine Europäische Aktiengesellschaft, Societas Europaea (SE), mit Sitz in Hannover, Deutschland. Das Rückversicherungsgeschäft wird in den Geschäftsfeldern Schaden- und Personen-Rückversicherung betrieben. Sowohl die Strategie der Schaden- als auch die der Personen- Rückversicherung unterstützt das übergeordnete Konzernziel: „Nachhaltiger Erfolg in einem wettbewerbsintensiven Geschäft“. Die gesamten Geschäftsaktivitäten konzentrieren sich darauf, für die Geschäftspartner die beste Option bei der Wahl des Rückversicherungspartners zu sein. Zum Nutzen der Kunden und Aktionäre will die Hannover Rück Wettbewerbsvorteile erzielen, indem sie das Rückversicherungsgeschäft mit niedrigeren Verwaltungskosten betreibt als ihre Wettbewerber. Ergänzend zum Kerngeschäft der Rückversicherung wird in ausgewählten Marktnischen Erstversicherungsgeschäft betrieben.

Wir zitieren nachfolgend unserer Ansicht nach wesentliche Passagen aus dem Geschäftsbericht.

Zum allgemeinen Umfeld:

Für die internationale (Rück-)Versicherungswirtschaft war das Umfeld auch 2017 unverändert herausfordernd. Aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus lag die Werterhaltung der Kapitalanlagen sowie die Stabilität der Rendite nach wie vor im Fokus der Versicherer.

In der Schaden-Rückversicherung herrschte 2017 ein nach wie vor intensiver Wettbewerb. Die Kapitalausstattung der Erstversicherer war weiterhin gut, sodass diese ihren Selbstbehalt hoch ließen. Zudem floss weiterhin Kapital aus dem Markt für Katastrophenanleihen (ILS-Bereich) in den Rückversicherungsmarkt, sodass die Kapazitäten im Markt deutlich über der Nachfrage lagen und dadurch unverändert Druck auf Konditionen und Preise bestand. Eine Trendwende hiervon deutete sich in der zweiten Jahreshälfte an. Die drei schweren Hurrikane sowie die Erdbeben in Mexiko und die Waldbrände in Kalifornien brachten eine außerordentlich hohe Großschadenbelastung für die (Rück-)Versicherungswirtschaft mit sich. Vor dem Hintergrund war zum Jahresende schon ein anziehendes Ratenniveau erkennbar.

Zu Risiken und Chancen:

Der digitale Wandel und die Digitalisierung waren auch 2017 ein unverändert an Bedeutung gewinnendes Thema für die (Rück-)Versicherungsbranche. So standen die Entwicklung neuer Produkte, eine innovativere Kundenbetreuung sowie die Optimierung von internen Kostenstrukturen und Geschäftsprozessen im Fokus der Versicherer. Gleichzeitig nahmen Beteiligungen an sowie Kooperationen mit Start-ups und InsurTechs weiterhin zu. Dieser Trend sollte sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung wuchs der Versicherungsmarkt für Cyberrisiken im Jahr 2017 weiter deutlich. Aufgrund zunehmender Cyberangriffe wie bspw. die Attacke auf das US-amerikanische Finanzdienstleistungsunternehmen Equifax im Mai 2017 stieg die Nachfrage nach Deckungen für Cyberrisiken weiter an. Nach wie vor wurde der überwiegende Teil der weltweiten Versicherungsprämie in den USA erwirtschaftet, aber auch in Europa wuchs das Interesse an entsprechenden Deckungen weiter.

Weltweit führt der fortschreitende demografische Wandel und die zunehmende Alterung der Bevölkerung zu einer weiter steigenden Nachfrage nach Altersvorsorgeprodukten – auch für die Rückversicherungsbranche. Ferner werden auch sogenannte Lifestyle-Produkte zunehmend nachgefragt. Hierbei handelt es sich vornehmlich um maßgeschneiderte Lebensversicherungsprodukte zur Absicherung des individuellen Lebensstils des Versicherungsnehmers. Dies sind insbesondere Policen, deren Prämie an das Gesundheitsverhalten des Versicherten (z. B. Fitness, Ernährung) geknüpft ist. Während solche Produkte bisher eher in angelsächsischen und asiatischen Ländern Absatz fanden, lässt sich ein spürbares Interesse an diesem Trend auch in Europa erkennen.

Zum Schadens-Rückversicherungssegment:

Die Situation in der Schaden-Rückversicherung zeigte sich im Geschäftsjahr wenig verändert. Die wettbewerbsintensiven Marktverhältnisse hielten zunächst an; die Rückversicherungskapazitäten überstiegen die Nachfrage nach wie vor deutlich. Zusätzliche Kapazitäten aus dem Markt für Katastrophenanleihen sorgten zudem für einen anhaltenden Druck auf die Preise und Konditionen. Gleichwohl boten sich in den Vertragserneuerungsrunden auch profitable Geschäftsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund stieg die Bruttoprämie um 16,4 % auf 10,7 Mrd. EUR (Vorjahr: 9,2 Mrd. EUR) an. Bei konstanten Währungskursen hätte das Wachstum 18,7 % betragen. Damit liegt es deutlich über unseren Erwartungen.

Zum Kapitalanlageergebnis:

Erfreulich stellte sich das Kapitalanlageergebnis aus selbstverwalteten Anlagen für die Schaden-Rückversicherung dar. Es erhöhte sich um 35,9 % auf 1.191,5 Mio. EUR (876,9 Mio. EUR). Hier zeigt sich unter anderem der positive Effekt aus dem Verkauf unseres Aktienportefeuilles. Aber auch die ordentlichen Kapitalerträge stiegen um 12,8 % auf 1.014,7 Mio. EUR (899,3 Mio. EUR).

Die sich hieraus ergebende Jahresrendite betrug 3,8 % (3,0 %). Prognostiziert hatten wir 2,7 %; diese Zielgröße haben wir im November 2017 auf 3,0 % erhöht.

Zum Gesamtgeschäft:

Die Bruttoprämie für unser Gesamtgeschäft stieg zum 31. Dezember 2017 um 8,8 % auf 17,8 Mrd. EUR (16,4 Mrd. EUR). Bei konstanten Währungskursen hätte es ein Wachstum von 11,2 % gegeben. Damit haben wir unsere Prognose übertroffen, die zunächst von einem Zuwachs im niedrigen einstelligen Prozentbereich ausging und im Jahresverlauf schließlich auf mehr als 5 % angehoben wurde. Der Selbstbehalt stieg auf 90,5 % (89,3 %).

Zum Geschäftverlauf 2017:

Mit dem Geschäftsverlauf im Jahr 2017 ist die Hannover Rück zufrieden, auch wenn das Unternehmen angesichts der überdurchschnittlichen Großschadenbelastungen nicht alle Ziele erreichen konnte. Die schweren Großschadenereignisse, die sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte ereigneten, ließen das Erreichen des Gewinnziels von mehr als einer Milliarde Euro nicht zu. Allerdings konnte die im Herbst auf rund 800 Millionen Euro reduzierte Gewinnprognose erfüllt werden. Positiv auf das solide Konzernergebnis wirkte sich der Verkauf des Portefeuilles börsennotierter Aktien im dritten Quartal aus. Zwar haben die überdurchschnittlich hohen Belastungen aus Naturkatastrophenschäden das Ergebnis der Hannover Rück geschmälert; allerdings werden sie keinen nachhaltigen Einfluss auf unsere Ertragskraft und  Kapitalisierung haben. Im Gegenteil: Die Schäden haben dazu geführt, dass sich die Marktkonditionen für Rückversicherer wieder verbessern. Das Eigenkapital der Gesellschaft zeigt sich weiter robust. Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Lageberichtes ist die wirtschaftliche Lage des Hannover Rück-Konzerns wie auch die Finanzkraft unverändert gut. So werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vorschlagen, eine Dividende auf Vorjahreshöhe zu zahlen.

Warum dieses Unternehmen?

Die Hannover Rück zeichnet sich seit Jahren in erster Linie als zuverlässiger Dividendenzahler aus. Wie oben ausgeführt, wird diese Dividende im operativen Geschäft auch verdient. Und es wird gut verdient, und die Dividende ist Gleichmaßen üppig.

Gegenüber dem großen Wettbewerber, der Münchner Rück, gibt es einige Unterschiede. Zum einen strebt Hannover Rück Kostenführerschaft an. Da Versicherungsgeschäft natürlich in erster Linie ein Geschäft mit Zahlen ist, das sich aus Statistik und Mathematik zusammensetzt, können wir auf einen unnötig großen – nicht den Kern des Geschäftsmodell ausmachenden – Wasserkopf gerne verzichten. Insofern teilen wir als Aktionäre das Streben nach Kosteneffizienz.

Die Hannover Rück ist aber zum anderen nicht nur kosteneffizient, sondern verdient gut, erfüllt mit den Geschäftszahlen regelmäßig die Erwartungen oder übertrifft sie und auch die Kapitalanlagerendite im Wertpapiergeschäft ist durchaus achtbar im Nullzinsumfeld. Die Hannover Rück ist außerdem traditionell gut kapitalisiert, was seit Jahren zu Sonderdividenden führt. Da sich in der jüngeren Vergangenheit mehrere DAX-Chefs in die Richtung geäußert haben, dass aufgrund der im Wesentlichen zinsinduzierten Bewertungsexpansion Zukäufe nicht zu vertretbaren Preise zu haben sind, wird das überschüssige Kapital eben ausgeschüttet.

Wir haben die Hannover Rück aufgrund der traditionell guten wirtschaftlichen Fundamentaldaten sowie der üppigen Auszahlungen gerne im Depot. Wir sind vom Geschäftsmodell genau wie bei der Münchner Rück überzeugt, wenngleich die Hannover Rück selbst vom Konkurrenzdruck vom Katastrophenanleihenmarkt spricht, weil es derzeit schlicht zu viel Geld auf der Welt gibt, das nach Rendite strebt. Im Rückversicherungsmarkt drückt das auf die Preise. Jedoch ist das Geld auch Ruckzuck wieder weg, wenn anderswo höhere Zinsen locken. Rückversicherer machen dann weiterhin Rückversicherung und können Marktanteile zurückgewinnen.

In den USA steigen die Leitzinsen aber seit nunmehr bereits längerer Zeit wieder an, sodass Alternativanlagen an Attraktivität gewinnen. In den USA gibt es stand heute sogar wieder mehr als 3 % Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen. Europa wird hier früher oder später folgen müssen. Wie bereits mehrfach ausgeführt, gehen wir hier von einem wesentlich gemächlicherem Zinspfad aus. Jedoch ist die Tendenz aus unserer Sicht das Entscheidende.

Wir empfehlen zum vertiefenden Verständnis des Geschäftsmodells auch die Unternehmenspräsentation zu lesen, insbesondere die Seiten 10 bis 20.

Für 2018 erwartet Hannover Rück ein Bruttoprämienwachstum von über 10 % und sieht sich zugleich zu einer mindestens gleichbleibenden Dividende in der Lage. Erfreulich ist die bereits heute prognostizierte weitere Steigerung der Dividende in 2019. Die bereits vorliegenden Zahlen für das erste Quartal lassen ein gutes Jahr 2018 vermuten.

Die Aktie:

Die Aktien der Hannover Rück haben wir ebenfalls erstmals zur Depoteröffnung im Oktober 2014 gekauft und nach saftiger Dividendenerhöhung in der Folge im März 2015 aufgestockt. Der Aktienkurs ist seither unter geringen Schwankungen insgesamt leicht gestiegen.

Maßgeblich war damals grundsätzlich, zunächst verschiedene stabile Standardaktien in das Portfolio aufzunehmen, um

  1. a) eine frühe Diversifikation zu erreichen,
  2. b) substantielle Dividendenzahlungen zu erzielen sowie
  3. c) die Eigenkapitalunterlegung durch gute Wertpapierkreditratings nicht unnötig in die Höhe zu treiben.

Daneben konnten wir uns ursprünglich eine Dividendenrendite von 4,9 % einkaufen. Heute nimmt Hannover Rück im Atypisch Still Portfolio einen Anteil von 0,6 % ein. Zwischenzeitlich sind 49 % Buchgewinn aufgelaufen. Unsere Dividendenrendite bezogen auf die Anschaffungskosten liegt nach guten jährlichen Erhöhungen mittlerweile bei 6,6 %, während der Neueinstieg derzeit zu 4,4 % bei einem attraktiven KGV2018 von 13 zu haben ist.

In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz von Hannover Rück um 8,0 % p.a. und der Gewinn pro Aktie um 2,9 % p.a. erhöht, während die Dividende um 8,1 % p.a. gestiegen ist. Eine Dividendensteigerung oberhalb der Gewinnsteigerung ist nicht nachhaltig, deshalb kann die jährliche Ausschüttungssteigerung nicht auf die Zukunft fortgeschrieben werden.

Das Unternehmen steigert die Dividende nach Kürzung in der Finanzkrise seit 9 Jahren und liegt bei einer Auszahlungsquote von gesunden 57% bezogen auf den Gewinn pro Aktie.

Fazit:

Ein weiteres der eher trockeneren Standard-Unternehmen, die von uns eher mühsam in Textform zu gießen sind, aber die einfach laufen, und laufen, und laufen…Hannover Rück gehört ebenso zu den Weltmarktführern und verfügt als global relevanter Marktteilnehmer über ein mehr als solides Geschäftsmodell mit ausreichendem Burggraben. Das Unternehmen hat die Aktionäre in der Vergangenheit durchaus verwöhnt, was Dividenden anging. Wir gehen mindestens von einer konstanten Entwicklung aus und sehen kein Grund, mit dieser Position irgendetwas anzustellen.

Weiterführende Quellen:

Jahresbericht 2017

Dividendenhistorie

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